WILDHAUS: Besser Steine lüpfen statt warten

Eine Gruppe Asylsuchender hat auf der Alp Tesel Steine zusammengelesen. Für die Alpverantwortlichen eine wertvolle Hilfe, für die Asylsuchenden eine Möglichkeit, dem Tag Struktur zu geben.

Adi Lippuner
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Eine Gruppe Asylsuchender mit ihrem Betreuer Tiago van der Weg (Dritter von links) sammelt auf der Alp Tesel Steine ein. (Bild: Adi Lippuner)

Eine Gruppe Asylsuchender mit ihrem Betreuer Tiago van der Weg (Dritter von links) sammelt auf der Alp Tesel Steine ein. (Bild: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

redaktion@wundo.ch

Letzten Winter hat eine Lawine unzählige Steine von unterhalb der Schafbergwand auf die Weidefläche der Alp Tesel transportiert. «Eine schwierige Situation, denn die Alp sollte, bevor das Gras wächst, möglichst vom Geröll befreit sein», so Karl Lenherr, Präsident der Ortsgemeinde Gams. Die Alpen Fros, Tesel, Gulmen und Grueb sind alle im Besitz der Gamser Ortsgemeinde und befinden sich zwischen Gamplüt und dem Mutschen­sattel.

Seit drei Jahren kann die Ortsgemeinde Gams auf die Zusammenarbeit mit der Asylorganisation Zürich (AOZ) zählen. Diese führt im Auftrag des Bundes, Staatssekretariat für Migration (SEM), gemeinnützige Arbeiten mit Asylsuchenden, welche im Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten auf ihren Entscheid warten, durch. Für Bernd Hammerer, er leitet das dreiköpfige Team, sind Tagesstrukturen, verbunden mit einer sinnvollen Beschäftigung, äusserst wichtig.

«Arbeiten gegen Entgelt dürfen Asylsuchende nicht, aber seit 2014 gibt es das Projekt des Bundes, welches die Priorität auf externe gemeinnützige Beschäftigung legt», erklärt Bernd Hammerer. Beim Start sei nur eine Person mit dieser Aufgabe der externen Beschäftigung betraut gewesen, «inzwischen ist ein Team von drei Personen im Einsatz». 2016 seien im Rahmen dieses Projekts 600 Einsätze geleistet worden. Für die Asylsuchenden gebe es, wenn sie nach spätestens drei Monaten ihren Entscheid erhalten und auf die Kantone verteilt werden, eine kleine Motivationspauschale.

«Wichtiger als das Geld sind aber die Werte, welche den Menschen, die aus ganz anderen Kulturen kommen, vermittelt werden», ist Bernd Hammerer überzeugt. «Bei den Arbeitseinsätzen lernen sie Pünktlichkeit, es gibt klare Strukturen, denn Pause gemacht wird dann, wenn es der Betreuer vorgibt.» Bei solchen Arbeitseinsätzen gebe es auch Wertschätzung für die Asylsuchenden, «denn die Bevölkerung nimmt die Menschen so ganz anders wahr, und es können auch Vorurteile abgebaut werden».

Eine harte körperliche Arbeit

Doch zurück zum geleisteten Arbeitseinsatz letzte Woche auf der Alp Tesel: Nicht ganz einfach, einen Tag lang Steine zusammenlesen, diese in grossen Kübeln sammeln und dann entweder auf einen Haufen oder in den Behälter beim Traktor schütten. Doch die anstrengende körperliche Arbeit scheint den vorwiegend jungen Männern Freude zu bereiten. Ihr Betreuer, Tiago van der Weg, hat keine Schwierigkeiten, der Gruppe immer wieder neue Flächen, die noch vom Geröll gesäubert werden müssen, zuzuweisen.

Alpchef Ernst Lenherr ist voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit den AOZ-Verantwortlichen: «Wir können Arbeitseinsätze vereinbaren, zeigen der Betreuungsperson, was ausgeführt werden muss, und dann organisieren die sich völlig selbstständig.» Dies gelte für Alpräumungen, aber auch bei Einsätzen im Wald, doppelte Karl Lenherr nach.

Gemäss Bernd Hammerer dürfen Asylsuchende für Aufgaben wie Alpräumungen, Weidepflege, Arbeiten an Wanderwegen oder Räumen von Holzschlägen sowie die Bekämpfung von Neophyten eingesetzt werden. Zudem gebe es mit der Stadt Altstätten eine Vereinbarung, dass Liegengelassenes, also Littering, eingesammelt werde, und bei der Melioration der Rheinebene komme es zu Reinigungseinsätzen entlang des Kanals.

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