WILDHAUS: Kanton mit Schweiz vergleichbar

Die Wildhauser Tagung der Freisinnigen Bäuerinnen und Bauern befasste sich mit «St. Galler Landwirtschaft – wohin führt der Weg?». Es gab Referate, Anregungen und Diskussionen.

Adi Lippuner
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Roger Peterer, Leiter Landwirtschaftsamt, Rolf Huber, Gemeindepräsident Oberriet, Peter Nüesch, Präsident St. Galler Bauernverband, Regierungsrat Marc Mächler und Fabian Tobler, Geschäftsführer ProVerda AG (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Roger Peterer, Leiter Landwirtschaftsamt, Rolf Huber, Gemeindepräsident Oberriet, Peter Nüesch, Präsident St. Galler Bauernverband, Regierungsrat Marc Mächler und Fabian Tobler, Geschäftsführer ProVerda AG (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

Alljährlich befassen sich an der Landwirtschaft interessierte Mitglieder der FDP.Die Liberalen in Wildhaus mit bäuerlichen Themen. Peter Nüesch, Präsident St. Galler Bauernverband und Präsident Fachausschuss FDP Landwirtschaft, konnte sich am Samstag über reges Interesse am Anlass freuen. Als Referenten waren Roger Peterer, Leiter Landwirtschaftsamt Kanton St. Gallen, und Fabian Tobler, ­Geschäftsführer ProVerda AG, Rebstein, eingeladen. An der Podiumsdiskussion nahmen nebst den Referenten auch Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher Baudepartement, und Kantonsrat Rolf Huber, Oberriet, teil.

Zahlreiche Herausforderungen

Für Roger Peterer ist der Kanton St. Gallen landwirtschaftlich gesehen eine kleine Schweiz. «Die Landschaft ist vielfältig, von der Talzone bis zur Bergzone vier, die Nutzung ist vielgestaltig und die tief verankerte Schollenverbundenheit macht es nicht einfach, Betriebe, die nicht rentabel sind, aufzugeben.» Als Stärken der St. Galler Bauernfamilien sieht Roger Peterer den guten Aus­bildungsstand, der vorhandene Leistungswille und das Selbst­vertrauen, aber auch die moderate Verschuldungsquote trotz hoher Investitionstätigkeiten.

Geht es um die Herausforderungen für die St. Galler Landwirtschaft, erwähnte der Leiter des kantonalen Landwirtschaftsamts das generell hohe Lohn- und Kostenniveau der Schweiz, der technische Fortschritt mit ­hohen Kostenfolgen, die Bodenknappheit und die damit ver­bundene widersprüchliche Agrar­politik, aber auch der Hochwasserschutz an Rhein, Thur und Seez, Fragen rund um Nachfolge­regelungen, vor allem, wenn eine Generation hohe Investitionen getätigt hat, aber auch der gesellschaftliche Wandel und damit das Spannungsfeld zwischen urbaner und ländlicher Bevölkerung. Die ProVerda AG in Rebstein ist ein Aufbereitungs- und Verpackungsbetrieb von Frischgemüse aller Art. Geschäftsführer Fabian Tobler erklärte, dass sie an 365 Tagen pro Jahr für die Kundschaft da sind. «Wir spüren den harten Verdrängungsmarkt beim Frischgemüse in der Schweiz. Zudem gibt es auch eine Verdrängung von konventionellen durch biologische Produkte.» In diesem schwierigen Umfeld und unter dem steigenden Kostendruck müsse das Unternehmen erfolgreich sein.

Beim Podiumsgespräch war zu erfahren, dass Marc Mächler in seinem Departement ein Amt für Wasser und Energie schaffen will, «denn diese Themen werden uns in Zukunft vermehrt beschäftigen». Fabian Tobler betonte, dass der Markt in Zukunft tiefere Preise erwarte und dies bedeute, dass sich die Produktionsbetriebe mittel- bis längerfristig spezialisieren müssen, um mithalten zu können. Eine Diskrepanz zwischen Wünschen und Realität sieht Huber: «Alle wollen regionale Produkte, aber niemand verträgt Immissionen in seiner Nähe.» Für Roger Peterer sollte Landwirtschaft nicht nur vom sozialen Standpunkt her gesehen werden, die Betriebe müssen auch ökonomisch geführt werden.