Wahlkampfpause am Nationalfeiertag

SVP-Präsident Toni Brunner macht es vor: Der St. Galler Nationalrat hält am morgigen Nationalfeiertag nicht nur eine Rede, sondern gleich zwei: Am Nachmittag tritt er in Diepoldsau vors Mikrophon, am Abend in Krummenau.

Michel Burtscher
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Ein 1.-August-Lampion. (Bild: Donato Caspari)

Ein 1.-August-Lampion. (Bild: Donato Caspari)

SVP-Präsident Toni Brunner macht es vor: Der St. Galler Nationalrat hält am morgigen Nationalfeiertag nicht nur eine Rede, sondern gleich zwei: Am Nachmittag tritt er in Diepoldsau vors Mikrophon, am Abend in Krummenau. Sein Fleiss verwundert nicht, immerhin finden in rund drei Monaten die Eidgenössischen Wahlen statt. Und eine 1.-August-Feier ist eigentlich der perfekte Wahlkampfevent: Man kann sich staatsmännisch zeigen, Heimatliebe bezeugen und spricht im Idealfall erst noch vor einem Publikum, das sich nicht nur aus Anhängern zusammensetzt.

Gar nicht erst angefragt worden

Weniger aktiv als der SVP-Präsident sind die Kandidatinnen und Kandidaten für die beiden St. Galler Ständeratssitze – nämlich fast gar nicht. Ausnahme ist die bisherige FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Sie wird auf dem Pizol auftreten. Damit engagiert sich genau jene Kandidatin, die den Wahlkampf eigentlich am wenigsten nötig hat. Wieso ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten nirgendwo eine Rede halten, hat verschiedene Gründe: Die Grünliberale Margrit Kessler beispielsweise befindet sich in den Ferien in Italien. Der Christdemokrat Thomas Ammann beteiligt sich als Gemeindepräsident an den Festivitäten in seiner eigenen Gemeinde. Für ihn ist das keine verpasste Chance: «Es wird noch andere schöne Anlässe geben, um Wahlkampf zu betreiben.» Andere Kandidaten sind gar nicht erst angefragt worden. Es ist also nicht so, dass sie die Chance für einen festtäglichen Wahlkampfauftritt nicht gepackt haben. Sie haben sie gar nicht erst erhalten haben.

Höchster Schweizer hält Rede

Das ist nicht weiter schlimm: Ersatz gibt es genug. In Rorschach beispielsweise kommt es morgen zu einem Schulterschluss zwischen links und rechts. Der Sozialdemokrat und Nationalratspräsident Stéphane Rossini hält die Festansprache in der Stadt, die von SVP-Ständeratskandidat Thomas Müller präsidiert wird.

In St. Margrethen wird derweil SVP-Übervater und alt Bundesrat Christoph Blocher an der Bundesfeier auftreten. Der St. Galler Regierungspräsident Benedikt Würth spricht in Zuzwil. In Amriswil wird der linke Tausendsassa, St. Galler Kantonsrat und SP-Nationalratskandidat Etrit Hasler, Worte ans Publikum richten. Das hochkarätige Programm in allen Ecken der Ostschweiz ist tröstlich, nachdem die Schweizer Regierung morgen einen grossen Bogen um die Region macht. Die sieben Bundesräte halten Reden überall im Land – sogar in Mailand –, nur in der Ostschweiz nicht.