WILDHAUS: Gutes Miteinander ist gefragt

Bei der Wanderung des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg erhielten die Teilnehmer einen Einblick, was es heisst, in einem touristischen Gebiet Landwirtschaft zu betreiben.

Beatrice Bollhalder
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Hier wird die «Grenze» vom Toggenburg Richtung Rheintal überschritten.

Hier wird die «Grenze» vom Toggenburg Richtung Rheintal überschritten.

Beatrice Bollhalder

redaktion@wundo.ch

Jedes Jahr lädt der Alpwirtschaftliche Verein Toggenburg zu einer Wanderung ein. Und die Mitglieder folgen der Einladung jeweils zahlreich, da sich hier wichtige Themen, die die Alpwirtschaft betreffen, unter ihresgleichen gut besprechen lassen. So haben sich am vergangenen Donnerstag einmal mehr ein paar Dutzend mit Wanderschuhen und Schirmen «bewaffnete» und an der Alpwirtschaft interessierte Frauen, Männer und Kinder auf Iltios eingefunden.

Dort erhielten sie von Christian Feiss Zahlen und Fakten zur gleichnamigen Alp, deren Weiden sich bis auf den Chäserrugg erstrecken. Besonders interessiert zeigten sich die Besucher am neuen Stall der Familie Brändle, dessen Gebälk von einem Gebäude auf dem Stöfeli stammt, das der neuen Bahn weichen musste. Der Stall wurde praktisch eins zu eins wiederaufgebaut. Selbst jener Raum, aus dem die Skiliftmitarbeiter den Betrieb früher durch hohe Glasfenster überwachen konnten, ist wieder so hergestellt worden.

Verhandeln wird belohnt

Schirm auf – Schirm zu, Kapuze hoch – Kapuze runter, so ging es durch leichten Regen auf dem Klangweg Richtung Wildhaus. Die Sonne erwarte er gegen Mittag, versprach Thomas Bohl. Dass der neue Präsident des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg dieses Versprechen halten kann, daran glaubten nicht mehr alle. Die verantwortlichen Personen, die Auskunft über die Alpen geben konnten, hatte der junge Landwirt aber gut ausgesucht. Denn auch Hans Forrer, Präsident der Freienalp, wusste viel Interessantes zu erzählen. Auch dessen Aussagen zielten wie jene seines Vorgängers dahin, dass man eben verhandeln müsse, wenn eine touristische Einrichtung etwas von den Bauern wolle. So konnten und können immer wieder Strom- und Wasserleitungen günstig verlegt werden, wenn ohnehin gerade ein Bauprojekt in der Nähe realisiert wird. So ist heute ein Grossteil der Alpen im Skigebiet erschlossen. Es ist ein Geben und Nehmen, also ein gesundes Miteinander.

Grenze überschritten

Die Wanderergruppe überquerte danach eine Steinmauer und befand sich damit nicht mehr im Toggenburg, sondern bereits auf Grabser Boden. Andreas Vetsch, der Vizepräsident der Ortsgemeinde Grabs, in deren Besitz diese Alp ist, erklärte, dass man alle Alpen mit jeweils sechsjährigen Pachtverträgen vergeben habe.

Damit kann hier jeder Pächter im Gegensatz zu deren Kollegen im Toggenburg selber entscheiden, wann er die Alp bestossen will. Nur der 25. September muss beachtet werden – dann muss die Alp nämlich geleert sein.

Allmählich blieb der Schirm mehr zu als offen, und der Magen begann leise zu knurren. Die letzte Wegbiegung und da war sie – die Alp Ölberg. Das hiess, das Ziel war erreicht. Nun galt es, schnell für den obligaten Schüblig anzustehen. Mit Wurst, Brot und Getränk bestückt liessen sich die Wanderer gern im Stall an einem der Tische nieder und genossen nicht nur ihr Essen, sondern auch die musikalischen Klänge, für die drei Nachwuchsmusikanten sorgten. Ein Blick aus dem Stall zeigte schon bald, dass der Präsident Recht behalten hatte, denn die Sonne blinzelte nämlich hervor.

Bevor die Wandergruppe des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg der Alp Ölberg den Rücken wieder zugedreht hatte, erfuhren die Gäste noch, warum die Familie Gantenbein vor einigen Jahren auf Grauvieh umgestellt hat und wie viel Käse auf dieser Alp produziert wird. Auf dem Nachhauseweg konnte dann die Gegend, die vorher hinter Nebelvorhängen versteckt war, endlich bewundert werden.