WARTAU: Neuer Lebensraum für Amphibien

Der Tankgraben Plattis ist ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet. Um die gefährliche Amphibienwanderung über die Staatsstrasse zum Tankgraben zu unterbinden, soll direkt am Hang ein Ersatzweiher geschaffen werden.

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Der Tankgraben 1 ist ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet. Nach der Realisierung des Ersatzweihers soll er aufgefüllt werden. (Bild: PD)

Der Tankgraben 1 ist ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet. Nach der Realisierung des Ersatzweihers soll er aufgefüllt werden. (Bild: PD)

Vor über 70 Jahren wurde der Tankgraben 1 bei Plattis künstlich angelegt. In jüngster Zeit ist dieses Gewässer stark mit Gehölzen zugewachsen. Als Fischgewässer ist der Tankgraben wegen der Einleitung von belastetem Wasser heute nicht mehr nutzbar (der W&O berichtete). Insbesondere Amphibien dient der Tankgraben 1 jedoch nach wie vor als wertvoller Laichplatz.

Um diesen zu erreichen, müssen die Erdkröten auf ihrer Wanderung jeweils die stark befahrene Staatsstrasse überqueren. Bis anhin wurden die Amphibien von Schülerinnen und Schülern eingesammelt und sicher über die Strasse befördert, wie die Gemeinde Wartau mitteilt. Dieser wertvolle Einsatz sei «aufgrund des starken Verkehrsaufkommens für die Helferinnen und Helfer nicht ganz ungefährlich». Deshalb hat sich die Gemeinde Wartau zum Ziel gesetzt, die heutige Situation für Mensch und Tier zu entschärfen.

Ersatzgewässer an einem idealen Ort

In Zusammenarbeit mit dem kantonalen Tiefbauamt wurden bereits 2008 mögliche Lösungen gesucht und geprüft. Nun steht die Schaffung eines Ersatzweihers Chäshof-Ziegelhütte im Fokus, heisst es in der Mitteilung. Diese Ideallösung sei dank den erfolgreichen Landerwerbsverhandlungen möglich geworden.

Der neue Lebens- und Laichraum für die Amphibien soll im Gebiet Chäshof-Ziegelhütte zwischen Panzersperre, Hangfuss und Fahrweg entstehen. Dieser Ort befindet sich für ein Ersatzgewässer an einem idealen Ort, wie betont wird. «Er ist mitten im Wandergebiet der Erdkröten, und in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein weitläufiger, geeigneter Landlebensraum ohne Strasse.»

Das neue Gewässer werde dem Tankgraben ebenbürtige Bedingungen aufweisen; sowohl was die Fläche als auch die Naturwerte betrifft. Geplant ist eine Wasserfläche von mindestens 2000 Quadratmetern mit einem steilwandigen Bereich am südlichen und westlichen Hangfuss sowie Flachufern im nördlichen und östlichen Teil. Die effektiven Ausmasse des Weihers sind vom Untergrund und Grundwasserstand abhängig. Um die Zuwanderung der Amphibien zum neuen Ersatzgewässer zu sichern, sei es wichtig, dass das Fahrverbot auf dem Vilnasweg ab Recyclinganlage konsequent durchgesetzt wird.

Die Anlage des Ersatzweihers wird direkt mit der Verfüllung des Tankgrabens verknüpft. Der Schutz der Amphibien verlangt aber, dass der Ersatzweiher sowie der Tankgraben während zwei Sommerhalbjahren gleichzeitig als Amphibienlaichgewässer zur Verfügung stehen. In dieser Zeit könnten Tiere teilweise aktiv umgesiedelt werden. Sobald sich eine Amphibienpopulation im neuen Gewässer etabliert hat, kann der alte Tankgraben verfüllt und in eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche umgewandelt werden. Einzig eine randliche Hecke wird bleiben und die Funktion einer Vernetzungsachse gewährleisten. Im Projektbeschrieb ist zudem vorgesehen, dass die Entwicklung des Amphibienbestandes während fünf Jahren überwacht wird.

Positive Haltung der Umweltverbände

Die geplante Umsiedlung der Erdkröten wurde von den Verbänden WWF und Pro Natura positiv aufgenommen. Für die Anlegung des Ersatzweihers wird mit Kosten von rund 432000 Franken gerechnet. In diesem Betrag inbegriffen ist der Landkauf durch die Gemeinde. Nicht enthalten sind die Aufwände für die Verfüllung des Tankgrabens. Dafür wird gemäss Gemeindepräsident Beat Tinner idealerweise eine Verwendung des Aushubs aus dem neuen Ersatzweiher angestrebt.

Der Kanton St. Gallen beteiligt sich über das Strassenbauprogramm mit 60 Prozent an den Kosten. Vorausgesetzt der Kantonsrat stimmt diesem Programm zu. Beat Tinner erläutert auf Anfrage des W&O, dass dies faktisch den Kosten entspricht, welche der Kanton für andere Massnahmen hätte tragen müssen. Der Bau eines festen Leitwerks und Amphibientunnels sei aufgrund der örtlichen Situation als unbefriedigend verworfen worden. Mit weiteren 20 Prozent der Gesamtkosten beteiligt sich das Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Sobald das Baubewilligungsverfahren abgeschlossen ist, wird die Gemeinde Wartau private Geldgeber und Stiftungen angehen, um den Drittfinanzierungsanteil weiter zu erhöhen. Beat Tinner geht davon aus, dass die Gemeinde Wartau so ihren Beitrag an den Gesamtkosten für die Massnahmen auf zehn Prozent reduzieren kann.

Vorgesehen ist ein Baubeginn im Winter 2017/18. Vorausgesetzt werden die Genehmigung des Strassenbauprogramms sowie die ­Erteilung der Baubewilligung. Die Gemeinde Wartau zeigt sich in der Mitteilung überzeugt, «mit dem geplanten Ersatzgewässer den Lebensraum für Amphibien nachhaltig und kostengünstig verbessern und sichern zu können». (ts/pd)