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WILDHAUS-ALT ST. JOHANN: Finanzierung spaltet die Bürger zum Jufa-Hotel

Am 15. April entscheiden die Stimmbürger, ob die Gemeinde 7 Mio. Fr. in ein Erlebnishotel stecken soll. Während zwei Ortsparteien ein Nein empfehlen, sprechen sich die Bergbahnen Wildhaus und Toggenburg Tourismus klar für das Projekt aus.
Ob das Projekt Jufa-Hotel weiterverfolgt werden kann, entscheidet das Stimmvolk am 15. April. (Bild: PD)

Ob das Projekt Jufa-Hotel weiterverfolgt werden kann, entscheidet das Stimmvolk am 15. April. (Bild: PD)

Corinne Hanselmann

Die Obertoggenburger Hotelbetreiber sind sich nicht einig über das 7-Millionen-Engagement der Gemeinde für die öffentlich nutzbaren Bereiche wie Bowlingbahn und Schwimmbad im geplanten Jufa-Hotel in Wildhaus (W&O vom 3. April). Ebenfalls verschiedener Meinung sind eine Woche vor der Abstimmung die Ortsparteien (siehe blauer Kasten), die Bergbahnen Wildhaus AG und Toggenburg Tourismus.

«Wir schaffen die Trendwende ohne neue Angebote nicht»

Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus, nimmt wie folgt Stellung: «Toggenburg Tourismus erachtet das Erlebnishotel Wildhaus als eine riesige Chance, den seit Jahren rückgängigen Übernachtungstourismus im Obertoggenburg wieder anzukurbeln. Ohne neue Angebote in der Hotellerie wird unser Tourismus, welcher eine Einnahmequelle für das ganze Gewerbe der Gemeinde ist, die Trendwende nicht schaffen. Eigentlich ist der Zeitpunkt schon längst fällig, einen Impuls zu setzen. Aus unserer Sicht sind vier Punkte entscheidend, die wir ebenfalls mittels eines Flyers an die Einheimischen geschickt haben. Erstens wird mit dem Erlebnishotel ein attraktives, öffentliches Angebot realisiert und dadurch den Gästen anderer Hotels und Unterkünfte ein erweitertes Angebot geboten. Zweitens sichert das Erlebnishotel unserem Tourismus und Gewerbe Aufträge und Arbeitsplätze und es steigert die Attraktivität der Gemeinde für die einheimische Bevölkerung. Drittens wird die Jufa eine neue Gästegruppe ins Toggenburg bringen, welche das Dorfleben bereichert und ebenfalls zu Gästen bestehender Unterkunftsbetriebe und touristischer Angebote werden. Viertens haben wir die Möglichkeit, das erste Jufa-Hotel in der Schweiz zu realisieren und nicht zuzuschauen, wie die erfolgreiche Hotelkette an einem anderen Ort in der Ostschweiz ihre Pläne umsetzt.» In einer Destination brauche es ein ausgewogenes Angebot, schreibt Gressbach weiter. «Die bestehenden Hotels hat Toggenburg Tourismus im letzten Jahr mit einem Hotelförderungsprojekt im fünfstelligen Bereich unterstützt. Das von den Hoteliers geschätzte Projekt wird nun weitergeführt. Wir sind überzeugt, dass nur gemeinsam, aber mit einem neuen starken Impulsgeber, der Tourismus erneut an Stärke gewinnen kann.»

«Ja zu einer regionalen Vorwärtsstrategie»

Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus AG, nennt das Jufa-Hotel eine «Brücke in die touristische Zukunft» und schreibt: «Der Entscheid für oder gegen das neue Hotel ist unseres Erachtens ein touristischer Grundsatzentscheid: Schaffen wir es im obersten Toggenburg, im Aufenthaltstourismus (wieder) eine kritische Grösse zu erreichen? Eine Grösse nämlich, die auf allen Ebenen Wertschöpfung erzielt. Man muss sich die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge klar vor Augen führen: Nur eine genügende Anzahl Gäste, die auch über mehrere Tage in unserem Dorf verweilen und bei uns konsumieren, vermag Wildhaus-Alt St. Johann attraktiv zu halten. Nur so können Restaurants, Detailhandel und Gewerbe florieren und unsere Gäste, die Einheimischen, aber auch die Zweitwohnungsbesitzer zufriedenstellen. Diese letzte Gruppe sollten wir speziell im Auge behalten: Wir wissen, dass ein sehr hoher Anteil des Steuersubstrats von Wildhaus-Alt St. Johann von den Zweitwohnungsbesitzern stammt. Gefällt es ihnen bei uns nicht mehr, so bleiben mit der Zeit nicht nur sie, sondern auch ihre beträchtlichen Steuern weg. Wir befürworten deshalb einen mutigen Entscheid zu Gunsten des neuen Erlebnishotels. Wir sagen überzeugt Ja zu einer regionalen Vorwärtsstrategie und sind froh, dass der Gemeinderat so gute Partner gefunden hat. Hier die regional verankerte und finanzstarke ITW aus Balzers, wo man die Verantwortlichen persönlich kennt. Da die Jufa-Hotelkette, die nicht nur ein neues, hochattraktives Angebot (insbesondere auch für die Nebensaisons) ermöglicht, sondern auch die Kraft im Vertrieb hat, das Toggenburg mit Gästen aus neuen Märkten zu ‹versorgen›. Mit dem neuen Jufa-Hotel schaffen wir die Trendwende im Aufenthaltsbereich! Davon profitieren wir alle im oberen Toggenburg, die direkt oder indirekt vom Tourismus leben.»

Die Toggenburg Bergbahnen AG nimmt keine Stellung zum Thema «7 Millionen Steuergelder à fonds per­du ins Erlebnishotel-Projekt». Wie Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger schreibt, sei dies Sache der Stimmbürger.

Investor und Betreiber forderten baldigen Entscheid

Das Erlebnishotel-Projekt bewegt die Gemüter – das zeigen die lebhaften Diskussionen in den sozialen Medien, aber auch die Leserbriefe in unserer Zeitung, welche in jüngster Zeit vor allem Gegner verfasst haben. Es tauchte die Frage auf, weshalb die Informationsveranstaltungen eher knapp vor der Abstimmung stattgefunden haben (27. März und 6. April). Dadurch bleibe zu wenig Zeit für Diskussionen, äusserten sich Kritiker.

Gemeindepräsident Rolf Züllig sagt dazu, dass alle gesetzlichen Fristen eingehalten wurden und die Abstimmungsunterlagen rechtzeitig bei den Stimmbürgern eingetroffen sind. Zudem spreche man schon länger vom Projekt Jufa-Hotel. Die Gemeinde sei schon seit drei Jahren an den Vorbereitungen. Der Investor (ITW-Gruppe) sowie der Betreiber (Jufa-Hotels) hätten einen Entscheid bis Ende erstes Quartal 2018 gefordert, sagt Züllig. «Wir haben uns dann auf Mitte April geeinigt.» Züllig betont zudem, dass die Gemeinde die 7 Millionen über künftige Steuereinnahmen und nicht aus dem Eigenkapital finanziere.

Hinweis
Die Urnen-Abstimmung findet am 15. April 2018 statt. Abstimmungsbroschüre unter www.wildhaus-altstjohann.ch.

Nicht gegen das Hotelprojekt, aber gegen öffentliche Gelder

Ortsparteien  Nach ausführlichen und intensiven Gesprächen empfiehlt die FDP Wildhaus-Alt St. Johann, am 15. April Nein zu stimmen. Dies schreibt der Vorstand der Ortspartei in einer Mitteilung. Man möchte sich damit nicht gegen ein Jufa-Hotel aussprechen, sondern für den richtigen Einsatz von öffentlichen Geldern. Die Jufa-Hotel-Gruppe sei der richtige Partner, welcher über ein Netzwerk verfüge, um den Hotelbetrieb erfolgreich zu gestalten und neue Gäste in «unser schönes Tal» zu bringen, schreibt die FDP weiter. Dies rechtfertige aber nicht den Einsatz von öffentlichen Geldern in diesem Ausmass. «Eine Finanzierung von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen zu einem Drittel aus öffentlicher Hand scheint der Ortspartei zu hoch», steht im Schreiben. «Mit der hohen Fremdverschuldung von insgesamt 30,1 Mio. Fr. am Ende der Planperiode machen wir uns sehr stark von der Zinspolitik der Nationalbank abhängig.»
Man empfehle deshalb den Einwohnern, ein Nein in die Urne zu legen. Man empfinde die Belastung als zu stark. «Die Investoren und der Gemeinderat werden somit aufgefordert, nach einer anderen Finanzierungslösung für das Projekt zu suchen.»

Indiskutable Einmischung in die Privatwirtschaft
Einen Tag nach der FDP-Ortspartei gab auch die SVP Wildhaus-Alt St. Johann eine Abstimmungsempfehlung heraus. Auch sie empfiehlt ein Nein zum Erlebnishotel. «Dabei sind wir keineswegs gegen das Hotelprojekt an sich. Die Finanzierung von einem Drittel aus der öffentlichen Hand ist aber inakzeptabel für uns. Eine derartige Einmischung in die Privatwirtschaft ist nicht nur für die Hotelbranche, sondern für alle Unternehmungen in unserer Gemeinde indiskutabel», schreibt der Präsident Mirco Gerig. Der hohe Betrag von 7 Millionen Franken würde zu einem klaren Wettbewerbsvorteil dieses neuen Hotels gegenüber den traditionellen, seit Generationen geführten Hotels im Obertoggenburg führen, ist die Partei überzeugt. «Diese Hoteliers mussten nämlich genauso wie alle anderen KMU ihre Investitionen selber finanzieren. Hingegen müssten sie sich im hart umkämpften Hotelmarkt mit einem Mitbewerber messen, der nur zwei Drittel der Finanzierung selbst bereitstellen musste.»
Zudem sei die Belastung für das Gemeindebudget enorm. «Dieser Beitrag wird unseren Gemeindehaushalt für die nächsten 30 Jahre belasten.» Zu spüren bekommen dies die Steuerzahler, also sowohl die Einwohner als auch die Unternehmungen, schreibt die Ortspartei weiter. So müssten langfristig der Steuerfuss wieder erhöht, Investitionen gestrichen oder gar Sachanlagen verkauft werden. «Zusätzlich sollte sich die Gemeinde über einen gemeindeinternen Ausgleich Gedanken machen. So dürfte sich beispielsweise das Dorf Alt St.  Johann über Investitionen und Erneuerungen freuen, wurde doch in den vergangenen Jahren stets in Wildhaus investiert», so die SVP in ihrer Mitteilung. Die CVP-Ortspartei war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (ch)

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