Wachstum als Schimpfwort

Den Kanton als Wirtschafts- und Produktionsstandort zu stärken, sei das Ziel der Regierung, sagte am Wirtschaftsgespräch Benedikt Würth, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements.

Gert Bruderer
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Schon bei der Besichtigung der Säntis Packaging AG zugegen: Regierungsrat Benedikt Würth, der hier Abteilungsleiter Ruedi Meier zuhört. (Bild: Gert Bruderer)

Schon bei der Besichtigung der Säntis Packaging AG zugegen: Regierungsrat Benedikt Würth, der hier Abteilungsleiter Ruedi Meier zuhört. (Bild: Gert Bruderer)

RÜTHI. Würth weilte drei Stunden im Dorf. Schon bei der Besichtigung der Firma Säntis Packaging AG war er dabei, später referierte er im Werkhof. Die 80 Teilnehmenden hörten, was alles «echli ein Problem» ist oder zum Problem werden könnte. Zum Beispiel sei der Begriff Wachstum in unserem Land bald ein Schimpfwort. Dabei brauchten wir, schon für die Finanzierung der Sozialwerke, ein gewisses Wachstum.

Nötig seien zudem Steuersenkungen für Unternehmen, wenn wir nicht «Probleme mit dem Standort haben wollen». Im Kanton St. Gallen seien von der Unternehmenssteuerreform III rund 1000 Gesellschaften betroffen.

Angst vor «Ecopop-Hammer»

Die vordringliche Hoffnung Benedikt Würths gilt aber der Volksabstimmung von Ende November: Sollten wir nach dem Ja zur Einwanderungsinitiative auch noch der Ecopop-Initiative zustimmen, «wäre das ein ziemliches Debakel». Er hoffe nicht, dass wir auch noch «dä Hammer überchömed», sagte Würth. Die Folgen «würden wir schnell spüren»: Viele Unternehmen, sagte der Regierungsrat, würden verlagern oder abbauen. Das Verhältnis zur EU sei umso wichtiger, als zwei Drittel der Exporte unseres Kantons in den EU-Raum gingen.

Dorf mit neuen Firmen

Mit seinem Besuch in Rüthi berücksichtigte der Regierungsrat ein Dorf, das nicht nur auf starke Firmen mit Tradition zählen kann, sondern das auch laufend Firmen ansiedelt. Eines dieser Unternehmen ist die Gerlinger Industries AG, ein führender Hersteller von Klapper- und Scheuerschutzmanschetten (Schutz für Kabel). Gerlinger baut neben Continental Automotive und wird nach Auskunft von Geschäftsführer Günter Riss am 1. Mai starten.

Kaffeekapseln aus Rüthi

Unter den Betrieben mit hohem Ausfuhr-Anteil ist Gerlinger ein Musterbeispiel, ist die Firma doch zu 100 Prozent exportorientiert. «Wir liefern überallhin, bloss nicht in die Schweiz», meinte Günter Riss, denn hier gebe es keine Automobilindustrie.

Auch die besichtigte Säntis Packaging AG, die Verpackungen für die Lebensmittelindustrie herstellt, exportiert viel. Neben Produkten wie PET-Flaschen oder Joghurtbechern stellt das Unternehmen für zahlreiche Firmen Kaffeekapseln her, deren Anteil am Umsatz gut 30 Prozent beträgt. Gemeindepräsident Thomas Ammann staunte. Er habe gar nicht gewusst, dass mit Säntis Packaging die «weltweit differenzierteste Kaffeekapsel-Herstellerin» in seiner Gemeinde beheimatet sei.