WALENSTADT: Gewissheit durch Beobachtung

An der Rothirsch-Hegeschau waren rund 170 Hirschtrophäen zu bestaunen und die Jäger erfuhren neue Aspekte über das Verhalten von Reh- und Rotwild bei erhöhtem Jagddruck und Störungen.

Heidy Beyeler
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Regierungsrat Bruno Damann besuchte die Rotwild-Hegeschau.

Regierungsrat Bruno Damann besuchte die Rotwild-Hegeschau.

Der oberste Jäger, Regierungsrat Bruno Damann, stellte mit Genugtuung fest, dass der Rothirsch zum Tier des Jahres 2017 gewählt wurde. «Für den Rothirsch gibt es im Kanton St. Gallen – trotz einschneidender Eingriffe durch den Ausbau von Verkehrsnetzen – noch geeignete Lebensräume.» Ein Zeichen dafür sind die wachsenden Bestände, die insbesondere bei den Hirschen zu verzeichnen seien.

«Mich persönlich freut es, dass sich der Rothirsch wieder vermehrt verbreitet», sagte Bruno Damman in seiner Begrüssungsansprache. Dabei betonte er, dass das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (Anjf) mit einer sorgfältigen Planung und klar definierten Konzepten, Zielen und Massnahmen für vielfältige und ausgewogene Ressourcen sorgt, damit das Gleichgewicht von Wildbeständen und Lebensräumen erhalten bleibe. Die Regierung wird deshalb die notwendige Biodiversitätsstrategie voraussichtlich im Herbst 2017 verabschieden. «Dazu müssen wir Barrieren an Wegen, welche vom Wild regelmässig benutzt werden, verhindern oder überwinden. Zum Beispiel durch den Ausbau von Ökobrücken und Wildkorridoren.»

Reaktion auf erhöhten Jagddruck

Interessante Erkenntnisse präsentierte Robin Sandfort, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ), Wien, anhand eines Forschungsprojektes zum Thema «Das unsichtbare Wild». Im Mittelpunkt dieser Arbeit standen wesentliche Fragen wie: «Warum wird das Rehwild – trotz steigender Dichte – für den Jäger immer ‹unsichtbarer›? Was bewirkt der Jagddruck in einer Kombination mit veränderter Freizeitnutzung?». Sandfort betonte, dass die Ergebnisse aufgrund von Beobachtungen in Bezug auf das Verhalten der Rehe bei erhöhtem Jagddruck auch auf Rothirsche übertragbar sind.

Das Wild reagiert auf den erhöhten Jagddruck – sei es durch Raubtiere, Jäger oder Freizeitsportler – und entwickelt neue Strategien. Die Tiere versuchen in erster Linie Gefahren zu vermeiden. Damit werden sie für den Jäger und Erholungssuchende zusehends unsichtbar. Man nimmt das Wild kaum mehr wahr und glaubt, die Wildbestände würden schrumpfen. Dem sei aber nicht so. Die Herausforderung für die Jäger sei es, das Verhalten der Wildtiere genau zu beobachten und ihre jagdliche Strategie entsprechend anzupassen, um die Bejagung effizienter zu gestalten und das Wild wieder sichtbar zu machen. In seinen Ausführungen gab er den Jägern erprobte Empfehlungen ab; zum Beispiel Änderung von Jagdzeiten und Jagdruhe sowie Variationen der Jagdmethoden und Standorte. Dabei betonte er aber, dass jedes Jagdgebiet individuell unter die Lupe genommen werden muss, um erfolgreich Veränderungen herbeiführen zu können.

Über den Stand des interkantonalen «Projekts Rothirsch in der Ostschweiz» berichtete Claudio Singer, wissenschaftlicher Projektleiter. Anhand der Bewegungsdaten habe man festgestellt, dass ausgedehnte Wanderungen zwischen den beobachteten Regionen eher selten vorkommen. Die Datenerhebung geht nun zu Ende, die GPS-Halsbänder werden eingesammelt und die Daten in den nächsten Monaten weiter analysiert. Ein ausführlicher Bericht darüber soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden, wie Dominik Thiel, Leiter Anjf ankündigte.

Zum Abschluss der Rothirsch-Hegeschau präsentierte Dominik Thiel die Analyse der Jagdstrecke und gab die Zahlen der Abgänge aus den drei Rotwild-Hegegemeinschaften RHG bekannt; insgesamt wurden – inklusive Fallwild und Hegeabschüsse – 738 Tiere registriert. Die RHG1, zu der das Werdenberg und das obere Toggenburg gehören, verzeichnete 395 Tiere; die RHG2 kam auf 257 Hirsche und die RHG3 auf 81.

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch