WARTAU: Zeitzeugen für die Nachwelt

Die Ortsgemeinde lässt die im Vorjahr gekauften Bunkeranlagen für zivilen Gebrauch umnutzen, obwohl sie diese gar nicht nutzen darf. Das hat aber einen bestimmten Grund.

Hanspeter Thurnherr
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Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Vor wenigen Jahren bot der Bund den Kantonen militärische Anlagen aus dem zweiten Weltkrieg zum Erwerb an. Die St. Galler Regierung zeigte Interesse an den national geschützten Anlagen, um diese Zeitzeugen als militärische Denkmäler und als kulturelles Erbe zu erhalten. Nach Vorstössen im Kantonsparlament war sie bereit, solche Anlagen den Gemeinden oder anderen öffentlichen Korporationen zu überlassen. Diese Möglichkeiten nutzten die Ortsgemeinde und die Alpkorporation Schaneralp, wie der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner sagt.

Die Ortsgemeinde Wartau erhielt nun dieser Tage im ordentlichen Verfahren die Baubewilligung für die Umnutzung verschiedener Bunkeranlagen in zivile Nutzung, ohne dass die Anlagen baulich verändert werden dürfen. «Die Ortsgemeinde hat die Parzellen mit den Bunkeranlagen bereits letztes Jahr gekauft. Diese Parzellen musste die Ortsgemeinde während der Kriegszeit dem Militär abtreten, damit die militärischen Anlagen gebaut werden konnten. Nun wollten wir diese wieder zurückhaben», erklärt Präsident Paul Schlegel.

Die meisten Anlagen liegen ausserhalb der Bauzonen

Nun mussten in einem rein formellen Verfahren die Bauten für zivile Nutzung umgenutzt werden. Trotzdem wird sie die Ortsgemeinde nicht gebrauchen dürfen. Paul Schlegel: «Sie sind Objekte mit militärisch-historischer Bedeutung.» Die Ortsgemeinde Wartau will damit auch verhindern, dass sie irgendwann doch von jemand anderem genutzt werden können.

Gemäss Armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung in Bern, befinden sich rund 90 Prozent der ehemaligen militärischen Bauten ausserhalb der Bauzonen und können deshalb nicht zivil genutzt werden. Zudem entsprechen viele nicht den zivilen Sicherheitsanforderungen, zum Beispiel bezüglich Brandschutz. Deshalb kommen jährlich auch nur rund 20 militärische Immobilien auf den Markt. Sie müssen aber in der Bauzone liegen oder für die Umzonung vorgesehen sein.

Gemeindepräsident Beat Tinner weiss von drei Bunkern, welche in seiner Gemeinde von Privaten für landwirtschaftliche Zwecke gekauft wurden: zwei als Käsekeller, einer als Weinkeller.

Bauten werden öffentlich ausgeschrieben

Solche militärischen Bauten oder Anlagen werden von armasuisse öffentlich ausgeschrieben und an den Meistbietenden verkauft. Aktuell sind vier Bauten im Angebot, darunter ein Wasserkraftwerk im Glarnerland und das Berggasthaus Gurnigel im Kanton Bern. Historisch wertvolle Militärbauten werden aber nach Möglichkeit an Stiftungen oder Vereine verkauft, die sie pflegen, erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

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