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Wichtig für Armenien und Schweiz

Der Aufmarsch zur Präsentation des Buches «Man treibt sie in die Wüste» war gross, die Autorin Dora Sakayan gerührt – und die Polizei «beschützte» diskret diese Veranstaltung.
Reto Neurauter
1914 in Werdenberg: Fritz Sigrist und Clara Hilty anlässlich ihrer Verlobung. (Bild: Archiv für Zeitgeschichte)

1914 in Werdenberg: Fritz Sigrist und Clara Hilty anlässlich ihrer Verlobung. (Bild: Archiv für Zeitgeschichte)

Extra angereist zu dieser Buchpräsentation im «Schäfli», Grabs (siehe Front), war der Schweizer Botschafter in Armenien, Lukas Gasser. Er war es auch, der die Autorin Dora Sakayan vor drei Jahren darin unterstützte, das Buch zu schreiben. «Es freut mich, dass es nun erschienen ist, und zudem vom so renommierten Schweizer Limmat-Verlag verlegt wird», so Gasser.

Und dieser Verlag, so dessen Verlagsleiter Erwin Künzli, habe drei Tage vor Weihnachten des vergangenen Jahres aus dem fernen Montreal eine erste Textprobe bekommen. «Wir wussten sofort, dass wir dieses Buch herausbringen müssen», so Künzli, «auch im Wissen darum, wie brisant die politische Lage in Armenien ist.» Und das Buch soll auch Mahnmal im 21. Jahrhundert sein.

Ein wirklich wichtiges Buch

Von einem wirklich wichtigen Buch spricht auch Hans Jakob Reich, der Redaktionsleiter des Werdenberger Jahrbuchs, das in den Jahren 1991 bis 1994 vier Beiträge von Rudolf Sigrist-Clalüna, dem Sohn von Clara und Fritz Sigrist-Hilty, unter dem Titel «Eine Werdenberger Familie im Orient» publizierte. Reich betont, wie unermesslich der Wert dieser Tagebucheintragungen von Clara Sigrist im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Armeniern sei. Das Buch trage einen weiteren Teil zu dessen Aufarbeitung bei.

Das Ehepaar Sigrist habe während der Zeit dieses Völkermordes nicht weit von Aleppo und damit wohl «an der wichtigsten Schnittstelle der Deportationsrouten» gelebt, schreibt Wolfgang Gust, der Verfasser des Vorwortes zum Buch. Er kennt sich aus, hat er doch selber drei Bücher zu diesem Thema publiziert.

Und Sakayan ist gerührt und bewegt zugleich, dass sie ihr Buch zuerst an dem Ort vorstellen darf, wo das Ehepaar Sigrist einen grossen Teil ihres Lebens verbrachten. Dort, wo sie geboren wurde, verstarb sie 1988 auch: Clara Sigrist-Hiltys Leben endete nach 104 Jahren im Städtchen Werdenberg. Ihr Mann Fridolin (Fritz) Sigrist erblickte im Januar 1881 in Beirut das Licht der Welt. Unerwartet, aber nach einem erfüllten Leben, ging dieses 1963 in Werdenberg zu Ende.

Man muss es lesen, um zu begreifen

Sakayan sprach von zwei Menschen, denen so viel Hingabe und Hilfsbereitschaft beschieden war. «Ich fühle mich belohnt für die immense Arbeit, die ich in dieses Buch steckte», so Sakayan. Und als sie dann vor vier Tagen das Tagebuch von Clara wahrhaftig in den Händen hielt – keine losen Kopien –, «da wurde alles in mir lebendig, lückenlos habe ich nochmals nachvollziehen können, wie konsequent Clara geschrieben hat und wie stolz sie auf ihren Mann war.»

Für die Tagebuchschreiberin sei immer das Ich, Hier und Heute Ausgangspunkt ihrer Eintragungen gewesen. «Wann aber sie dieses kalendarisch strukturierte Tagebuch geschrieben hat, konnte ich nicht klar eruieren», so Sakayan. Man müsse es lesen, um das alles zu begreifen, so die Autorin. Und sie betont abschliessend: «Das Buch ist nicht nur wichtig für Armenien, auch für die Schweiz. Alle müssen zur Aufarbeitung beitragen.»

Dora Sakayan, «Man treibt sie in die Wüste», Clara und Fritz Sigrist-Hilty als Augenzeugen des Völkermordes an den Armeniern 1915–1918, mit einem Vorwort von Wolfgang Gust, 304 Seiten, gebunden, 46 Fotos und Abbildungen, 34 Franken, 978-3-85791-815-5.

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