WILDHAUS-ALT ST. JOHANN: Da kommt ein Anbau für die Berghütte geflogen

Vergangene Woche wurden alle Holzelemente für den Anbau an die Zwinglipasshütte mit einem Helikopter zum Standort der Hütte geflogen. Die Transporte konnten ohne Zwischenfälle abgewickelt werden.

Martin Knoepfel
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Der Helikopter transportiert die Holzelemente an einem langen Seil. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Helikopter transportiert die Holzelemente an einem langen Seil. (Bild: Martin Knoepfel)

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Die Vorboten der Bauarbeiten auf der Zwinglipasshütte sieht man oberhalb von Gamplüt auf einer Wiese am Rand der Strasse zur Alp Tesel: Es sind Lastwagen­anhänger, die eine Unimog-Zugmaschine dorthin gebracht hat. Sie sind hochbeladen mit Holzelementen, welche hier auf die Weiterreise zur Zwinglipasshütte warten.

Gestern Montag vor einer Woche erledigt ein Helikopter von Swiss-Helicopter bei prächtigem Wetter diese Aufgabe. Pilot ist der Wildhauser Jürg Forrer, ein Spezialist für solche Arbeiten. Der erste Flug findet um 10.30 Uhr statt, der letzte kurz nach halb sechs Uhr abends. Insgesamt braucht es 33 Flüge, bis der Anbau der Hütte aufgerichtet ist. Zwischen den Flügen für den ­Anbau der SAC-Hütte bringt der Heli­kopter Zementbehälter für ein Bauprojekt der Alpgenossenschaft Chreialp auf den Zwinglipass.

Holzelement in rund zwei Minuten platziert

Szenenwechsel. Die Terrasse vor der Zwinglipasshütte ist kurz nach 13 Uhr gut besetzt mit Wanderern und Mitgliedern des SAC Toggenburg. Die Helikopterflüge liefern Gesprächsstoff, und wegen des Abwinds der Rotorflügel muss man die Gläser auf den ­Tischen festhalten, wenn der ­Helikopter über der Hütte schwebt. Im Abstand einiger Minuten kommt er mit einem Holzelement am Schleppseil angeflogen, geht in den Schwebeflug über und senkt das Holzelement. Die Zimmerleute platzieren es an der vorgegebenen Stelle. Das geht so ­effizient, dass der Helikopter nach rund zwei Minuten ohne Zwischenlandung abdrehen und zurück ins Tal fliegen kann, wo das nächste der vorgefertigten Elemente wartet. Man kann dem Wachsen des Gebäudes förmlich zuschauen. Um halb drei Uhr bringt der Helikopter schon die Bodenelemente für den ersten Stock. Um sechs Uhr wird das letzte Element gesetzt und die ausgezeichnete Arbeit der Zimmerleute mit Applaus der Anwesenden abgeschlossen.

Die Holzelemente wurden von vier Toggenburger Firmen passgenau vorgefertigt. Für die Planung und die Fabrikation wurden lediglich anderthalb Monate benötigt. Die gesamte Verantwortung dafür und für die Montage auf der Baustelle hatte Christian Bleiker von Egli Holzbau.

Während die Elemente fürs erste Obergeschoss montiert werden, beginnt im Parterre schon der Einbau der Fenster. Am Montagabend ist die Hülle des Anbaus bis zum Unterdach vollendet. Ende Oktober soll die erweiterte Hütte fertig sein. Die Bauarbeiten haben – verzögert durch den späten Schnee im Frühling – am 1. Juni begonnen. Wegen der Bauarbeiten wird die Hütte dieses Jahr zwischen den Sommer- und den Herbstferien ausnahmsweise auch unter der Woche bewartet.

Neu eigene Zimmer für die Hüttenwarte

Die Zwinglipasshütte gehört der SAC-Sektion Toggenburg. Sie wird ausschliesslich von ehrenamtlichen Helfern betrieben. Dass die Hüttenwarte bisher im Massenlager schlafen müssen, gab den Anstoss zur Erweiterung. Neu werden für das Personal zwei Zimmer eingebaut. Bisher hatte die Gaststube nur 30 Sitzplätze, während die Hütte 35 Schlafplätze aufwies. Die Stube wird nun vergrössert und die Zahl der Schlafplätze von 35 auf 42 angehoben. Zudem wird das Treppenhaus ­erweitert.

Da die Wasserreserve bisher mit 6000 Litern Regenwasser eher knapp war, wird sie auf 16 000 Liter vergrössert. Weiter werden mehr Fotovoltaikzellen angebracht, damit mehr Strom zur Verfügung steht. Dank Anpassungen am bestehenden Gebäude können die Abläufe in der Küche vereinfacht werden. Dabei war es von Anfang an ein zentrales Ziel, den Cha­rakter der Hütte zu erhalten. Um die Vorschriften des Gewässerschutzes zu erfüllen, werden schliesslich die Plumpsklos durch eine moderne, biologische Abwasserreinigungsanlage ersetzt. Das gereinigte Abwasser wird über Wiesen verrieselt.

Bevor die Holzelemente zur Zwinglipasshütte geflogen werden konnten, musste der Aushub im felsigen Untergrund erledigt und das Kellergeschoss betoniert ­werden. Das Bewilligungsverfahren verlief dank der guten Vorarbeit des planenden Architekten unproblematisch. Auch der nö­tige Landabtausch mit der Alp­genossenschaft Chreialp war unkompliziert.