Wie aus dem Holzklotz ein Tier wird

Im Rahmen des Kurses «Holzchüeli, Schaf oder Ziege schnitzen» machten sich kürzlich im Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen in Salez die Teilnehmer mit Schnitzwerkzeugen vertraut. Die Resultate wenige Stunden danach waren erstaunlich.

Corinne Hanselmann
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Sorgfältig setzen die Teilnehmer das Messer am Holz an.

Sorgfältig setzen die Teilnehmer das Messer am Holz an.

SALEZ. Kaum zwei Stunden sind vergangen, und schon «kleidet» eine Kursteilnehmerin ihr kleines Holzschäfchen in Wolle: Mit Hilfe eines Geissfuss-Werkzeuges macht sie feine Rillen ins Holz. Sie mache das heute zum ersten Mal, ein Holztier schnitzen, sagt sie auf Nachfrage. Umso erstaunlicher die Resultate dieses Halbtageskurses.

Mit Feingefühl zur Körperform

Margreth Mock aus Mädris leitet den Kurs. «Ich schnitze schon seit 10 oder 15 Jahren», erzählt sie. Angefangen habe die Leidenschaft mit Spielkühen für ihre Buben. Schon zum vierten Mal gibt sie nun am Landwirtschaftlichen Zentrum einen Kurs – und wieder findet er Anklang.

Rasch haben sich die Teilnehmenden entschieden, welches Tier sie umsetzen möchten. Entsprechende Rohlinge (grob ausgesägte Lindenholzstücke) standen zur Verfügung. Mit Bleistift zeichneten sie dann Beine, Rückgrat und die Breite des Kopfes ein. Nun arbeiten sie sich mit entsprechendem Werkzeug nach und nach an die Körperform heran. «Ein gutes Vorstellungsvermögen hilft dabei», sagt Mock. Sie steht den Frauen und Männern zur Seite, bessert hier und da etwas aus, erklärt die Handhabung der Werkzeuge und gibt Tips, wie es sich leichter schnitzen lässt. An Mocks Vorlagen können sich die Teilnehmer zudem immer wieder orientieren. Schnell sind die ersten Tiere erkennbar, und man bekommt gleich Lust, das Schnitzmesser in die Hand zu nehmen und es selber auszuprobieren.

Die Kuh ist am schwierigsten

Es ist leise in der Werkstatt, in der sonst die Lernenden der Landwirtschaft die Holzbearbeitung lernen. Konzentriert und mit zusammengekniffenen Augen wird mit den scharfen Messern hantiert. Zu hören sind nur die Klingen, die feine Späne vom Holzabtragen.

«Die Kuh ist am schwierigsten zu schnitzen», sagt Mock. Die richtigen Proportionen, die Gelenke und das Euter zwischen den Beinen seien anspruchsvoll und es gebe Stellen zu bearbeiten, an die man kaum herankomme. «An der Feinarbeit der Schnitzereien könnte man sich stundenlang verweilen», lacht sie. Wenn das Tierchen aber als Kinderspielzeug gedacht ist, bereitet es garantiert auch Freude, wenn es nicht perfekt ist. Je nach Vorlieben könnten die «Natur-Kühe» später auch noch angemalt oder lackiert werden.

Doch nicht alle Kursteilnehmer schnitzen die Kühe, um sie als Spielzeug an Kinder oder Enkel zu verschenken. Der eine oder andere möchte einfach dieses Kunsthandwerk als Hobby ausprobieren. Eine Teilnehmerin hält selber Schafe und möchte ihrem Mann eine hölzerne Herde mit Hirte und Esel zu Weihnachten schenken. Zwei fertige Exemplare nimmt sie gegen Abend schon mit nach Hause.

«Ich freue mich tierisch»

Ganz ungefährlich ist das Schnitzen übrigens nicht: Zwei Drittel der Teilnehmer gingen nicht nur mit selbstgeschnitzter Figur, sondern auch mit Pflaster am Finger nach Hause. Doch die Freude darüber, was an nur einem Nachmittag möglich ist, überwiegt. «Ich freue mich tierisch», meint eine Teilnehmerin und kauft gleich noch eine kleine Schachtel voll Rohlinge, um zu Hause weiterzuschnitzen und den Spielbauernhof der Kinder zu vervollständigen.

Feingefühl, Kreativität und noch mehr Geduld sind gefragt, bis aus dem Klotz Lindenholz eine Kuh, ein Pferd, eine Ziege, ein Hund oder ein Schaf wird. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Feingefühl, Kreativität und noch mehr Geduld sind gefragt, bis aus dem Klotz Lindenholz eine Kuh, ein Pferd, eine Ziege, ein Hund oder ein Schaf wird. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Geduldig gibt die Kursleiterin Margreth Mock (stehend) Tips.

Geduldig gibt die Kursleiterin Margreth Mock (stehend) Tips.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Viele Arbeitsschritte sind nötig, bis das Schaf Wolle und Ohren hat.

Viele Arbeitsschritte sind nötig, bis das Schaf Wolle und Ohren hat.