WARTAU: «Emotionale» Einbürgerung

Für Schweizerinnen und Schweizer gelten mildere ­Voraussetzungen bei den Wohnsitzfristen.

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Den Einbürgerungsbeschlüssen der Politischen Gemeinde Wart­au (W&O von gestern) ist zu ent­nehmen, dass ein in Triesen wohnhafter Schweizer Bürger ins Bürgerrecht der Politischen und der Ortsgemeinde Wartau aufgenommen werden soll. Dabei handelt es sich um eine «emotional begründete Einbürgerung», wie Gemeindepräsident Beat Tinner, Präsident des Einbürgerungsrates Wartau, auf Anfrage erklärt.

Der Gesuchsteller André Tschumper, Jahrgang 1970, hat von der Geburt bis 1997 in der Gemeinde Wartau gewohnt und ist in der Weite aufgewachsen. Durch Heirat mit einer liechtensteinischen Staatsangehörigen ist der Gesuchsteller ins Fürstentum gezogen. Er fühlt sich nach wie vor mit der Gemeinde Wartau eng verbunden und möchte sich deshalb hier einbürgern lassen, was der Einbürgerungsrat Wartau befürwortet. Man kenne die familiären Verhältnisse und den Gesuchsteller und habe dies berücksichtigt, sagt der Präsident des Einbürgerungsrates.

Als Schweizer Bürger erfüllt er die Voraussetzungen der Besonderen Einbürgerung, befindet der Einbürgerungsrat Wartau. Im Bürgerrechtsgesetz würden für solche Fälle bewusst keine Wohnsitzbedingungen festgelegt und die Rechtsauslegung stützt sich bei diesem Einbürgerungsentscheid auf Artikel 105 der St. Galler Kantonsverfassung. Dieser räumt Schweizern einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung ein, wenn sie mindestens fünf Jahre in der Gemeinde wohnen. Deshalb gelten im Bereich der Wohnsitzfristen im Verfahren der Einbürgerung für Schweizer mildere Voraussetzungen. In der Praxis wollen teils Frauen, die durch Heirat ihr Bürgerrecht verloren haben, ihr früheres Bürgerrecht wieder er­langen. Der Einbürgerungsrat sieht auch im konkreten Fall mildere Voraussetzungen bei der Wohnsitzfrist als angebracht. (ts)