Was die Räder mit der Kasse zu tun haben

Im Depot der RTB Rheintal Bus werden 440 neue Pneus aufgezogen. Der Radwechsel hat – man hält es kaum für möglich – Auswirkungen auf das Kassensystem.

Max Tinner
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Die Garagen hatten die letzten Tage Hochbetrieb. Getreu der Faustregel «von Oktober bis Ostern» haben die Autofahrer die Winterräder montieren lassen. Auch im Depot der RTB Rheintal Bus werden seit ein paar Wochen fleissig Räder gewechselt. Hier werden allerdings keine Räder mit Sommerpneus gegen solche mit Winterpneus ausgetauscht – die Busse fahren nämlich auch den Sommer über mit derselben wintertauglichen Bereifung, sagt Hans Koller, Leiter Markt bei der Bus Ostschweiz AG, zu der die RTB gehört. Ersetzt werden die Pneus, wenn ihr Profil für einen weiteren Winter nicht mehr genügt. Auch Reifen, die gerade noch so gefahren werden dürften, werden ersetzt.

Diesen Herbst benötigen gleich 65 Busse neue «Finken». 440 Räder müssen dafür abmontiert, neu bereift und wieder angeschraubt werden. (Wer nun rechnet und sich wundert, weil 65 mal 4 doch nur 260 ergibt, sei daran erinnert, dass grössere Busse hinten über Doppelbereifung und zum Teil auch über mehr als zwei Achsen verfügen.)

Die Position des Busses ist eine wichtige Information

Nach der Neubereifung können die Busse allerdings nicht gleich wieder für den regulären Kursbetrieb eingesetzt werden. Zunächst muss das Kassensystem neu kalibriert werden. Dies deshalb, weil das System die von einem Sensor erfasste Anzahl Radumdrehungen mit den gespeicherten Distanzen zwischen den Haltestellen abgleicht und so die aktuelle Position des Busses bestimmt. Diese Information ist heutzutage wichtig. Damit kann das System nämlich den Billettpreis für die Fahrt ab der aktuellen Haltestelle zu einer beliebigen Zielhaltestelle berechnen. Aber auch die automatische Haltestellenanzeige und -ansage im Bus basieren darauf.

Werden nun neue Pneus aufgezogen, wirken sich die wenigen Millimeter mehr Raddurchmesser bereits auf die Distanzberechnung aus. Darum werden die Kassensysteme nach dem Radwechsel stets neu austariert. Für die Busse im Depot Altstätten macht man das jeweils an der Kesselbachstrasse, wo zwischen der Feldwiesenstrasse und der Industriestrasse eine gerade Strecke mit wenig Verkehr zu diesem Zweck ausgemessen worden ist.

Von Zeit zu Zeit ist übrigens auch eine Zwischenkalibrierung nötig, weil der Radumfang mit dem Abfahren der Reifen wieder abnimmt. «Der Chauffeur merkt das, wenn manchenorts die Haltestellenansage nicht mehr stimmt», erklärt Hans Koller auf Anfrage weiter.

Zuverlässiger als GPS

Nun könnte man auf die Idee kommen, die Position des Busses mittels GPS (Global Positioning System) zu bestimmen, wie dies jedermann mit einem Navigationsgerät im Auto oder auch nur mit einem Smartphone kann. Tatsächlich wird dies ebenfalls gemacht und für automatische Korrekturen genutzt. Die Positionsbestimmung mittels Wegimpulsen anhand der Radumdrehungen sei aber zuverlässiger, sagt Hans Koller. Sie funktioniert auch, wenn der Empfang der Satellitensignale des GPS-Systems gestört ist, beispielsweise bei starkem Schneefall.

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