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Werden wir kalt geduscht?

Josef Dudli Bogenstrasse 3, 9470 Werdenberg

Nach dem an der letzten Abstimmung gescheiterten Unternehmenssteuergesetz steht mit dem Energiegesetz eine weitere komplexe Vorlage zur Abstimmung an. Da sich in letzter Zeit weltweit mit populistischen Schlagworten Abstimmungen und Wahlen gewinnen lassen, glaubt nun auch das jetzige Referendumskomitee, diesen erfolgreichen Weg kopieren zu müssen, und legt noch einen Zacken zu.

Die kürzlich in alle Haus­halte verschickte Abstimmungszeitung mit dem sinnvollen Titel «Energie-Info» trägt derart dick auf, dass man darüber schmunzeln muss. Das Titelbild, eine frierende Frau unter der kalten Dusche, und dafür noch zusätzlich um sagenhafte 3200 Franken jährlich erleichtert. Dann auf Seite zwei die Auflistung der Opfer der «Attacken» durch dieses neue Energiegesetz: der Mittelstand, alle Haushalte, alle Büezer, die Unternehmen, kleine und mittlere Unter­nehmen (KMU) und das ­Gewerbe, die Konsumenten, die Auto­fahrer, die Berggebiete, die Bauern, der Tourismus.

Auf einer Doppelseite folgt eine Aufzählung alles Schreck­lichen, was uns bei einem Ja bevorsteht: Fussballspiele werden abgesagt, die Pakete werden nur noch einmal ­wöchentlich geliefert, Waschen nur noch einmal im Monat oder von Hand, nur noch 18 Grad Zimmertemperatur, Autofahren und Flugreisen nur noch für ­Reiche, Handys nur noch einige Stunden pro Tag, nur noch kalt duschen, nur noch Staubsaugen bei Sonnenschein, keine Weihnachtsbeleuchtung, und als ­Krönung des ganzen Desasters ein Verbot von Bananen, Kaffee und Fleisch!

Warum nur reagiere ich nicht mit blankem Entsetzen, sondern eher mit Belustigung auf diese Schreckensbilder? Wohl vor allem deshalb, weil es hier nicht um eine radikale Volksinitiative einer radikalen Gruppierung geht, sondern um eine von Bundesrat und ­Parlament verabschiedete austarierte Vorlage. Eine ­Vorlage, welche sogar die Mehrheit der ­Delegierten der FDP Schweiz fand. Wenn nur ein Bruchteil der obigen Behauptungen stimmen würde, hätte dieses Gesetz keine dieser Hürden genommen.

Für die Deckung der Stromlücke der irgendwann alters­halber stillzulegenden Atomkraftwerke bleiben noch etliche Jahre. Es bleibt also genügend Zeit, dass die obigen Horror­szenarien nicht Realität werden. Zur Erinnerung: Die Atom­ausstiegs-Initiative, welche die Abschaltung sehr kurzfristig vornehmen wollte, erhielt im November landesweit beacht­liche 46 Prozent Ja-­Stimmen. Aufgrund dieser und auch auf­grund früherer Volksabstimmungen zur Atom­energie ist ­anzunehmen, dass sich für AKW-Neubauten keine Volksmehrheit finden wird.

Somit ist diese Vorlage ein gangbarer dritter Weg zwischen dem realpolitisch nicht durchsetzbaren Bau von neuen AKW und dem klimapolitisch nicht erwünschten blossen Ersatz durch Kohlestromimporte.

Josef Dudli Bogenstrasse 3, 9470 Werdenberg

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