Was fehlt, wenn alles da ist?

Die Schweizer Stimmbürger haben es in der Hand, die Zukunft mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu gestalten. Das sei keine Utopie, sagte Daniel Häni, Mitinitiant der Initiative, am Mittwochabend in Buchs.

Heidy Beyeler
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Die Arbeitsgruppe BGE-Rheintal freut sich auf dem «Familienfoto» über den gelungenen Informationsabend mit Daniel Häni (auf dem Sessel) und Pola Rapatt an seiner Seite. (Bild: Heidy Beyeler)

Die Arbeitsgruppe BGE-Rheintal freut sich auf dem «Familienfoto» über den gelungenen Informationsabend mit Daniel Häni (auf dem Sessel) und Pola Rapatt an seiner Seite. (Bild: Heidy Beyeler)

BUCHS. Die Initianten der Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» lenken schweizweit die Aufmerksamkeit auf sich und ihre Ideen. Und sogar darüber hinaus. Als erstes Land der Welt wird die Schweiz am 5. Juni über den Vorschlag für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) abstimmen.

Grösstes Plakat der Welt

«Wir werden die grösste Frage der Welt – <Was würdest Du arbeiten, wenn für Dein Einkommen gesorgt wäre?> auf dem grössten Plakat der Welt stellen. Es ist 8000 Quadratmeter gross. So gross, dass wir den Guinness-Rekord damit brechen»: Das erklärte Pola Rapatt, Assistentin von Daniel Häni, eingangs zum Informationsabend vom BGE-Rheintal im «Soul Food» Buchs.

Diese Aktion wird unterstützt, indem das aus LKW-Planen gefertigte Plakat später zu Taschen und Rucksäcken in Glarus verarbeitet wird, die schliesslich an die Unterstützer abgegeben werden.

Fragen stellen, Antworten finden

Nach der Lesung von Daniel Häni, der vorgängig aus den Kapiteln Vorspiel, Arbeit und Macht rezitierte, nützten Teilnehmende die Gelegenheit, kritische Fragen zum bedingungslosen Grundeinkommen zu stellen.

«In welchem Land funktioniert das BGE-Modell bereits?», war die erste Frage aus der Runde. «Es gibt noch kein Land, welches über ein BGE abgestimmt bzw. ein solches eingeführt hat. Die Schweiz ist das erste Land in der Menschheitsgeschichte, das eine solche Möglichkeit debattiert und auch darüber abstimmen wird. Es gibt aber bereits verschiedene Pilotprojekte», erklärte Häni. In den USA beispielsweise sei man in den Siebzigerjahren ganz nahe daran gewesen, ein BGE in einer etwas anderer Form einzuführen.

«Nicht zusätzliches Einkommen»

Daniel Häni betonte, dass das BGE nicht als zusätzliches Einkommen geplant sei. «Das heisst, es gäbe nicht mehr Geld, das in Umlauf gebracht würde. Wir brauchen kein zusätzliches Geld. Wir brauchen den Willen der Gemeinschaft eines ganzen Landes, der ausdrückt, dass es intelligent ist, jenen Teil des Einkommens, den man unbedingt braucht, bedingungslos zu gewähren.»

Wie wird das finanziert?

Auf die Frage, wie das BGE finanziert würde, war Daniel Häni gut vorbereitet, weil sie «fast immer gestellt wird». Es gebe kein Zusatzeinkommen zusätzlich zu dem, was man heute schon hat. Das würde ja zur Inflation bzw. zur Geldentwertung führen, stellte er fest. Und fügte hinzu: «Das kann es ja nicht sein.»

Es gebe keinesfalls mehr Geld, das in Umlauf käme. «Alle Menschen, die in der Schweiz leben, haben bereits ein Einkommen – mehr oder weniger.» Sollten sie kein Einkommen haben, könnten sie ja gar nicht leben.

Die Idee des BGE sei es, dass jener Teil des Einkommens unbedingt gewährt werde, den man schon habe und unbedingt brauche. «Wir müssen kein zusätzliches Geld herbeischaffen», sagte Häni.

«Schlaff und faul?»

Vielmehr stelle sich die Frage, was wäre, wenn alle Menschen schlaff und faul würden? Sollte dies tatsächlich der Fall sein, «dann kann das Grundeinkommen so nicht finanziert werden», stellte Daniel Häni klar. Der Annahme, dass viele Menschen nicht mehr arbeiten würden, wenn sie ein BGE erhalten würden, widerspricht allerdings eine in der Schweiz durchgeführte repräsentative Umfrage. «Lediglich zwei Prozent der befragten Menschen sagten, sie würden ganz bestimmt aufhören zu arbeiten, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt würde.» Das zeigt, «dass das Argument, die Menschen seien faul, nicht sticht, weil die grosse Mehrheit natürlich weiter arbeiten würde», betonte Daniel Häni.

Weitergehende Infos sind nachzulesen im Buch «Was fehlt, wenn alles da ist?» von Daniel Häni und Philip Kovce, erschienen bei Orell Füssli, erhältlich im Buchhandel.