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WERDENBERG: Zu wenig Wohngruppenplätze für Menschen mit Demenz

Das Angebot für Menschen mit Demenz ist vielfältig und die Region auf gutem Weg, sagen Fachleute. Die Gemeinden hätten die Hausaufgaben gemacht.
Menschen mit Demenz profitieren in den Heimen und Zentren von den angebotenen Aktivitäten und der fachlichen Betreuung. (Bild: Reto Martin)

Menschen mit Demenz profitieren in den Heimen und Zentren von den angebotenen Aktivitäten und der fachlichen Betreuung. (Bild: Reto Martin)

Hanspeter Thurnherr

Über Demenz ist in letzter Zeit viel geschrieben und geredet worden. «Demenz bedeutet wörtlich übersetzt ‹der Verstand ist weg› und ist der Überbegriff für mehr als 100 neurodegenerative Krankheiten des Gehirns. Diese gehen insbesondere in den späteren Stadien mit vielfältigen Beeinträchtigungen der Betroffenen sowie mit kognitiven, funktionellen und weiteren psychischen Störungen einher. Betroffen sind das Gedächtnis, teil-
weise das Denken, die Orientierung, die Auffassungsgabe, das Rechnen, die Lernfähigkeit, die Sprache sowie teilweise das Urteilsvermögen.» So definiert die St. Galler Kantonsregierung 2015 in ihrem rund 60-seitigen «Demenz»-Bericht an das Parlament die Krankheit. Darin setzt sie zwei «Wirkungsziele»:
• Sensibilisierung der Bevölkerung und Enttabuisierung des Themas Demenz
• Weiterer Ausbau des Angebots für Menschen mit Demenz und deren Angehörige.
Dass Information wichtig ist, um Ängste vor der Krankheit abzubauen und falsche Vorstellungen zu korrigieren, verdeutlicht Mathias Engler, Geschäftsleiter des Pflegeheims Werdenberg: «Nicht jeder, der im Alter etwas vergisst, hat Demenz. Und wenn jemand eine leichte Demenz hat, heisst dies nicht, dass sie später hochgradig wird.»

Aktuell noch zu wenig Pflegewohngruppen

Mit seiner Demenzstrategie wolle der Kanton vielfältige Betreuungsformen an verschiedensten Orten ermöglichen. Diese Vielfalt mache Sinn. Engler sieht das Werdenberg bezüglich der Angebotsstruktur gut aufgestellt: «Die Hausaufgaben sind gemacht.» Auch Margrit Raimann, Leiterin des Zentrums Wiitsicht in Grabs, sieht die Region auf gutem Weg. Allerdings habe es aktuell noch zu wenig Pflegewohngruppen. «Aufgrund der Nachfrage könnte ich fast täglich eine solche Gruppe eröffnen. Ich musste lernen, dass die Betreuung zu Hause ihre Grenzen hat.»
Welche Angebote zur Pflege und Betreuung der Erkrankten sowie zur Entlastung der Angehörigen in der Region zur Verfügung stehen, ist vielfach noch unbekannt. Deshalb liefert der W&O einen Überblick.

«Wir können grundsätzlich zwei Modelle unterscheiden. Beim integrierenden Modell leben die Erkrankten im Altersheim mit den anderen Bewohnern zusammen. Das funktioniert bei leichteren Formen sehr wahrscheinlich gut», erläutert Mathias Engler, Geschäftsleiter des Pflegeheims Werdenberg. Bei schwererer Demenz sei häufig die Unterbringung in einer separaten Wohngruppe die Lösung, auch weil dafür geeignetes Personal eingesetzt werden muss. «Diese Mitarbeitenden setzen beispielsweise auf Fragetechniken, mit denen sie die Betreuten und deren Bedürfnisse besser verstehen lernen.» Das Pflegeheim Werdenberg in Grabsführt zwei solche Wohngruppen zu je zehn Plätzen. Immobile oder bettlägrige Menschen mit Demenz werden in der «Pflegeoase» betreut. Es sei ein Vorteil, wenn man eine bedürfnisgerechte Betreuung anbieten könne

Im Betagtenheim Wartau in Azmoos stehen für Menschen mit Demenz elf Plätze im dritten Stock zur Verfügung. Grosse Terrasse inklusive, wie Leiterin Beatrice Disch sagt.

Das Zentrum Wiitsicht bietet in der Tagesstätte in Grabsan vier Tagen für je sieben Menschen mit Demenz ebenfalls die Möglichkeit für einen Aufenthalt tagsüber – mit ähnlichen Aktivitäten wie im Wiedenpark. Auch hier führt der Aufenthalt zu einer wertvollen Entlastung der pflegenden Angehörigen. Das Zentrum Wiitsicht bietet weiter eine Pflegewohngruppe in Trübbach. Die Erkrankten sollen hier leben können wie zu Hause, also im familiären Rahmen. Mit Angehörigentreffen und Sprechstunden bietet «Wiitsicht» aber auch ungezwungenen Austausch und durch Informationen Unterstützung für die pflegenden Angehörigen.

Seit zehn Jahren bietet Buchs im Haus Wieden mit demWiedenpark (Haus D) ein Wohnkonzept mit 18 Zimmern, das demenzkranken Menschen ein Zuhause gibt. «Die angebotenen Alltagsaktivitäten lassen ihnen viel Freiraum für ihre individuellen Bedürfnisse und fördern gleichzeitig das Gemeinschaftsleben. So wird beispielsweise täglich gemeinsam gekocht. Weiter können die Bewohner in der geschützten Gartenanlage beim Gärtnern mithelfen, spazieren oder auf dem Hometrainer Fitness betreiben», erzählt Heimleiterin Domenika Schnider. Gesichert ist die Wohngruppe durch einen Code an den Ausgängen. Bewohner, die den besonderen Schutz nicht brauchen, erhalten den Code und können so das Areal verlassen.

Tag- und Nachtstruktur im Wiedenpark

Seit letztem Sommer bietet der Wiedenpark auch eine Tages- und Nachtstruktur an. Das heisst: Menschen mit Demenz können zwischen 9 und 17 Uhr oder zwischen 17.30 bis 8.30 Uhr hier betreut werden. «Dies ist vor allem sinnvoll, weil sie tagsüber oft schlafen und in der Nacht quicklebendig sind. So können Angehörige regelmässig entlastet werden», erzählt Domenika Schnider. Tagsüber sind sie voll ins vorstehend beschriebene Tagesgeschehen integriert.

ImAltersheim Gärbi in Sevelen lebt eine begrenzte Anzahl Menschen mit Demenz integrativ mit den anderen Bewohnern zusammen. «So viele, wie es vertretbar ist», präzisiert Leiter Markus Disch. Auch im Altersheim Forstegg in Sennwald leben Menschen mit Demenz mit anderen Bewohnern zusammen und werden in den Alltagsablauf eingebunden. Wie Heimleiter Marco Vaccariello sagt, ist das Forst­egg zu klein und verfügt nicht über die Infrastrukur für eine geschlossene Wohngruppe.

Dieses integrierende Modell wird auch im Alterswohnheim Möösli in Gams gelebt. «Wir haben dazu Personal mit einer psycho-gerontologischen Aus- und Weiterbildung», erklärt Leiterin Birgit Ramos. Mit Melderfunktion ausgerüstete Zimmer- und Eingangstüren geben Alarm, wenn eine Person mit Demenz aus dem Zimmer geht oder das Haus und allenfalls den Garten verlassen will. So kann für ihre Sicherheit gesorgt werden. Ihnen werden auch spezielle Aktivitäten angeboten. «Für stark fortgeschrittene demenziell erkrankte Personen wird eine Essecke mit professioneller Begleitung angeboten. Gerne wird auch Fingerfood angeboten», ergänzt Birgit Ramos.

Als «offenes Haus » bietet das Stütlihus in Grabseine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz, bei denen keine Weglaufgefahr besteht. Leiter Rolf Lenherr sagt: «Bei der Planung der Erweiterung, die derzeit im Bau ist, hat man sich gegen eine geschlossene Demenzabteilung entschieden. Denn wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit den anderen bestehenden Angeboten in der Gemeinde.»

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