Wieder Vogelgrippe am Bodensee

2006 war sie schon einmal aufgetaucht, jetzt ist sie zurück: Am Bodensee sind über 100 tote Vögel gefunden worden. Gestern hat sich der Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt.

Urban Rechsteiner
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Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hatte am Dienstag mitgeteilt, dass rund um den Bodensee 100 Reiherenten gefunden worden sind, welche mutmasslich an der Vogelgrippe gestorben sind (W&O von gestern). Der Verdacht auf Vogelgrippe hat sich nun erhärtet: Wie das Friedrich-Loeffler-Institut gestern bestätigte, sind die Tiere am Vogelgrippe-Virus H5N8 gestorben.

In den letzten Tagen sind in Europa mehrere Fälle dieser Geflügelseuche aufgetreten. Der erste Fall in der näheren Vergangenheit ist in einer Truthahn-Farm in Ungarn aufgetreten. Inzwischen wurde die Seuche offenbar auch auf Wildtiere übertragen. Am Plöner See, in Norddeutschland – wo bereits eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel besteht – wurden in den vergangenen Tagen 250 Vogelkadaver gefunden. Wie «Die Zeit» berichtet, sind auch diese Vögel am Vogelgrippevirus vom Subtyp H5N8 erkrankt. Alles deutet auf einen europäischen Seuchenverlauf hin. Dass die Vogelgrippe gerade jetzt auftritt, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass momentan viele Zugvögel den Bodensee als Zwischenstop auf ihrer Reise in den Süden nutzen.

Am meisten Fälle in Vorarlberg

Die meisten Vogelkadaver wurden am Vorarlberger Bodenseeufer gefunden. Auch im Konstanzer Hafenbecken tauchten tote Tiere auf. Auch die Schweizer Seite blieb nicht verschont. Im Kanton Thurgau wurden vereinzelt tote Enten gemeldet. Im Kanton St. Gallen sind bisher noch keine Fälle bekannt. «Die Jagd- und Fischereiaufseher machen vermehrt Kontrollgänge am Bodensee», sagt der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche. Es sei schwierig, Massnahmen gegen die Vogelgrippe bei Wildtieren zu treffen. «Wir behalten die Situation exakt im Auge.»

Wichtig sei es zu verhindern, dass die Seuche auch die Nutztierbestände erreicht. Dafür könnte wie beim letzten Ausbrechen der Vogelgrippe vor zehn Jahren eine Stallpflicht eingeführt werden. «Wildtiere können Nutztiere bei intensivem Kontakt anstecken, mit dieser Massnahme liesse sich das verhindern», sagt Fritsche. Eine Stallpflicht für Nutztiere würde vom Bund erlassen und hätte somit auch nationale Gültigkeit. Auf deutscher Seite gibt es diese Stallpflicht offenbar bereits, wie verschiedene Medien berichten – es wurde eine Schutzzone im Bereich von einem Kilometer ab Bodenseeufer erlassen.

Kanton St. Gallen ist gerüstet

Für den Fall, dass die Seuche auch Nutztierbestände befallen könnte, wurde vor zehn Jahren die «Einsatzgruppe zur Bekämpfung von hochansteckenden Tierseuchen» gegründet. An dieser Gruppe sind heute die Kantone St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden sowie das Fürstentum Liechtenstein beteiligt. Die dem Zivilschutz angegliederte Gruppe ist auf die Tötung von infiziertem Geflügel und auf die Desinfektion der Ställe spezialisiert. Sie übt regelmässig derartige Seuchenszenarien. «Der Kanton St. Gallen wäre im Falle einer Nutztierinfektion also gerüstet», sagt Fritsche. Für Menschen bestehe keine Gefährdung: «Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass die Vogelgrippe vom Subtyp H5N8 auf Menschen übertragen wird.» Dennoch rät Fritsche, tote Wildvögel nicht zu berühren und diese dem zuständigen Wildhüter zu melden. Die Wildhutkreise und die zuständigen Wildhüter sind im Internet, auf der Seite des Kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei aufgeführt. Text

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