Wenn in der Pubertät der Tanz der Hormone beginnt

REGION. Priska Walliser referierte kürzlich bei der Elternbildung Werdenberg über die Entwicklung der Sexualität bei Pubertierenden.

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REGION. Priska Walliser referierte kürzlich bei der Elternbildung Werdenberg über die Entwicklung der Sexualität bei Pubertierenden. In erfrischend offener Sprache referierte die Sexualtherapeutin und ehemalige Hebamme vor zahlreichem Publikum über die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der Sexualität in der Pubertät. Ein Mensch hat in jeder Phase seines Lebens eine Sexualität, vom ersten Körperkontakt nach der Geburt bis ans Lebensende.

Dieses Bedürfnis verändert sich in der Pubertät dramatisch schnell. Was braucht es, um diese Umstellung positiv zu gestalten? Was hilft, um später ein ausgefülltes und selbstbestimmtes Leben als Paar zu führen?

Körpergefühl und Vertrauen

Wie bei den meisten Umwälzungen in der Pubertät sind die Jahre zuvor massgebend. Ein Neugeborenes wird der Mutter auf die Brust gelegt: dieses «Bonding» schafft Körpergefühl und Vertrauen. Später wird daraus Nähe zu den Eltern und Geschwistern, idealerweise in einer Atmosphäre von Offenheit und Vertrauen. Das Kind lernt dabei Nähe zuzulassen, Vertrauen wird belohnt und Geborgenheit hilft der Entspannung. Doktorspiele und Rollenspiele helfen, diese Erfahrungen zu verarbeiten und zu verinnerlichen, sie sind ein erster Schritt, die in der Familie gemachten Erfahrungen gegen aussen zu testen. Kinder werden immer Fragen zu diesem Thema stellen, die von den Eltern kindgerecht, das heisst ohne Scham und in einfachen Worten, beantwortet werden sollten. Altersgerechte Bücher helfen ebenfalls diese grossen Fragen aus dem Bereich des mythischen in die normale Welt zu holen.

Türe auf oder zu?

Der Auftrag an uns Eltern ist daher naheliegend: Wir müssen den Kindern ein positives Bild der Sexualität vorleben. Das heisst nun nicht, dass die Tür zum Elternschlafzimmer offen bleiben soll. Aber die Frage, warum die Tür manchmal zu ist, soll mit positiven Antworten quittiert werden: Da passiert etwas Schönes, wobei die Eltern jedoch alleine sein möchten. Letztlich müssen wir Eltern unsere eigene Sexualität überdenken und allenfalls an unserer eigenen Einstellung arbeiten. Denn wie so oft in der Erziehung ist das Vorbild entscheidend, nicht die Worte, die wir von uns geben. Wenn die Basis stimmt und unsere Einstellung selbst positiv ist, kann man der kommenden Geschlechtsreife entspannt entgegensehen.

Die Jugendlichen werden ihre Fragen stellen, sich im «Bravo» informieren oder eine Vertrauensperson zu Rate ziehen. Beruhigend ist auch zu wissen, dass sich das Alter des «ersten Mals» kaum verändert hat und immer noch bei circa 17 Jahren liegt, hiess es am Vortrag weiter. (pd)