Von Entscheiden und Emotionen

Dass Begeisterung und Freude an der Herausforderung Triebfedern für Spitzenleistungen auf Topniveau sind, machten Bernhard Heusler, Philippe Gaydoul und Carla Del Ponte gestern abend am Wirtschaftsforum in Vaduz deutlich.

Thomas Schwizer
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Engagiert und erfolgreich: Carla Del Ponte, Bernhard Heusler und Philippe Gaydoul (von links) plädierten gestern abend für aktives Handeln statt eines rückwärts gerichteten Jammerns.

Engagiert und erfolgreich: Carla Del Ponte, Bernhard Heusler und Philippe Gaydoul (von links) plädierten gestern abend für aktives Handeln statt eines rückwärts gerichteten Jammerns.

VADUZ. Zufrieden und satt sein ist eine grosse Gefahr im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik und in der Justiz. Dann vergesse man das Vorausschauen, das Agieren, und man laufe Gefahr, nicht mehr an der Spitze zu sein. Diese Botschaft wurde gestern abend von den drei Referenten an der 15. Wirtschaftstagung im Spoerry-Areal verbreitet.

Vertrauen bringt Selbstvertrauen

Seit 2012 amtet Bernhard Heusler als Präsident des FC Basel, Serienmeister und in den letzten Jahren mit Abstand erfolgreichster Schweizer Fussballclub. Das wichtigste Fundament für den Erfolg sei das Vertrauen in den Trainer und die Spieler. «Denn aus Vertrauen wird Selbstvertrauen», sagte Heusler.

Fussball sei das Spiel, das die Massen fasziniere – und ein Milliardengeschäft, was der FCB-Präsident auch kritisch kommentierte. International gesehen habe der FCB ein bescheidenes Budget, weil beispielsweise in England die TV-Einnahmen für die Clubs exorbitant seien. Ohne vorausschauende Entscheide wäre der gewinnbringende internationale Erfolg für Basel nicht möglich, betonte er.

Dazu gehöre auch das «Gewinnen» der richtigen Spieler. Sie müssten ins Team passen, gut integrierbar sein. «Wir suchen die beste Elf, nicht die elf Besten.» Die Clubführung müsse vorangehen, um das Team weiter zu entwickeln. Dazu gehörten auch Personalentscheide in einer unsicheren Situation. Intelligenz, Speed und Effizienz seien im Fussball entscheidend, aber auch in der Wirtschaft.

«Mittelmass reicht nicht»

Philippe Gaydoul, Ex-Denner-CEO und heute Chef der Gaydoul Group AG mit Unternehmen aus verschiedenen Genres, stimmte Heusler zu. «Mittelmass reicht nicht», betonte er. Die Frankenstärke sei zwar schwierig für Detailhandel und Wirtschaft in der Schweiz. Sie sei aber kein Grund zum Jammern, sondern eine Herausforderung, Die Kosten müsse ein Unternehmen in guten und weniger guten Zeiten im Griff haben. Die Dienstleistungsnation Schweiz müsse besser dienen lernen. Der Detailhandel verkaufe über Emotionen.

Der wirtschaftliche Erfolg habe die Schweiz auch satt gemacht. Jetzt müsse sie sich wieder mehr in den Hintern «chlübe». Bei Bankgeheimnis und Frankenstärke habe man die Entwicklung gesehen, aber das Motto habe «abwarten und erschrecken» gelautet. «Wir dürfen nicht feige sein, müssen rascher entscheiden und handeln.» Liechtenstein habe das mit der Neuausrichtung des Finanzplatzes positiv vorgemacht.

Im Interview mit Yves Hollenstein, Chefredaktor von «Wirtschaft regional», gab Gaydoul auch viel Persönliches preis. Er ärgere sich, wenn etwas nicht so laufe wie es sollte – «meistens aber über mich selbst». Der Wahlsieg der rechten Parteien passt ihm, aber sie müssten nun das Vertrauen rechtfertigen. Dafür reichten die Themen EU und Asyl allein nicht aus.

Im Krieg verüben alle Verbrechen

Carla Del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des UN-Sondertribunals gegen Kriegsverbrechen, zeigte auf, wie die internationale Justiz und die Politik ineinander greifen. Politischer und finanzieller Druck würden helfen, dass Kriegsverbrecher ausgeliefert werden – aus Ex-Jugoslawien waren es insgesamt 161. Letztlich könne die internationale Justiz nur etwas erreichen, wenn das betreffende Land selbst das wolle.

In jedem Krieg verübten alle Beteiligten Kriegsverbrechen, stellte sie aus ihrer achtjährigen Erfahrung beim UN-Tribunal fest. Das gelte auch für den tragischen Konflikt in Syrien. Del Ponte zeigte sich schockiert darüber, «wie die reichen Länder in Europa sich schwer tun, den Flüchtlingen Hilfe zu bieten, die fliehen müssen, um ihr Leben zu retten».

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