Vorwürfe nicht zu beweisen

Die Anklagekammer lässt keine Verfahren gegen fünf Beamte der St. Galler Stadtpolizei zu. Ihnen wurde vorgeworfen, im Juli 2013 einen Mann misshandelt zu haben. Dafür gebe es keine Beweise.

Andreas Kneubühler
Drucken
Teilen
Die angeblichen Misshandlungen durch Polizisten wurden bei Befragungen von keinem Zeugen konkret bestätigt. (Bild: Reto Martin)

Die angeblichen Misshandlungen durch Polizisten wurden bei Befragungen von keinem Zeugen konkret bestätigt. (Bild: Reto Martin)

ST. GALLEN. Haben fünf Stadtpolizisten im Juli 2013 im Krontal-Quartier den 44jährigen Olaf Wehrli misshandelt und ihm dabei unter anderem den Kopf mehrmals gegen eine Hauswand geschlagen? Diese Vorwürfe standen fast zehn Monate lang im Raum.

«Keine relevanten» Momente

Nun hat die kantonale Anklagekammer entschieden, dass es gegen die Polizisten kein Verfahren geben wird.

Sie hat in einem Ermächtigungsverfahren – das Vorverfahren gibt es nur bei Anzeigen gegen Staatsangestellte – den Sachverhalt beurteilt: Insgesamt hätten die Abklärungen «keine relevanten Verdachtsmomente für tätliche Übergriffe beziehungsweise einen unverhältnismässigen Einsatz von Gewalt durch die Polizei» ergeben. So heisst es im Entscheid, der vor kurzem auf der Homepage des Gerichts veröffentlicht wurde.

Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig. Der Anwalt des Klägers, Andreas Dudli, erklärt allerdings auf Anfrage, dass der Entscheid nicht ans Bundesgericht weitergezogen werde.

Zwei Vorfälle zu untersuchen

Eigentlich sind es zwei Vorfälle, die untersucht werden mussten. In der Nacht auf den 29. Juli 2013 kam es nach den Schilderungen Wehrlis zuerst zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Fahrer eines BMW, danach sei er von Beamten der Stadtpolizei misshandelt worden.

Später sei die Polizei aufgetaucht. Die Beamten hätten seine Angreifer ohne Befragung gehen lassen. Als er sich von den Polizisten nicht habe nach Hause begleiten lassen wollen, sei er geschlagen worden. Er habe Verletzungen am Kopf davongetragen, weiter sei ihm bei der Verhaftung eine Schulter ausgekugelt worden. In einem im August 2013 erschienenen Bericht in der Ostschweiz am Sonntag wurden Augenzeugen zitiert, die die Vorfälle teilweise beobachtet hatten.

Der Anwalt von Olaf Wehrli stellt nun aber fest, dass die Misshandlungen durch Polizisten bei den verschiedenen Befragungen von keinem Zeugen konkret bestätigt worden seien.

Aktuelle Nachrichten