Wenn das Fell zur Todesfalle wird

Schneehase und Wiesel haben eines gemeinsam – ihr Fell wird im Winter schneeweiss. Normalerweise sichert ihnen das ihr Überleben. Doch was passiert, wenn im Winter – so wie jetzt – kein Schnee fällt?

Katharina Rutz
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Das weisse Winterfell des Wiesels (links) und dieser Obertoggenburger Schneehasen tarnt perfekt – sofern Schnee liegt. (Bild: fotalia/ANJF)

Das weisse Winterfell des Wiesels (links) und dieser Obertoggenburger Schneehasen tarnt perfekt – sofern Schnee liegt. (Bild: fotalia/ANJF)

REGION. Der Dezember könnte als einer der wärmsten in die Geschichte eingehen. Während Hirsche oder Wildschweine von einem milden Winter nur profitieren, verlieren Schneehase und Wiesel ihre Tarnfähigkeit.

Den Hirschen gefällt es zurzeit immer noch auf 1300 oder 1400 Meter Höhe sehr gut. Sie brauchen also noch nicht in die tiefer gelegenen und dichter besiedelten Gebiete herunter zu wandern, um Nahrung zu finden. «Dies führt zu einer geringeren Konzentration der Tiere in ihren Winterlebensräumen und damit bestimmt auch zu weniger Wildschäden», sagt Urs Büchler, Obertoggenburger Wildhüter. Ebenfalls gefallen wird der bisherige Winter den Wildschweinen. «Bei einem milden Winter kommen mehr Wildschweine durch, als wenn der Winter kalt und schneereich ist», sagt Büchler. Dies könnte dann allerdings im nächsten Jahr vermehrt zu Schäden führen, prognostiziert der Wildhüter. Mehr weibliche Wildschweine bedeutet im nächsten Frühjahr eine um ein Vielfaches grössere Anzahl an Jungtieren. Auch verschiedene Vogelarten profitieren vom besseren Nahrungsangebot in einem Winter ohne Schnee, so zum Beispiel der Mauerläufer auf der Jagd nach Insekten.

Der Winter, wie er sich bisher zeigte, müsste also den Wildtieren nicht schlecht gefallen. Doch es gibt auch solche, für die wird die schneefreie Zeit leicht zur Todesfalle.

Weiss wie Schnee

Das Wiesel beispielsweise wechselt seine Fellfarbe von braun im Sommer auf schneeweiss im Winter. Einzige Ausnahme bildet die schwarze Schwanzspitze des kleinen Mäusejägers. Der Fellwechsel wird von Hormonen gesteuert, die von der Tageslänge und den Aussentemperaturen beeinflusst werden. In milden Wintern könne das Fell deshalb auch teilweise braun bleiben, heisst es in Fachartikeln. Im Obertoggenburg allerdings wurden die Wiesel offenbar trotzdem weiss. «Kürzlich sah ich ein weisses Wiesel auf einer Wiese, sie sind sehr auffällig mit ihrem Winterkleid, solange kein Schnee liegt», beschreibt Urs Büchler. Wenn sie der Mensch schon so leicht erkennen kann, umso leichter wird es für die vielen Fressfeinde des Wiesels, diese zu erbeuten. Der kleine Räuber steht nämlich selber auf dem Speisezettel unter anderem von Greifvögeln, Eulen und Füchsen. «Es ist dramatisch, wenn etwas, was sonst eine Hilfe zum Überleben ist, in einem schneelosen Winter das Gegenteil bewirkt», sagt der Wildhüter.

Die kleineren Verwandten des Wiesels, die Mauswiesel, bleiben in unserer Region im Winter braun. Das kleinste Raubsäugetier der Welt ist allerdings vermehrt unter der Erdoberfläche unterwegs und deshalb noch seltener zu sehen als das Wiesel. «Das Nordische Mauswiesel wird allerdings genau wie unser Wiesel im Winter weiss», sagt Büchler.

Besser isoliert

Ebenfalls im Sommer braun und im Winter weiss ist das Fell des Schneehasen. Er ist im Obertoggenburg in den höheren Lagen ab 1400 m ü. M. überall verbreitet. «Es ist jedoch schwierig, den Bestand des dämmerunsaktiven Tieres zu schätzen», sagt Urs Büchler. Denn in den Bergen ist in der Dämmerung selten jemand unterwegs und der Schneehase deshalb schwierig zu beobachten. Dafür findet er in seinem Lebensraum – der hauptsächlich über der Baumgrenze liegt – auch in diesem warmen Dezember noch einige Schneeflecken, wo er mit seinem weissen Fell perfekt getarnt ist. Das weisse Fell bringt dem Schneehasen einen weiteren Nutzen. Durch die in den Haaren eingelagerte Luft isoliert es um 25% besser als das braune Sommerfell.

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