WERDENBERG: Dem Chorgesang verpflichtet

Im Schlangenhaus ist noch bis zum 11. Juni eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Sängerverbandes Werdenberg zu sehen. 1856 wurde er gegründet.

Hansruedi Rohrer
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Die Eisenbahner-Gesangssektion Buchs im Jahr 1909.

Die Eisenbahner-Gesangssektion Buchs im Jahr 1909.

Hansruedi Rohrer

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Der Sängerverband Werdenberg soll um das Jahr 1830 gegründet worden sein. Doch liest sich in einem alten Protokoll folgende Bemerkung: «Nachdem ein in der ersten Hälfte der Vierzigerjahre gestifteter Bezirksgesangsverein für Werdenberg nach kurzem Leben wieder eingeschlafen war, lebten einzelne hie und da bestehende oder auch sich bildende Lokalvereine mehr als zehn Jahre lang ohne irgendwelche nähere Verbindung unter sich fort, ein jeder kaum auch nur die Existenz der andern kennend.» Die nachfolgenden Schilderungen aus der Anfangszeit des Sängerverbandes Werdenberg liegen der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen zugrunde.

Der erste bekannte Schritt zur Gründung des Sängerverbandes erfolgte am 7. September 1856, als Pfarrer Mayer als Vorstand des Männerchors Salez die ihm bekannten Chöre zu einer freien Versammlung ins Buchser Restaurant ­Hörnli auf dem Wuhr einlud. Besprochen ­wurden dort die ersten Schritte zur Gründung eines Bezirksgesangsvereins. Anwesend waren Delegationen der ­Vereine aus Salez, Sevelen, Oberschan und dem Grabserberg. Azmoos hatte sich vorerst lediglich mit dem Gedanken einer Gründung einverstanden erklärt. Nach einer vorgängigen Statuten­beratung war es am 21. Februar 1857 soweit: Die fünf Mitglieder der Kommission wählten Pfarrer Mayer zum Präsidenten, Lehrer Zogg vom Grabserberg zum Gesangsleiter und Vizepräsidenten sowie Einnehmer Frei aus Azmoos zum Aktuar und Kassier des Bezirksgesangsvereins.

Keine Politik auf der Bühne

Am 13. April 1857 fand in Grabs die erste Hauptversammlung des Verbandes statt. Danach trafen sich die Sänger unter Beizug der Sängerschaft und der Blech­musik Mels in der Kirche zu Vorträgen. Pfarrer Schiess, Grabs, hielt die Eröffnungsrede, und gesungen wurde aus der zürcherischen Sammlung von Volks­gesängen, dem Synodalheft und dem ­appenzellischen Liederkranz.

Am 25. April 1858 fand die zweite Hauptversammlung im Schulhaus ­Gre­tschins statt. Im November 1858 trat auch der Verein von Buchs dem Bezirksverband bei. Buchs wurde dann auch für die Durchführung der dritten Hauptversammlung verpflichtet, welche am 25. April 1859 zur Durchführung ge­langte. Im Vorfeld dieser Versammlung mit dem Sängerfest hatten sich die Chöre erstmals zu Vorproben einzu­finden. Und «es soll bei der derzeitigen poli­tischen Spannung wegen eine Warnung an Sänger und Sängerfreunde in der Festhütte ergehen, auf der Bühne keine Politik zu treiben, um Störungen zu vermeiden.»

Am 17. Januar 1863 tagte die Kommission wieder im «Hörnli», wobei die Vereine Trübbach und Weite an den Verhandlungen teilnahmen. 1865 wollte ­keiner der angeschlossenen Vereine das Sängerfest übernehmen, sodass die ­Werdenberger die Hauptversammlung mit anschliessendem Sängertreffen ins Schloss Vaduz verlegten. Das ist wohl einmalig in der Verbandsgeschichte. Die Rechnungsablage und andere statutarische Geschäfte wurden allerdings um ein Jahr verschoben, damit sie auf heimatlichem Boden erledigt werden konnten. Anstelle des wegziehenden Pfarrers Mayer konnte 1865 Pfarrer Seifert aus Gretschins als Präsident gewonnen werden. Das Jahr 1867 brachte beinahe eine Auflösung des Verbandes. Es gab neue Statuten, welche noch revidiert werden mussten, bevor am 28. April 1868 in der Buchser Kirche die offiziellen Einzel- und Gesamtvorträge des Sängerfestes zu hören waren. Eine unschöne Begebenheit zu diesem Fest notierte der Aktuar in seinem Bericht: «Empörend wirkte auf das Publikum sowohl als auch auf die Sänger das Benehmen einiger Bürger von Buchs, die, den kleinen Eintritt von 20 Rappen verweigernd, mit Gewalt in die Kirche eindrangen. Doch das bestimmte Auftreten des Männerchors Buchs machte diesem Gewaltakt bald ein Ende.» Auch steht im Protokoll: «Das Mittagsmahl war gut, aber kalt und ­teuer, für ein einfaches Mittagsmahl mit einer Flasche Wein sind so 3 liebe Runde (Franken) viel Geld.»

Ab 1874 nahm man auch Gemischtchöre auf

Im Jahre 1868 waren dem Verband die Vereine Werdenberg, Sevelen, Wartau (Oberschan), Buchs, Räfis, Grabs und ­Salez angeschlossen. Sie umfassten total 119 Mitglieder. In die Verbandskasse mussten pro Mitglied 85 Rappen geleistet werden, davon wurde dem festgebenden Verein 100 Franken als Vergütung entrichtet.

Im Januar 1874 beschloss der Sängerausschuss, dass künftig auch Gemischtchöre in den Bezirksverein aufgenommen werden können. Am 4. März 1877 erfolgte die Fusion mit dem Bezirks­gesangsverein Sargans. Ein Rückgang der aktiven Sänger mag wohl den Ausschlag dazu gegeben haben. Doch diese Fusion dauerte nur bis 1889. Denn Anfang jenes Jahres waren nur noch vier Vereine bei diesem Bezirkssängerverein Sargans-Werdenberg dabei: Buchs, Ragaz, Walenstadt und Murg. Fortan gingen beide Bezirksvereine wieder ihre eigenen Wege. Am 22. April 1889 erfolgte im «Bahnhöfli», Haag, die Gründung des neuen Bezirkssängerverbandes unter dem Namen «Sängerbund Werdenberg». Erster Präsident wurde Dr. Odermatt und Gesangsleiter war der später bekannt gewordene Sängervater und Maler Fridolin Hösli aus Trübbach. An der Gründung des neuen Verbandes ­waren der Sängerbund Wartau und die Männerchöre aus Oberschan, Weite, Buchs, Grabs, Gams, Sax und Sennwald beteiligt. Als Austragungsort des 1. Werdenbergischen Sängertages wurde Azmoos bestimmt. Der Anlass fand am 28. Juli 1889 in der Kirche und auf dem Festplatz im Traubenbongert statt. Damit begann auch die Ära der werden­bergischen Sängertage, die ab 1889 bis 1894 alljährlich, und von 1894 bis 1914 alle zwei Jahre stattfanden.

Im Herbst 1921 wurde beschlossen, einheitliche Liederbücher anzuschaffen. Der Sängerbund Buchs trat 1924 wegen Meinungsverschiedenheiten in der Rangierung aus dem Verband aus, neu kam der Männerchor Sax hinzu, der später aber wieder von der Bildfläche verschwand. Dass es jedoch an den Sängerfesten gemütlich zu- und herging, beweist ein Protokolleintrag des Aktuars des Männerchors Sennwald: «Mensch, denk an den Heimweg, die Kräfte des Weins heben den Geist mehr als des Gebeins, gefährlich ist solche Disharmonie, und zu Hause wartet Sie …»

Präsident und Bezirksdirigent traten gleichzeitig zurück

Als einer der Meilensteine in der Verbandsgeschichte hält die Chronik den 12. März 1966 fest, als gleichzeitig der Verbandspräsident Kurt Mehrmann (1950 bis 1966 im Amt) und der Bezirksdirigent Kaspar Grässli (1940 bis 1966) zurücktraten. Innerhalb des Verbandes hatte man im Allgemeinen stets ein ­gutes Einvernehmen. Bedauert wurde allerdings mehr als nur einmal, dass es immer wieder Vereine gegeben hatte, welche dem Verband nicht beigetreten waren.