Walter Hess wurde ein Opfer von Hackern

OBERRIET. Der frühere Oberrieter Gemeindepräsident Walter Hess ist ein Opfer von Hackern geworden. Betrüger beschafften sich alle von Hess gespeicherten E-Mail-Adressen und verschickten eine Lügengeschichte, um so zu Geld zu kommen.

Gert Bruderer
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OBERRIET. Der frühere Oberrieter Gemeindepräsident Walter Hess ist ein Opfer von Hackern geworden. Betrüger beschafften sich alle von Hess gespeicherten E-Mail-Adressen und verschickten eine Lügengeschichte, um so zu Geld zu kommen. «Hilfe» heisst es in der Betreffzeile des E-Mails, das sicher 500 Personen erhalten haben. Die Betrüger verfahren nach dem bekannten Muster, indem sie so tun, als wende Hess sich persönlich hilfesuchend an die Empfänger.

Erfundene Geschichte

Am Ende des E-Mails heisst es knapp «Grüsse, Walter». Der Text bzw. die Geschichte, welche die Betrüger den Angeschriebenen auftischen, geht so: «Ich bin nach Südzypern verreist und habe meine Tasche verloren, samt Reisepass und Kreditkarte. Die Botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch für mein Ticket und die Hotelrechnungen zahlen. Leider habe ich kein Geld dabei, meine Kreditkarte könnte helfen, aber die ist auch in der Tasche. Ich habe schon Kontakt mit meiner Bank aufgenommen, aber sie brauchen mehr Zeit, um mir eine neue zu schicken.» Dann kommt die entscheidende Bitte der Betrüger: «Ich wollte dich fragen, ob du mir 1600 Euro via Western Union so schnell wie möglich leihen kannst. Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Ich muss unbedingt den nächsten Flug bekommen, ich warte auf deine Antwort.»

Bei Walter Hess lief am Montagmorgen das Telefon heiss. Dutzende von Anrufen habe er bereits erhalten. Hess konnte die von den Betrügern angeschriebenen Personen nicht von sich aus warnen, weil er zu den gespeicherten E-Mail-Adressen selbst keinen Zugang mehr hatte. Die Hacker hatten alle seine Daten gelöscht. Auf PC, iPad und Handy lief nichts mehr. Walter Hess ist froh, vor kurzem das gemacht zu haben, was immer wieder empfohlen wird: Er hat seine Daten auf einer Festplatte gespeichert, so dass er nicht allzu viele Daten verloren haben dürfte. Die E-Mail-Adressen sind allerdings weg.

Monatlich Anzeigen

Die im Betrüger-E-Mail angegebene Absender-Adresse war tatsächlich die von Walter Hess. Die Hacker dürften sich – wie in solchen Fällen üblich – irgendeines unbekannten Servers im fernen Ausland bedient, aber die richtige Adresse ihres Opfers verwendet haben. Der Polizei ist dieses Vorgehen bekannt. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, sagt, pro Monat gebe es sicher zwei, drei Anzeigen wegen vergleichbarer Fälle.

Die Frage, ob es sinnvoll sei, Anzeige zu erstatten, bejaht Krüsi. Auch wenn das im Moment kaum etwas nützt und die Betrüger sich kaum erwischen lassen, sind aufgrund des E-Mails, das die Hacker verschickt haben, gewisse Rückschlüsse möglich. Es könne sein, sagt Hanspeter Krüsi, dass im Zusammenhang mit anderen ähnlichen Fällen gewisse Parallelen erkennbar seien, die letztlich doch etwas bringen könnten. Obschon das Vorgehen der Betrüger nicht neu sei, schade es sicher nicht, die Öffentlichkeit wieder einmal zu warnen.