WILDHAUS: Auf Zwinglis Spuren um und in Einsiedeln

Huldrych Zwingli war von 1516 bis 1519 in Einsiedeln als Leutpriester tätig gewesen. Eine ansehnliche Schar Mitglieder der Zwinglianischen Gesellschaft Wildhaus-Alt St. Johann begab sich am dritten November-Samstag auf Spurensuche ins Klosterdorf.

Hans Ruedi Fischer
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Mitglieder der Zwinglianischen Gesellschaft Wildhaus-Alt St. Johann begaben sich in die Barockbibliothek des Klosters. (Bild: Hans Ruedi Fischer)

Mitglieder der Zwinglianischen Gesellschaft Wildhaus-Alt St. Johann begaben sich in die Barockbibliothek des Klosters. (Bild: Hans Ruedi Fischer)

Hans Ruedi Fischer

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Hatte die 1824 gegründete «Zwin­gli­anische» in vorangegangenen Jahren zu Exkursionen an Zwinglis Wirkungsorte Glarus, Alt St. Johann, Novara, Marignano, Monza und Zürich geladen, kam diesmal Einsiedeln ins Blickfeld. Reiseleiter Robert Jörin sorgte dafür, dass schon der Hinweg nie den Anschein einer «Fahrt ins Blaue» bekam. So berichtete er über die Auswirkungen der demokratischen Kräfte im Toggenburg des 16. Jahrhunderts und den Freiheitsdrang der damaligen Bevölkerung. Bei der Würdigung von Zwinglis Glarner Jahre kam insbesondere dessen Engagement gegen die Reisläuferei zur Sprache.

Zwinglis Wirken im Klosterdorf

Der einheimische Jurist Patrick Schönbächler, Verfasser einer historischen Skizze zu Zwinglis Stellenantritt vor 500 Jahren, liess die Toggenburger Gäste nicht nur an seinen Erkenntnissen teilhaben; er gab überdies Einblick in die zum Teil sagenumwobene Geschichte Einsiedelns. Dem damals 32-jährigen Leutpriester Zwingli oblagen vorab Aufgaben in der Seelsorge für die einhei­mische Bevölkerung, aber auch Aushilfe bei der Besorgung der Wallfahrt und im Chordienst. Dem Priester Zwingli blieb genügend Zeit, fleissig Studien zu betreiben und seinen Horizont zu erweitern. Er galt als heiterer und fröhlicher Mensch, begabter ­Musiker und überzeugter Patriot: «Der Eidgenossenschaft ist nur noch aufzuhelfen mit den Kräften des Evangeliums.» Allerhand ­Anekdoten bereicherten die Ausführungen Schönbächlers.

Ausstellung in der Stiftsbibliothek

In der Barockbibliothek des Klosters haben der evangelische Ortspfarrer Urs Jäger und Stiftsbibliothekar Pater Justinus Pagnamenta zum Thema «Einsiedeln und die Reformation» mit histo­rischen Dokumenten eine eindrückliche Ausstellung gestaltet. Zur grossen Freude der Toggenburger ­Besucherinnen und Be­sucher nahmen sich die beiden Macher Zeit für eine persönliche Führung.