Wegen Prügelei vor Gericht

Vor einem Club in Buchs haben im Februar 2011 mehrere Männer einen Besucher schwer verletzt. Es werden mehrjährige Haftstrafen gefordert.

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ST. GALLEN/BUCHS. Vier Männer mussten sich gestern wegen einer Schlägerei, die sich 2011 vor einem Buchser Club ereignet hatte, vor Kantonsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchte vorsätzliche Tötung vor und fordert Freiheitsstrafen von viereinhalb, sechs, sieben und acht Jahren.

«Sie bringen ihn noch um!»

Die Tat geschah während der Fasnacht im Februar 2011: Etwa um 4.30 Uhr in der Nacht kam es unter – mehrheitlich betrunkenen – Clubbesuchern zu Provokationen und einer Schlägerei. Ein Mann wurde schwer verletzt: Mit gebrochenem Nasenbein, ausgeschlagenen Zähnen und einer irreparablen Augenverletzung wurde er ins Spital gebracht.

Die Täter sollen das Opfer mit Fäusten, Knien und Füssen brutal traktiert haben. Auch als der Mann bewusstlos und mit blutendem Kopf am Boden lag und seine Freundin schrie: «Sie bringen ihn noch um!», versetzten ihm die Angreifer weitere Fusstritte. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilte vier mutmassliche Täter: Einen heute 34jährigen Kosovaren, einen 25jährigen Serben und einen 23jährigen Italiener sprach es der versuchten vorsätzlichen Tötung und weiterer Tatbestände schuldig. Sie erhielten Freiheitsstrafen von acht, sechs und viereinhalb Jahren.

Einen 28jährigen Serben, der als Security-Mann ohne Bewilligung im Club arbeitete, verurteilte das Kreisgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Alle vier Verurteilten zogen den Fall ans Kantonsgericht weiter. Ihre Verteidiger forderten Freisprüche vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung und deutlich mildere Strafen.

Widersprüchliche Aussagen

Die Staatsanwältin verlangte in ihrer Anschlussberufung härtere Strafen für drei Beschuldigte. Auch der Security-Mann sei wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu verurteilen. Dieser gab in der Befragung vor Kantonsgericht zu, das Opfer geschlagen zu haben. «Das war ein riesiger Fehler», sagte er – auch wenn ihn das Opfer als «Scheiss-Jugo» und «Nuttensohn» beschimpft und provoziert habe. Danach habe er den Mann vor die Tür gestellt und sei zurück in den Club gegangen. Als er später die Schlägerei vor dem Club bemerkte, habe das Opfer bereits am Boden gelegen. In diesem Moment habe er den Mann schützen wollen. Zwei der Mitbeschuldigten sagten allerdings aus, auch der Security-Mann habe auf das Opfer eingeschlagen. «Einer von ihnen lügt», stellte der Gerichtspräsident fest.

Widersprüchlich waren auch die Aussagen über die Tatbeteiligung des Italieners. Er sei betrunken gewesen und habe dem Opfer helfen wollen. Alle anderen hätten nur zugeschaut und mit ihren Handys gefilmt. Er selber habe das Opfer nicht geschlagen, beteuerte der Italiener. Sein Verteidiger forderte eine bedingte Strafe.

Teilweise geständig

Der Kosovare, den das Kreisgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt hatte, zeigte sich vor Kantonsgericht teilweise geständig. «Ich stehe dazu, was ich gemacht habe. Es war blöd», sagte er. Er habe «nicht gedacht, dass es so schlimm war». Die Verteidigerin beantragte eine Freiheitsstrafe von maximal zwei bis zweieinhalb Jahren.

Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus. Es wird voraussichtlich morgen verkündet. (sda)