Was macht denn Picasso in Ruggell?

«Verwundung und Zuflucht» heisst eine seit kurzem im Ruggeller Küefer-Martis-Huus zu sehende Ausstellung mit Exponaten aus dem derzeit geschlossenen Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz.

Henning von Vogelsang
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RUGGELL. Museumsdirektor Friedemann Malsch und Konservatorin Christiane Meyer-Stoll sowie seitens des Küefer-Martis-Huus und als Kurator der Ausstellung, Johannes Inama, berichteten an einer Medienorientierung über das Kooperationsprojekt zwischen dem Kunstmuseum Liechtenstein und dem Küefer-Martis-Huus. Während das Museum geschlossen ist, zeigen der Gasometer Triesen und das Küefer-Martis-Huus in Ruggell bis 20. April Auszüge der Sammlung des Kunstmuseums aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven.

Die Thematik von «Verwundung und Zuflucht» in Ruggell bildet den Auftakt zur Ausstellung «Aus Liebe Fremd», die sich ab Ende April im Küefer-Martis-Huus mit dem Themenfeld Heiratsmigration auseinandersetzen wird. Die Ausstellung wurde von Johannes Inama, Leiter des Küefer-Martis-Huus, in Zusammenarbeit mit Christiane Meyer-Stoll vom Kunstmuseum Liechtenstein kuratiert.

Männliche Frauenbilder

In den ausgewählten Arbeiten von Kerstin Kartscher, Kimsooja, Gina Pane, Leiko Ikemura und anderen Künstlerinnen spielen Fragen wie die Differenz von intimen und öffentlichen Orten, das Zusammenspiel der Häuslichkeit mit der Aussenwelt oder Domänen geschützter Zurückgezogenheit und ausgestellter Verletzlichkeit eine Rolle. Diesen weiblichen Blicken werden Frauenbilder von Arnulf Rainer, Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso oder Henri Laurens und Objekte von Keith Sonnier, Joseph Beuys oder Gary Kuehn gegenübergestellt. Es entsteht ein dichtes, teils assoziativ zusammengestelltes Gewebe künstlerischer Positionen rundum das Frausein in unserer Gesellschaft. Schmerzhafte Gefühle des Ausgesetzt- und Verletzlich-Seins, Fragen des Zuflucht-Suchens und des heilenden Ruhe-Findens in Traditionen oder Ritualen klingen an. Dabei kommt zudem die Suche nach Würde, Aufrichtigkeit und Liebe zum Tragen.

Zuflucht ist ein grosses Thema

In seinem Grusswort zeigte sich Vorsteher Ernst Büchel erfreut darüber, zum zweiten Mal in der Geschichte dieses dörflichen Kulturzentrums und Museums Exponate aus dem Kunstmuseum beherbergen zu können. Zuflucht sei in der Vergangenheit wie Gegenwart und sicher auch künftig ein ganz grosses Thema. Zugleich würdigte er die erfolgreichen Bemühungen des Leiters dieses Hauses.

Kunstmuseum für alle

Direktor Friedemann Malsch bezeichnete es als Chance, während der monatelangen Schliessung des Kunstmuseums wie schon früher auf die Gemeinden zugehen zu können und wie hier mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dabei haben die Gemeinden die Initiative, das in ihren Augen Passende auszuwählen und zu zeigen. Neben seinem Repräsentationsauftrag in Richtung Ausland sehe es das Kunstmuseum als Nationalgalerie aber ebenso als wichtig an, für alle im Land da zu sein. Ruggell, der Gasometer in Triesen und das Haus Stein Egerta in Schaan zeigen parallel nun solche Ausstellungen. Einige Werke in Ruggell seien auch vom Kunstmuseum selbst noch nicht gezeigt worden. Diese ermöglichten den Kunstmuseum-Mitarbeitern einen ganz neuen Blick auf die Werke.

Inhaltlich auf das Gezeigte ging Johannes Inama ein. Die neue Ausstellung knüpfe thematisch an die seinerzeitige mit dem Titel «Zuflucht auf Raten» an. Er erzählte von den gezeigten Exponaten und den Künstlerinnen und Künstlern, ging auf die politische Situation der Frauen bis in die Neuzeit und die entsprechenden Folgen ein. Im Rundgang durch die drei Ausstellungsräume wurden die Kontraste und Gemeinsamkeiten zwischen Künstlerinnen unserer Tage und weltberühmten männlichen Künstlern eindrücklich erkennbar.

Am Donnerstag, 27. Februar, 18 Uhr, findet eine öffentliche Führung mit Johannes Inama und Christiane Meyer-Stoll statt.

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