Vorteil für Patienten und Ärzte

Am Vortragsabend der SP zum Thema hausärztliche Notfallpraxis wurde aufgezeigt, dass eine solche Lösung unschätzbare Vorteile für Patienten, Hausärzte und nicht zuletzt für die Notfallstation bieten würde. Zusätzlich könnten Synergien mit dem Spital genutzt werden.

Heidy Beyeler
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Wilfried Oesch, Heidi Hanselmann und Ludwig Altenburger (rechts) freuen sich über den gelungenen Anlass, an dem reichlich diskutiert wurde. (Bild: Heidy Beyeler)

Wilfried Oesch, Heidi Hanselmann und Ludwig Altenburger (rechts) freuen sich über den gelungenen Anlass, an dem reichlich diskutiert wurde. (Bild: Heidy Beyeler)

GRABS. Einführend erklärte Regierungsrätin Heidi Hanselmann, dass das Thema hausärztliche Notfallpraxis im ganzen Kanton diskutiert werde. «Wir müssen die Hausarztmedizin aus dem Blick des Kantons St. Gallen stärken.» Die Werdenberger Hausärzte haben in diesem Zusammenhang bereits eine Projektgruppe gebildet (der W&O berichtete). Erste Evaluationen wurden an die Hand genommen. Details und Organisation zur möglichen Realisierung werden in den nächsten Monaten abgeklärt und ausgehandelt.

Keine «Zäpfli-Anrufe» mehr

Wilfried Oesch, Hausarzt in Gommiswald (Linthgebiet), war die treibende Kraft zur Einführung der ersten hausärztlichen Notfallpraxis in einem Regionalspital im Kanton St. Gallen. Die Realisierung der Notfallpraxis am Spital Linth erfolgte – nach zweijähriger Überzeugungsarbeit – im Herbst 2013. Von diesem Zeitpunkt an entfiel der kräfteraubende Notfalldienst der Hausärzte. Wenn man nachts um zwei Uhr geweckt werde, weil eine besorgte Mutter anruft, die wissen will, ob sie ihrem Kind mit 40 Grad Fieber ein Zäpfchen geben darf, sei danach meist nichts mehr mit Tiefschlaf. Und das obwohl der Arzt morgens wieder früh aus den Federn muss. Das sei kräfteraubend gewesen, weil früher ein Arzt eine ganze Woche lang – von Montag zu Montag – Notdienst leistete.

«Irgendwann haben wir nicht mehr eine ganze Woche lang 24-Stunden-Bereitschaft gehabt, sondern nur noch tageweise und irgendwann konnten wir auch die Nächte abgeben. Von 22 bis 7 Uhr gingen die Telefonanrufe direkt zum Notfalldienst im Spital.» Die «Zäpfli-Anrufe» fielen weg. Das sei schon eine grosse Erleichterung gewesen.

Verbesserte Zusammenarbeit

Die erste hausärztliche Notfallpraxis in der Schweiz wurde 2008 in Baden eröffnet. Inzwischen werden an etlichen Spitälern in der ganzen Schweiz Notfallpraxen betrieben – teils mit unterschiedlichen Konzepten, angepasst an die regionalen Bedürfnisse und Gegebenheiten.

Weil sich die Notfallpraxis im Spital befindet, seien Synergieeffekte gut spürbar, zumal die Hausärzte die Infrastruktur des Spitals nutzen und ihnen eine Medizinische Praxisassistentin zur Verfügung gestellt wird. Zudem wurde die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Spitalärzten wesentlich gestärkt, was wiederum den Patienten zugute kommt.

Im Linthgebiet teilen sich 20 Hausärzte mit 13 Vollzeitpensen den Notfalldienst. Die MPA sind in zwei Schichten – von 8 bis 22 Uhr vor Ort. Die Hausärzte machen einen 24-Stunden-Dienst: von 7 bis 18 Uhr in der eigenen Praxis, von 18 bis 22 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztags in der Notfallpraxis und ab 22 bis 7 Uhr Pikettdienst von zu Hause aus. Für notwendige Hausbesuche stehen die diensthabenden Hausärzte jederzeit zur Verfügung.

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