Von Cecilia Bartoli inspiriert

Die junge Sängerin Anna Gschwend steht zum siebten Mal auf der Bühne der Schloss-Festspiele. Musik begleitete die Buchserin ein Leben lang, doch erst bei der vierten Opernproduktion entschied sie sich, Sängerin zu werden.

Alexandra Gächter
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Anna Gschwend in ihrer ersten Opernrolle als Barbarina in «Figaros Hochzeit». Aufgeführt von den Schloss-Festspielen im Jahr 2010. (Bild: Bruno Seifert)

Anna Gschwend in ihrer ersten Opernrolle als Barbarina in «Figaros Hochzeit». Aufgeführt von den Schloss-Festspielen im Jahr 2010. (Bild: Bruno Seifert)

BUCHS. Die noch junge, aber steile Karriere der Sängerin Anna Gschwend ist seit Dienstag um einen Höhepunkt reicher. Von der Zürcher Hochschule der Künste in Zürich (ZHdK) erhielt sie das Doppeldiplom Master of Arts in Musikpädagogik in klassischem Gesang und in Viola. Sie bestand mit Auszeichnung, also der Note 6, wie schon zuvor den Bachelor. Dabei ist es bereits aussergewöhnlich, dass sie ein Doppelstudium mit zwei Instrumenten belegen durfte – sie ist die einzige in ihrem Studiengang, die von der ZHdK diese Ausnahmebewilligung erhielt.

Mit aussergewöhnlichen Leistungen machte die Buchserin schon früher auf sich aufmerksam. Zum Beispiel an der Kanti Heerbrugg, an der sie zwei Jahre vor ihrer Maturaprüfung vom Schwerpunktfach Geige zum Gesang wechselte und trotzdem auf Anhieb bestand. Oder bei den Schloss-Festspielen, an denen sie im Jahr 2010 eine Solistenrolle in der Oper «Figaros Hochzeit» erhielt, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ihr Gesangsstudium noch gar nicht abgeschlossen, geschweige denn begonnen hatte. «Sie suchten eine junge Frau und ich war jung», sagt Anna Gschwend. Und fügt an: «Ich war überrascht, dass ich die Rolle erhielt und habe mich sehr darüber gefreut.» Fünf Jahre später darf sie bereits auf zahlreiche Wettbewerbspreise und Meisterkurse sowie auf verschiedene Rollen in Opern zurückblicken.

Violinunterricht mit drei Jahren

Musik begleitete die 25-Jährige von Kindesbeinen an. Ihre ganze Familie ist musikalisch, spielt Instrumente. «Als Jüngste schaut man natürlich bei den älteren Geschwistern ab. Und da meine älteste Schwester Violine spielte, wollte ich das auch tun.» Anna Gschwend war drei Jahre alt, als sie ihre erste, kleine Geige in den Händen hielt. Fortan bekam sie Violinunterricht. Ab der Primarschule lernte sie an der Musikschule Liechtenstein zusätzlich Viola und sang im Kinderchor der Musikschule Werdenberg. «Meine Mutter leitete den Chor, so war es naheliegend, dass ich dort teilnahm.»

Mit dem Kinderchor durfte sie ihre ersten Erfahrungen bei den Schloss-Festspielen sammeln. «Mit neun Jahren trat ich bei der Oper Carmen auf.» Drei Jahre später sang sie im Jugendchor, nochmals drei Jahre später, mit 15, im Erwachsenenchor.

Das Freifach Gesang lockte

Doch nie dachte sie daran, Sängerin zu werden. «Tiermedizinerin war mein Wunschberuf», sagt Gschwend. Nach der obligatorischen Schulzeit entschied sie sich für das Musikgymnasium Feldkirch mit Schwerpunktfach Violine. Zwei Jahre später wechselte sie dann an die Kanti Heerbrugg. Und dort lockte das Freifach Gesang. Sie war 18 Jahre alt und bereits zum vierten Mal bei den Schloss-Festspielen als Chorsängerin dabei als die Opernsängerinnen eine Faszination auf sie auszuüben begannen. So sehr, dass sie für ihr Idol Cecilia Bartoli nach Zürich zu einem Konzert fuhr und als Besucherin der Vorführung «vor Nervosität fast gestorben wäre». Kurz darauf spielte sie mit dem Gedanken, selbst Sängerin zu werden, fuhr kurzerhand zur ZHdK, um vorzusingen. Ihre Stimme gefiel und so begann sie nach der Matura im Jahr 2010 mit ihrem Gesangsstudium.

Im August wird Anna Gschwend bei den Schloss-Festspielen bereits in ihrer dritten Solistenrolle zu sehen und zu hören sein. In «Die verkaufte Braut» spielt und singt sie die Esmeralda. Auf der Schloss-Festspiel-Bühne fühlt sie sich zu Hause, dort ist sie «gross geworden», die Atmosphäre ist familiär, wie sie sagt. «Ich bin immer willkommen und fühle mich dort sehr gut aufgehoben. Zudem durfte ich viel vom Erfahrungsschatz der anderen profitieren», präzisiert Anna Gschwend.

Nach den Schloss-Festspielen wird die Buchser Sängerin weiter an ihrer Karriere feilen. Bis Ende Jahr gibt sie Konzerte und unterrichtet Privatschüler. Nächstes Jahr möchte sie ins Ausland reisen, um sich weiterzubilden und weitere Erfahrungen zu sammeln.