Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WERDENBERG/RHEINTAL: 600 Franken pro Tonne

Neue EU-Regeln stellen die Schweizer Zuckerwirtschaft vor die essenzielle Frage, ob sich der Anbau von Zuckerrüben in der Schweiz überhaupt noch lohnt.
Katharina Rutz/Kurt Latzer
Der Anbau von Zuckerrüben ist in den letzten Jahren im Werdenberg –wie im gesamten Rheintal– stark gesunken. (Bild: Donato Caspri)

Der Anbau von Zuckerrüben ist in den letzten Jahren im Werdenberg –wie im gesamten Rheintal– stark gesunken. (Bild: Donato Caspri)

Katharina Rutz/Kurt Latzer

katharina.rutz@wundo.ch

Im Jahr 2017 hätten über 500 Landwirte die Zuckerrübenproduktion wegen der tiefen Preise aufgegeben, heisst es in einer Pressemitteilung des Bauernverbandes Ende Februar. Grund dafür sei die Zuckerproduktion in der EU. Nachdem die Zuckerquote, Exportbeschränkungen und Mindestpreis für Zuckerrüben in der EU aufgehoben wurden, sei der Anbau regelrecht explodiert. Laut Bauernverband sei die Erntemenge um 20 Prozent gestiegen. Der Bauernverband warnt, dass der einheimische Anbau von Zuckerrüben gefährdet sei. Daraufhin gab der Nationalrat einer parlamentarischen Initiative von Jacques Bourgeois (FDP/FR) Folge. Die Initiative verlangt einen Mindestpreis für Zucker in der Schweiz durch eine Anpassung des Grenzschutzsystems. Die Rede ist von 600 Franken pro Tonne Zucker oder 60 Rappen für ein Kilogramm.

Im Werdenberg sank die Anbaufläche

Auch im Werdenberg sank die Anbaufläche von Zuckerrüben vor allem in den letzten zwei Jahren sehr stark. «Heute werden zwischen Sennwald und Landquart noch 60-70 Hektaren Zuckerrüben angepflanzt», so Rudolf Senn, Lohnunternehmer aus Haag (siehe Front).

In Widnau ist mit dem Schweizer Abfüllwerk von Red Bull einer der grössten Zuckerverarbeiter der Schweiz beheimatet. Aus Landwirtschaftskreisen hört man, Red Bull kaufe pro Jahr etwa ein Viertel der gesamten Schweizer Zuckerproduktion. «Wir geben keine Details bekannt. Aber Red Bull ist ein sehr wichtiger und treuer Kunde der Schweizer Zucker AG», sagt Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG. Müsste man nicht auch um die Aufträge aus Widnau bangen, wenn der Preis für das Kilogramm Schweizer Zucker 60 Rappen nicht unterschreiten dürfte? «Generell ist es ein schmaler Grat zwischen den Forderungen der Kunden nach einem EU-kompatiblen Zuckerpreis und den Forderungen der Bauern nach einem kostendeckenden Rübenpreis», sagt der Schweizer-Zucker-Geschäftsführer. Man habe die Rübenpreise in den letzten Jahren deutlich gesenkt und verliere gerade in der Ostschweiz Anbauflächen. Das zeige, dass die Schmerzgrenze für die Bauern erreicht sei.

Schweizer Bauern brauchen wohl den Mindestpreis von 600 Franken pro Tonne Zucker, um überleben zu können. Guido Stäger: «Wir haben Verständnis für diese Forderung der Bauern. Wenn wir den Grenzschutz entsprechend anpassen, wären wir mit den Preisen ja nur unwesentlich höher als heute.» Das sollte für die Industrie tragbar sein und die Schweizer Zucker AG hätte genug Rüben, um die Fabriken auszulasten und eine effiziente Kostenstruktur sicherzustellen.

Schweizer Zuckerwirtschaft ist wettbewerbsfähig

Wenn die Zuckerproduktion in der EU weiter so stark zunimmt, steht dann der Zuckerrübenanbau in der ganzen Schweiz vor dem Aus? «Die EU hat einen Überschuss und damit auch intern ein Mengen- und ein Preisproblem.» Auch in der EU werden die tiefen Preise in Zukunft zu Problemen und Umwälzungen führen, glaubt Stäger. «Unabhängige Quellen schätzen den kostendeckenden Preis für die EU im Bereich von 450 bis 500 Euro pro Tonne. Wenn wir das umrechnen, sind wir sehr nahe bei den geforderten 600 Franken», sagt Guido Stäger. Die Schweizer Zuckerwirtschaft sei durchaus wettbewerbsfähig und könne mit Zuckerpreisen leben, die sehr nahe am EU-Niveau seien. «Es wäre schade, wenn wir in der Schweiz die Zuckerproduktion einstellen müssten, nur weil die EU kurzfristig zu Tiefstpreisen produziert und exportiert», sagt der Zucker-Schweiz-CEO.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.