Warum nicht ein Knopf im Nastuch?

Jetzt ist es mir wieder passiert. Ich habe etwas vergessen. Trotz Erinnerungsruf des Smartphones und Organizers. Hätte ich doch das gute alte Taschentuch benutzt! Die Digitalgeräte speichern zwar eine Fülle von Daten. Trotzdem geht immer wieder etwas vergessen.

Patrick Siegfried
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Jetzt ist es mir wieder passiert. Ich habe etwas vergessen. Trotz Erinnerungsruf des Smartphones und Organizers. Hätte ich doch das gute alte Taschentuch benutzt! Die Digitalgeräte speichern zwar eine Fülle von Daten. Trotzdem geht immer wieder etwas vergessen. Was das Taschentuch normalerweise speichert, ist bekannt. Aber es könnte auch als Organizer benutzt werden. Es braucht dafür keine Steckdose und kein Internet. Es braucht einfach den Kopf und den Tastsinn.

Will ich mir etwas merken und habe gerade nichts zum Schreiben dabei, mache ich einen Knopf in mein Taschentuch. So wird das Nastuch zum Erinnerungstuch. Ein uralter Trick. Und er hilft. Der Knopf erinnert mich über Tage daran, dass da noch etwas war. Manchmal weiss ich nicht mehr sofort, was es war. Aber dann erinnere ich mich an den Moment, als ich den Knopf gemacht habe und der vergessene Gedanke ist wieder da.

Die digitale Welt bringt zwar viele Erleichterungen mit sich, doch sie bindet auch viel Zeit. Die Benutzung des Nastuchs dagegen stellt keine besonderen Anforderungen. Und störungsanfällig ist es auch nicht. Schon gar nicht lässt sich mit einem Smartphone die Nase putzen.

Die Forscher warnen heute vor einer «digitalen Demenz». Durch die Fülle der Informationen können die Daten nicht mehr verarbeitet werden. Das Denken kann nicht mehr Wichtiges vom Unwichtigen unterscheiden. Zusammenhänge gehen verloren und in vielem fehlt die Tiefe. Wir vergessen immer mehr, als Einzelne und als Gesellschaft, wer wir sind und woher wir kommen. Das hat auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel anlässlich ihres Besuches vergangene Woche in Bern bemerkt, als sie gefragt wurde, wie man die europäische Kultur vor einer Islamisierung schützen könne. Sie habe keine Angst vor anderen Religionen, meinte sie. Viel eher sei sie besorgt darüber, wie wenig noch über den christlichen Glauben bekannt sei und wünschte sich die Tradition, wieder mehr in den Gottesdienst zu gehen. Man könne ja auch ein bisschen bibelfest sein oder vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche erklären.

Diesen Aufruf gegen das Vergessen hat bereits der Psalmist in der Bibel folgendermassen formuliert: «Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.» Darum werde ich mir jetzt gleich einen Knopf in mein Taschentuch machen. Dieser Knopf erinnert mich an das Gute, das mir in der vergangenen Woche begegnet ist. Und er erinnert mich daran, dass am Sonntag in einer Woche die katholischen und evangelischen Christen in Buchs gemeinsam zu diesem Thema einen Gottesdienst feiern werden.

evangelischer Pfarrer, Buchs