WERDENBERG: Verklärte Idylle mit Ecken und Kanten

Die Schlossmediale bot mit dem «Werkklang Idylle» in Grabs einen unvergesslichen Streifzug durch drei Handwerksbetriebe. Da waren Klänge der Maschinen verbunden mit Musik und nostalgische Geschichten zu hören.

Heidy Beyeler
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Kinder hatten ihren Heidenspass, als der Reisswolf – eine alte Maschine – die gewaschene und getrocknete Schafwolle zerriss und ausspie.

Kinder hatten ihren Heidenspass, als der Reisswolf – eine alte Maschine – die gewaschene und getrocknete Schafwolle zerriss und ausspie.

Heidy Beyeler

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Während eineinhalb Stunden erlebten die Gäste mit dem Programm «Werkklang Idylle» im Rahmen der Schlossmediale einen einmaligen Rundgang durch das Dorf Grabs – entlang des Mühlbachs. Sechsmal wurde der Rundgang mit jeweils maximal 20 Personen durchgeführt. Das Interesse war gross. Um 14 Uhr war eine Gruppe mit Andreas Eggenberger – Dachi genannt – auf dem Weg zu neuem Wissen über alte Handwerksbetriebe am Mühlbach. Ausgangspunkt war das Stickereilokal. Dort wurden die Gäste von This Isler, der die Idee für diesen Anlass hatte, begrüsst. «Dieser Rundgang wird etwas verströmen, das Gedanken aufkommen lässt, im Sinne von ‹das war noch eine gute alte Zeit›».

Auf dem Weg zu den Handwerksbetrieben wusste Dachi als Urgrabser vieles aus seiner Vergangenheit und aus den Geschichten rund um Grabs zu erzählen. Das war spannend. Es gab geschichtlich Interessantes zu hören genauso wie «Episödchen» aus seiner persönlichen Vergangenheit.

Noch während der einleitenden Worte von This Isler sprang ein Mann durch die offene Tür mit den Worten «gute alte Zeiten sagten Sie, Herr Richter? Das hat es noch nie gegeben. Der Mensch baut sich seine Idyllen durch sein vergessen auf.» Damit war das Theater, welches die alten Zeiten mit Geschichten aufleben liess, eröffnet. Und so erfuhren die Zuhörenden beispielsweise, dass Grabs seinerzeit im Rheintal die Hochburg der Stickerei war. Laienschauspieler aus Grabs trugen all die Geschichten rund um die Handwerkskunst auf unterhaltsame Weise vor – an jedem der drei besuchten Orte. Dazu gab es auch jedes Mal Musikbegleitung.

Beim Besuch der Wollwäscherei Sturzenegger staunten auswärtige Gäste nicht schlecht, dass in diesem Betrieb – als einziger in der Schweiz – heute noch die Schafwolle nach alter Väter Sitte aufbereitet wird für die Verarbeitung zu Strickwolle, Stoffen und Vlies. Das heisst, die Schafwolle wird hier am Mühlbach gewaschen, getrocknet, zerrissen und gekardet.

Ein unvergesslicher Rundgang – auch für Kinder

Nach diesem auch für Kinder interessanten Exkurs in die Wollverarbeitung von damals ging es per Pferdekutsche vom Oberdorf zur einzigartigen Maismühle. Bei der Ankunft stand schon ein Bauer vor der Türe, der seine Maisernte in zwei Säcken in die Mühle brachte. Der Bauer war Teil der Theatergruppe, die veranschaulichten, wie es anno dazumal in solchen Betrieben zu- und hergegangen war.

Nach der Erntezeit und dem Trocknen der «Türgga»-Kolben und Ausdreschen war damals in der Maismühle allerhand los. So kam es dann auch zu ausgelassenen Festen mit Musik und Most – und manchmal auch mit Wein, Weib und Gesang. Und so spielte am Samstag Ueli Rutz auf seinem Akkordeon fröhliche und auch melancholische Weisen. Dazu sang die Müllerin Geschichten, die das damalige Leben beschrieben.

Danach ging’s zur Hammerschmiede, und auch diese Vorstellung wird den Besuchern in bester Erinnerung bleiben. Die Leute waren überaus begeistert – vor allem die vielen Kinder hörten den interessanten Ausführungen über die «guten alten Zeiten» aufmerksam zu. «Schade eigentlich, dass diese Inszenierung nur gerade an einem Tag dem Publikum dargeboten wird», sagte eine Dame aus dem Liechtenstein. Mehr Anerkennung ist kaum möglich.