Vorbeugen als eine Investition

Die Sozialversicherungsanstalt (SVA) lud Arbeitnehmer zu Referaten ein: Was kann getan werden, um Invalidität vorzubeugen? Wie können Betroffene rasch wieder in den Arbeitsalltag integriert werden?

Heinz Heuberger
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Wilhelm Schmid bei den Erklärungen zur Lebenskunst.

Wilhelm Schmid bei den Erklärungen zur Lebenskunst.

FLUMS. «Vorbeugen ist besser als heilen». So lapidar diese Kurzformel tönt, sie trifft den Nagel auf den Kopf. Rund 150 Interessierte waren der Einladung der SVA in die Flumserei gefolgt. Die Schicksale, die sich hinter einer Invalidität verstecken, sind die eine Seite der Medaille, die ökonomischen Auswirkungen die andere. Invalidität kann physische oder psychische Ursachen haben.

Die letzteren standen besonders im Fokus der männlichen Redner. Den philosophischen Überbau lieferte Prof. Wilhelm Schmid, Lebenskunstphilosoph, während Dr. med. Thomas Meier, Chefarzt Psychiatrie- Dienste Süd, Pfäfers, und Roswitha Hess, Geschäftsführerin der Rheumaliga St. Gallen, Graubünden und Fürstentum Liechtenstein, aus dem praktischen Fundus ihres beruflichen Alltags schöpften.

Gelassenheit finden

Für Prof. Schmid ist Lebenskunst die bewusste Lebensführung. Er gliedert dabei das menschliche Leben in fünf Phasen oder Lebensabschnitte. An ihren Schnittstellen kann es zu Brüchen im Denken und Handeln kommen. Schmid unterstrich in diesem Zusammenhang, dass wir Lebenskunst sowohl in guten wie in schlechten Zeiten (Krankheit) brauchen. Gelassenheit gegenüber unausweichlichen Dingen des Lebens war eine weitere Empfehlung Schmids. Diese Gelassenheit braucht es insbesondere in den letzten Phasen des Lebens, wenn der Mensch mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wird. Wie man zur Gelassenheit gelangen kann, zeigte Schmid am Beispiel von zehn Schritten.

Melancholie keine Depression

Schmid, ein glänzender Rhetoriker, ausgestattet mit feinem Humor, zeigte Zusammenhänge auf und scheute sich nicht, tabuisierte Themen zu hinterfragen. So darf eine Depression nicht mit einer Melancholie verwechselt werden. Bei der Melancholie brauchen die davon Befallenen Menschen als Hilfe und keine Medikamente.

Die wohl brennendste Frage jedes Menschen dreht sich um die Zukunft nach dem Tod. Fällt man in ein schwarzes Loch oder geht es unter anderen Vorzeichen weiter? Für Schmid ist Seele Energie, und Energie kann nicht vernichtet, sondern nur umgewandelt werden. Eine recht tröstliche Feststellung.

Weg zur psychischen Gesundheit

Was trägt überhaupt zur Gesundheit und Zufriedenheit bei, und wie wirken diese Faktoren präventiv? Diese Fragen stellte Dr. Thomas Meier, Chefarzt der Psychiatrie-Dienste Süd, Pfäfers, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Für Meier ist dabei unabdingbar, dass man einen guten Bezug zu sich selber hat, sich im eigenen Körper wohlfühlt, seinem Leben einen Sinn gibt, in der Gegenwart lebt, anstehende Probleme löst, soziale Netzwerke pflegt und Belastungssituationen rechtzeitig erkennt. Fast schon philosophisch war eine weitere Aussage Schmids, die lautete, Dinge, die sich nicht ändern lassen, als solche anzunehmen.

Doch wie fühlt man sich im eigenen Körper wohl? Dazu muss man, so Schmid, genügend Flüssigkeit aufnehmen, sich ausgewogen ernähren und ganz besonders wichtig, sich mit viel Bewegung fit halten. Fast selbstverständlich war die letzte Forderung Schmids. Wenn immer möglich, Schädliches vermeiden respektive von sich fernhalten.

Arbeit – Teil unseres Lebens

Einen grossen Stellenwert im Leben eines Menschen hat die Arbeit. Sie nimmt einen bedeutenden Teil unseres Lebens ein. Sie schafft Beziehungen sowie das Gefühl des Dazugehörens. Sie kann sinnstiftend, erfüllend und bestätigend erlebt werden. Allerdings können gewisse Arbeitsbedingungen auch krank machen, zeigte Meier an einigen Beispielen. Von da ist es dann nicht mehr weit zur Stress-Anfälligkeit. Meier gab den Anwesenden einige Tips zur Vermeidung negativer Erscheinungen mit auf den Weg.

Thomas Meier schöpfte aus seinem beruflichen Fundus. (Bilder: Heinz Heuberger)

Thomas Meier schöpfte aus seinem beruflichen Fundus. (Bilder: Heinz Heuberger)