Wanderwege für alle benützbar

Im Toggenburg gibt es vier Wanderwege, die mit dem Rollstuhl befahrbar sind. In der ganzen Schweiz sind es 66. Der Verein Mobility International Schweiz will die bestehenden Rollstuhlwege auch für Sehbehinderte optimieren.

Yasmin Bleiker
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Früher waren die Wegweiser nur weiss. Im Jahr 2008 sind die grünen Kleber mit den Farben für die Schwierigkeitsgrade der Strecken dazugekommen. Letztes Jahr wurden einige der Wege in das Netz von SchweizMobil aufgenommen. Diese Wegweiser sind nun mit Zahlen und Namen der Wege beschriftet. (Bild: Yasmin Bleiker)

Früher waren die Wegweiser nur weiss. Im Jahr 2008 sind die grünen Kleber mit den Farben für die Schwierigkeitsgrade der Strecken dazugekommen. Letztes Jahr wurden einige der Wege in das Netz von SchweizMobil aufgenommen. Diese Wegweiser sind nun mit Zahlen und Namen der Wege beschriftet. (Bild: Yasmin Bleiker)

TOGGENBURG. Blau, rot und schwarz – so sind die verschiedenen Schwierigkeitsstufen der Rollstuhlwanderwege in der Schweiz angegeben. Mobility International Schweiz, die Reisefachstelle für Menschen mit Behinderung, will die Wege in den nächsten drei Jahren auch für Sehbehinderte optimieren. Derzeit erarbeitet eine Gruppe von zwölf sehbehinderten Personen Kriterien, die dabei beachtet werden müssen. «Sie sagen uns, was für sie wichtig ist», sagt der Geschäftsführer von Mobility International Schweiz, Marcus Rocca. Danach werde der Verein im Bereich der Gelände und der Information aufrüsten. «Wir evaluieren zurzeit Technologien, die sich für unser Projekt eignen könnten, wie zum Beispiel Apps, die den Benutzern den Wegverlauf erklären.» Für Menschen mit einem Handicap bedeuten Ferien oder Ausflüge einen grossen Aufwand. Es ist daher wichtig, dass sie genügend Informationen über den Aufenthaltsort sowie über die geplanten Aktivitäten erhalten.

Weitere Wanderwege

Im Rahmen des Projekts «Ferien für alle» hat Mobility International Schweiz zusammen mit der IG behindertenfreundliches Toggenburg die rollstuhlgängigen Wege initiiert. Seit vier Jahren arbeitet Mobility International Schweiz mit der Stiftung SchweizMobil zusammen. Im Toggenburg hat SchweizMobil vier Wanderwege ins Netzwerk aufgenommen. Es gibt noch zehn weitere Rollstuhlwege, die zwar den Kriterien von Mobility International Schweiz entsprechen, aber nicht denjenigen von SchweizMobil. «Die meisten dieser Wege sind zu kurz, um von SchweizMobil erfasst zu werden», sagt Marcus Rocca.

Genaue Überprüfung

Die hindernisfreien Wege prüft Mobility International Schweiz alle drei Jahre. Für den Unterhalt der Wege sind, wie für alle anderen Wanderwege, Wanderfachorganisationen zuständig. Diese überprüfen die Wege jährlich.

Bevor Mobility International Schweiz einen neuen Weg aufnimmt, fahren Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen gemeinsam mit geschulten Zivildienstleistenden den Weg ab. Dabei wird dieser ausgemessen, und die Tester schätzen die konditionellen Anforderungen ein. Nach vorgegebenen Kriterien werden die Wege in die Schwierigkeitsstufen blau, rot oder schwarz eingeteilt. Wichtig ist dabei nicht nur der Wanderweg selbst, sondern auch der Anreiseweg und die Infrastruktur am Wegrand, wie zum Beispiel rollstuhlgerechte WCs, Restaurants und Attraktionen. Teilstücke eines Weges können anders eingestuft werden. «Es ist wichtig, dass sich die Leute auf die Beschreibung der Wanderwege verlassen können», sagt Susanne Wickli von Toggenburg Tourismus. Wenn zum Beispiel die Steigung nicht korrekt angegeben sei, könne dies für die Rollstuhlfahrer eine erhebliche Schwierigkeit darstellen. Von den hindernisfreien Wegen würde auch ein weiterer Personenkreis profitieren, wie sie sagt. «Für ältere Leute oder Eltern mit Kinderwagen sind die Wege oft eine Erleichterung.»

Toggenburg als Vorreiter

«Ferien für alle» wurde als Pilotprojekt im Jahr 2003 im Toggenburg eingeführt, mit der Vision, Menschen mit einem Handicap hindernisfreie Ferien zu bieten. «Mittlerweile haben sich die hindernisfreien Wege als Teilprojekt von <Ferien für alle> zu einem nationalen Projekt entwickelt», sagt Marcus Rocca. Im Toggenburg seien die Möglichkeiten bezüglich der Wanderungen ausgeschöpft. In der ganzen Schweiz kommen aber laufend Angebote dazu. Mittlerweile gebe es schon 66 hindernisfreie Wege, sagt Rocca. Sie hätten sehr gute Rückmeldungen bezüglich der Wanderwege erhalten. Die etwa 50 000 Aufrufe von hindernisfreien Wegen auf der Internetseite von SchweizMobil bestätige den Erfolg des Projekts. Eine Vision von «Ferien für alle» ist die Integration von behindertengerechten Angeboten in bestehende. «Unser Wunsch ist, dass auch die touristischen Informationen für Gäste mit Behinderungen in Prospektmaterial einfliessen», sagt Rocca.

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