Warum es die Expo braucht

Seit 1883 fanden bisher sechs Landesausstellungen statt, jedoch noch nie in der Ostschweiz. Immer war die Expo ein Publikumsmagnet und ein für das Land wichtiges Ereignis.

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Seit 1883 fanden bisher sechs Landesausstellungen statt, jedoch noch nie in der Ostschweiz. Immer war die Expo ein Publikumsmagnet und ein für das Land wichtiges Ereignis. Auch die letzte Expo 2002 war mit über 10 Millionen Eintritten ein Anlass, der grosse Begeisterung auslöste, obwohl sie überschattet war von Planungsschwierigkeiten und finanziellen Entgleisungen. Die Expo ist für die Schweiz als Land der verschiedenen Sprachen, Kulturen und Regionen von grosser Bedeutung. Denn die Expo bietet jeder Generation die Chance, nachzudenken, was uns im Kern zusammenhält, woher wir kommen, wo wir stehen und in welche Richtung der gemeinsame Weg der Schweiz führen könnte.

Die drei Ostschweizer Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden haben nach Erarbeitung von Leitideen und eines Masterplans ein erstes Konzept ausgewählt. So soll eine Expo bleibende materielle und ideelle Werte schaffen. Weiter soll sie dezentral durchgeführt werden, über Kantons- vielleicht sogar über Landesgrenzen hinweg. Die Ostschweiz mit Nachbarn wie dem Vorarlberg oder dem Fürstentum Liechtenstein bietet sich dafür in idealer Form an. Andere Kantone verzichten derzeit zugunsten der Ostschweiz auf ähnliche Projekte. Der Bund als Träger der Landesausstellung hat zugesichert, 50 Prozent der Kosten einer Expo in der Ostschweiz zu übernehmen bis zu einem maximalen Betrag von 1 Milliarde Franken.

Die Gesamtkosten einer Landesausstellung betragen erfahrungsgemäss zwischen 0,3 und 0,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Deshalb kann für die Expo 2027 mit Kosten bei etwa 1,5 bis 2 Milliarden Franken gerechnet werden. Der Bund trägt davon 50 Prozent (siehe oben). Weiter wird die Expo finanziert durch Sponsoren und den Ticketverkauf. Die Standortkantone tragen mindestens sechs Prozent der Gesamtkosten. Somit kämen auf die Veranstalterkantone Kosten von mindestens 120 Millionen Franken zu.

Worum geht es bei der Abstimmung am 5. Juni? Mit dem Planungskredit von 9,5 Millionen Franken (davon 5 Millionen getragen durch den Kanton St. Gallen) soll ein Bewerbungsdossier zuhanden des Bundes erstellt werden. Dieses beinhaltet eine exakte Machbarkeitsprüfung, die sichere Klärung des finanziellen Bedarfes und die Festlegung konkreter Rahmenbedingungen zur Durchführung. Wenn ein konkretes Projekt vorliegt, wird das Volk vermutlich im Jahr 2019 über die Durchführung einer Landesausstellung in der Ostschweiz entscheiden.

Jetzt geht es nur um den Planungskredit. Sagt die Ostschweiz schon jetzt Nein, so wird eine Expo in einer anderen Region, beispielsweise dem Tessin oder der Zentralschweiz, durchgeführt werden. Die Ostschweiz würde durch einen mutlosen Entscheid schon zum jetzigen Zeitpunkt an Attraktivität kaum gewinnen. Gegner der Expo argumentieren, dass eine Landesausstellung nicht nachhaltig oder zu teuer sei. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen jedoch zu Kosten oder Nachhaltigkeit keine konkreten, verlässlichen Angaben vor.

Ich bitte Sie, dem Planungskredit am 5. Juni zuzustimmen.

Thomas Warzinek, Kantonsrat Mels, Mitglied der vorberatenden Kommission über einen Sonderkredit zur Finanzierung von Machbarkeitsstudie und Bewerbungsdossier Expo 2027

Freie Fahrt für freie Bürger?

Sollen die Uhren der Umwelt- und Verkehrspolitik wirklich auf die Zeit der 70er-Jahre zurückgedreht werden, als obiger Spruch noch aktuell war? Über Jahrzehnte ist es gelungen, den Anteil des öffentlichen Verkehrs (öV) zu erhöhen. In allen grösseren Städten Europas ist der öV im Aufwind, denn für den Massentransport sind Bahn, Tram und Metro die einzig richtigen Verkehrsmittel. Warum soll dies bei uns plötzlich nicht mehr gelten? Warum sollen wir 1,5 Milliarden mehr in den Bau von Autobahnen stecken?

Diese Milliarden fehlen nämlich dann in der Bundeskasse. Gespart werden müsste bei der Bildung und Forschung, bei der Entwicklungszusammenarbeit, beim öffentlichen Verkehr, bei der Landwirtschaft. Ist es das wert?

Bereits heute entfällt ein Drittel der bebauten Fläche der Schweiz auf Verkehrsinfrastruktur, 90 Prozent davon sind Strassen. Das reicht. Die Asphaltierung der Schweiz soll nicht noch mehr gefördert werden. Wichtig wäre, dass sich die verschiedenen Verkehrsmittel wie Strasse, öV, Fuss- und Veloverkehr gut ergänzen. Denn die umweltfreundlichen Fortbewegungsarten nehmen nicht annähernd so viel Platz weg wie Strassen. Zudem fördern sie eine kompakte und nachhaltige Raumnutzung.

Sagen Sie darum am 5. Juni Nein zur «Milchkuh-Initiative»!

Barbara Gähwiler-Bader

Präsidentin SP Werdenberg, Neugutgrabenstrasse 4,

9470 Buchs