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WILDHAUS: 125 Jahre und kein bisschen veraltet

In der wechselvollen Vereinsgeschichte hat die Bürgermusik Wildhaus einige Hochs und Tiefs durchgemacht, wie ein Blick in die Chronik zeigt. Gefeiert wird das 125-Jahr-Jubiläum im März.
Adi Lippuner
Plakat der Theateraufführung 1899.

Plakat der Theateraufführung 1899.

Adi Lippuner

redaktion@wundo.ch

Zum 100-Jahr-Jubiläum hat Karl Rüegg die Geschichte der Bürgermusik aufgearbeitet. Er hielt in der Jubiläumsschrift fest: «Eintracht, Verträglichkeit, Opfersinn und unermüdlichen Fleiss überwinden Alles und führen sicher zum Ziel», unter diesem Motto sei im August 1893 die Bürgermusik Wildhaus gegründet worden. Beim Durchlesen der Protokolle stellte der Chronist fest, «dass es im Verein nicht nur um gesellschaftliche Anlässe ging, oftmals war es auch ein Kampf um das Überleben. Viele Krisen mussten überwunden werden.

Hie und da gab es unter den Musikanten Unstimmigkeiten oder der Verein stand kurz vor der Auflösung. Aber immer wieder gab es Musikfreunde, die das Steuer festhielten, auf die Zähne bissen und den Verein vor dem Untergang retteten. Vor allem in den Kriegsjahren war es oft schwierig, die kleine Musikantentruppe zusammenzuhalten. Um die finanziellen Schwierigkeiten meistern zu können, mussten die Mitglieder oft tief in den eigenen Geldbeutel greifen.»

Martin Hardegger hat die jüngeren Vereinsjahre aufgearbeitet und so sind die wichtigsten Meilensteine der Wildhauser Bürgermusik bis zum Jahr 2008 auf der Website nachzulesen.

Eine Rückblende ins Gründungsjahr

Karl Rüegg erinnert in der Chronik daran, dass Wildhaus vor 100 Jahren noch ohne Auto- oder Motorenlärm war. «Es gab keine Flugzeuge am Himmel, keine Skilifte und Bahnen, kein Fernsehen und Telefon, kein elektrisches Licht. Auf der um 1830 erstellten Staatsstrasse nach Gams entdeckte man Händler zu Fuss, Fuhrwerke und hie und da hörte man lautes Peitschenknallen, wenn eine Postkutsche daher rumpelte. Wintersport wurde damals im obersten Toggenburg noch nicht betrieben, die ersten Sommerkurgäste erschienen um 1870, nach dem Bau der Bahnstrecke Wil-Ebnat.»

Und zum Vereinsleben ist zu erfahren: «Beinahe jeder Bewohner hatte die Möglichkeit bei einem Verein mitzuwirken, denn es existierten vor 100 Jahren in Wildhaus unter anderem zwei Kirchenchöre, zwei Männerchöre, ein Turnverein, drei Schützenvereine, zwei Musikgesellschaften und ein Feuerwehrverein. Daneben gab es noch verschiedene andere, meist konfessionelle Vereine. Es ist bekannt, dass die Toggenburger ein musikalisches Völklein sind, deshalb ist diese Fülle von Gesangs- und Musikvereinen in den kleinen Dörfern erklärbar», so Karl Rüegg.

Theateraufführungen gehörten von Anfang an dazu und sind, das beweisen die alljährlichen Unterhaltungsabende, auch heute noch äusserst beliebt. Im Protokoll von 1899 ist zu lesen: «Ein Höhepunkt im Vereinsjahr waren die Theateraufführungen, diese begannen um fünf Uhr abends und dauerten vier bis fünf Stunden. Die Eintritte kosteten, erster Platz 80 Rappen, zweiter Platz 60 Rappen und bei der Kindervorstellung waren 20 Rappen zu bezahlen.»

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist festgehalten, dass der Verein eine Krise zu bestehen hatte. Anfang 1909 bestand die Musik noch aus fünf Aktiven, die Proben wurden eingestellt, aber schon ein Jahr später war der Dornröschenschlaf vorbei. Zum Jahr 1920 ist unter anderem festgehalten: «Nach einem vierteljährigen Schlaf versammelten sich im September neun Mitglieder zu einer Krisensitzung.» Im Protokoll ist nachzulesen: «Es ist lächerlich und zugleich eine Schande einem solchen untätigen, zwecklosen Verein anzugehören und haben solche Mitglieder, welche noch Eifer hatten, jetzt auch satt. Nur das Suchen und Heranzubilden von neuen Mitgliedern kann die Musikgesellschaft vom Untergang erretten und vorausgesetzt, wenn die alten Mitglieder den Schlen­drian aufgeben, denn wenn man will, kann man viel.»

Mit der Anschaffung von 19 Mützen hatten die Musikanten ab 1930 ein einheitliches Erscheinungsbild. Auf Anordnung des Sektionschefs musste 1936 für eine allfällige Kriegsmobilmachung ein Alarmtrompeter bestimmt werden. Es wurden ernannt: für den Schönenboden Oskar Forrer und Ernst Bühler, für das Dorf Urs Forrer, für das Lisighaus Fritz Forrer und für das Moos Fried Näf.

Bei aller Ernsthaftigkeit der Protokolle hat der Chronist in den Dreissigerjahren auch etwas zum Schmunzeln gefunden: «Die Musikgesellschaft wurde vom Präsidenten der evangelischen Kirchenvorsteherschaft aufs Schärfste gerügt. Nach seiner Auffassung sei bei der letzten Silvesteraufführung in einigen Teilen des vorgetragenen Stückes so etwas wie Walzertempo vorgekommen. Nach Aussage langjähriger Mitglieder sei es noch nie vorgekommen, dass der evangelische Kirchenrat so vorgegangen sei, abgesehen davon, dass die Herren nicht einmal wissen, was ein Walzer ist. Mit absolutem Mehr beschloss man, an der diesjährigen Silvesterfeier nicht teilzunehmen.»

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