Wie die Stadt Buchs einem Fotografen in die Quere kam

BUCHS.

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Aus nach vier Jahren: Eine Stahlstange durchschneidet das malerische Bild von der Rheinbrücke und beendet das Kunstprojekt des Buchser Fotografen Manfred Schiefer. (Bilder: Manfred Schiefer)

Aus nach vier Jahren: Eine Stahlstange durchschneidet das malerische Bild von der Rheinbrücke und beendet das Kunstprojekt des Buchser Fotografen Manfred Schiefer. (Bilder: Manfred Schiefer)

BUCHS. Mal unter strahlend blauem Himmel, dann wieder von gewittergrauen Wolken verhangen, vom üppigen Grün des Frühlings bis zum winterlichen Schneetreiben: Seit vier Jahren macht der in Buchs lebende Fotograf Manfred Schiefer jedes Mal ein Bild, wenn er über die Rheinbrücke zwischen Buchs und Schaan fährt. Fast 900 Aufnahmen sind für sein Projekt entstanden, das gleichermassen Kunstwerk und persönliches Rheinblick-Tagebuch ist, heisst es in einer Medienmitteilung.

An der Schlossmediale

Mal Lust, mal Last sei die Arbeit an diesem der seriellen Kunst zuzuordnendem autobiographischen Projekt, erzählt der Fotograf. Sein Werk wird ab dem 22. Mai unter dem Titel «Driving by: Grenze» an der Schlossmediale 2015 gezeigt, die sich in diesem Jahr dem Thema Randerscheinung widmet.

Während er in aufwendiger Arbeit Bild für Bild zu einem Zeitrafferfilm montiert, fotografiert Manfred Schiefer gleichzeitig weiter – oder besser: wollte er weiterhin bei jeder Überquerung der Rheinbrücke zwischen Buchs und Schaan ein Bild machen. Denn in den letzten Apriltagen erfuhr sein Projekt ein jähes Ende: Seitdem durchschneidet ein glänzender, stählerner Mast die Perspektive.

Zerstörte Perspektive

Doch vor kurzem hat eine Behörde entschieden, dass ein Schild am Geländer die Grenze nicht mehr ausreichend kennzeichnet. Jetzt signalisiert ein Stahlmast die mitten im Flussbett verlaufende Grenze – und zerstört so die Perspektive des Fotografen. Der nimmt es gelassen. «Die Angebote von Kollegen, mit der Säge kurzen Prozess zu machen, habe ich selbstverständlich abgelehnt, obwohl mir das Schild eher überflüssig erscheint», erzählt er lächelnd. «Als ich mich beim Strasseninspektorat erkundigte, wer denn mein Kunstwerk zerstört hat, wusste man überhaupt nicht, dass jemand das Schild aufgestellt hat.»

Das Positive der Veränderung

Sein Projekt «Driving by: Grenze», das Manfred Schiefer 2011 ohne festgelegtes Enddatum begann, hat dadurch ein unerwartetes Ende erfahren. «Aber so, wie mir jemand das Brückengeländer hingestellt hat, damit ich jeden Tag bequem von exakt der gleichen Stelle aus das Bild machen kann, verhindert jetzt eben jemand das Fotografieren», kommentiert er mit Sinn für das Positive der Veränderung.

Das erzwungene Ende seines Projekts gebe ihm immerhin Zeit frei für andere Projekte. Doch das ist Zukunftsmusik. In den nächsten Tagen arbeitet Manfred Schiefer nämlich noch an «Driving by: Grenze». Denn dass der Film nun einige Bilder weniger haben wird als ursprünglich geplant, verkürzt die Arbeit am Schneidetisch kaum, geht aus der Mitteilung weiter hervor.

Der renommierte Fotograf und Kunstschaffende Manfred Schiefer war in der Region in vergangener Zeit mit mehreren Projekten öffentlich präsent. (pd)

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