«Von Streit zu reden ist falsch»

Den einen ging die Einigung um die Tarife der Bergbahnen im Obertoggenburg zu lange, andere zeigen absolutes Verständnis für die Verhandlungen. Alle sind jedoch froh, dass es eine gemeinsame Tageskarte gibt.

Alexandra Gächter/Beat Lanzendorfer/Martin Knoepfel
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Mit einer Skikarte im gesamten Obertoggenburg Ski fahren: Dieser Entschluss freut Hoteliers, Touristiker und Politiker. (Bild: pd)

Mit einer Skikarte im gesamten Obertoggenburg Ski fahren: Dieser Entschluss freut Hoteliers, Touristiker und Politiker. (Bild: pd)

WILDHAUS/ALT-ST. JOHANN. Noch bevor der Tarifstreit zur Seite gelegt wurde, reagierte Hotelière Petra Federer-Beutler. Für die Wintersaison bot sie ihren Hotelgästen eine Übernachtungspauschale inklusive Wintersport an (W&O vom 30. Oktober). Andere konnten nicht sofort handeln und mussten auf die Einigung warten. Umso erfreuter sind sie, dass diese nun erfolgt ist.

Karl Alpiger, Besitzer des gleichnamigen Sportgeschäfts und ehemaliger Skirennfahrer, sieht die Einigung der Bergbahnen als sehr positiv. «Es wäre für mich schlichtweg unbegreiflich gewesen, wenn sie sich nicht geeinigt hätten. Gott sei Dank ist es anders gekommen. Gäbe es zwei Tageskarten, hätte sich das negativ auf das Obertoggenburg ausgewirkt.»

Lieber eine Parkplatzgebühr

Die Preiserhöhung der Tageskarte findet Alpiger eine heikle Entscheidung. Einerseits ist er der Meinung dass die Erhöhung der Tageskarte von zwei Franken (Wochentage) und fünf Franken (Wochenende) wegen der Investitionen gerechtfertigt sei, andererseits sei eine Erhöhung der Preise für das grenznahe Euro-Gebiet gefährlich. «Die Frage ist ja nicht, ob wir hier im Toggenburg die Preiserhöhung verstehen, sondern ob der Gast sie akzeptiert», so Alpiger. Er hätte die Tageskarten beim alten Preis belassen und stattdessen fünf Franken für den Parkplatz verlangt. Konsumenten jeglicher Art sind gewohnt, dass Parkplätze etwas kosten. In Buchs, in Sargans, in allen Städten und auf der Voralp muss man für einen Parkplatz zahlen. Meiner Meinung nach wird das eher akzeptiert als eine Preiserhöhung. Der Wintersaison sieht Alpiger positiv entgegen. «Ich freue mich auf viel Schnee und viele Besucher. Wenn im Winter tolle Schneeverhältnisse herrschen, kann dies die Preiserhöhung abfedern.»

Es dauerte lange

Für Martin Lusti, Präsident Schneesport Churfirsten (SSC) Toggenburg, bedeutet die Einigung im Tarifstreit eine grosse Erleichterung, wie er sagt. Es wäre ansonsten für den Wintersportverein ein schwieriges Jahr geworden. «160 Kinder trainieren im SSC Toggenburg. Da die Kinder verschiedene Wintersportarten auf verschiedenen Leistungsstufen praktizieren, sind sie auf beide Skigebiete angewiesen. Es wäre nicht tragbar gewesen, wenn wir den Eltern hätten sagen müssen, dass sie nun zwei Saisonkarten für ihr Kind benötigen.» Negativ ist für Martin Lusti nur, dass es so lange gedauert hat. Er sagt, er blicke positiv in die Zukunft, sofern die Bergbahnen künftig anders kommunizieren.

Das Wort Streit ist falsch

«Ich als Hotelier bin sehr erleichtert, dass nun eine Einigung vorliegt», sagt Roland Stump von Stump's Alpenrose, Wildhaus. «Das macht es mir möglich, meinen Gästen ein Angebot zu machen, wie es sich der Gast gewöhnt ist, nämlich ein Billett für das ganze Skigebiet.»

Stump betont, dass für ihn das Wort «Streit» falsch ist. «Das sind Tarifverhandlungen. Wenn es ans Eingemachte geht, wird laut verhandelt. Von Streit zu reden, ist völlig verfehlt.» Er zeige absolutes Verständnis für die beiden Bergbahnen. Es sei vernünftig zu verhandeln, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist. «Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass mit der Einigung nun die Basis für eine prosperierende Zukunft für die Region gelegt wurde.» Bereits jetzt kann Roland Stump viele Gäste empfangen, welche von dem neuen Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg und den weiteren Ausbauplänen beider Bergbahnunternehmen begeistert sind.

Im Gespräch bleiben

Auch Max Nadig ist sehr erfreut, dass es nach langen Verhandlungen zu einer Einigung im Bergbahnstreit gekommen ist, «noch rechtzeitig vor dem Winter», wie er betont. «Die Einigung lässt uns zusammen mit den geplanten Investitionen eine gute Wintersaison erwarten», sagt der Präsident von Toggenburg Tourismus. Die Einigung der Bergbahnen gilt ja nur für die Wintersaison. Er freue sich jetzt erst einmal über das Erreichte, das er als gute Grundlage für weitere Gespräche beurteile, antwortete Max Nadig auf die Frage, was geschehen müsse, damit auch eine Lösung für die Sommersaison gefunden werde: «Man muss in konstruktiven Gesprächen bleiben, damit wir die Destination weiterentwickeln können», sagt er.