Vom Schnee und anderen Gaben

Im Winter erwarten wir, dass Schnee vom Himmel fällt, gratis und franko und im richtigen Mass. Zum Thema wird der Schnee vor allem dann, wenn er ausbleibt und die Skigebiete mit grossem Aufwand Kunstschnee produzieren.

Pfarrer Richard Aebi, Sevelen
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Im Winter erwarten wir, dass Schnee vom Himmel fällt, gratis und franko und im richtigen Mass. Zum Thema wird der Schnee vor allem dann, wenn er ausbleibt und die Skigebiete mit grossem Aufwand Kunstschnee produzieren.

Regen und Schnee fallen vom Himmel her zu. Auch im Leben fällt uns so manches zu, das wir nicht selber machen können: Wasser, Luft und Sonnenschein, ein schönes und geordnetes Land, Freundschaft und Liebe, Gesundheit und vieles mehr. Auch geregelte Arbeit und Wohlstand nehmen wir als selbstverständlich, und erst wenn etwas fehlt, beklagen wir den Mangel. «Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt», hat schon der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer geschrieben.

Fehlt der Schnee, dann helfen auf den Pisten die Schneekanonen. Was aber hilft, wenn die Liebe fehlt? Wenn die Zeit und der Respekt für den Nächsten nicht mehr da ist? Und wenn Menschen vor Krieg und Hunger fliehen?

Kanonen helfen da nicht. Liebe, Freundschaft und Solidarität können wir nicht künstlich produzieren. So gibt es viele Gaben, die geschenkt sind. Die vom Himmel her zufallen.

Eine uralte Tradition des christlichen Glaubens ist der Sonntag. Er unterbricht die Hektik des Alltags und möchte Zeit und Raum schenken. So lädt er ein zu Besinnung auf das, was wesentlich ist im Leben, und auf das, was vom Himmel her zufällt. Ob wir dankbar sind für die Gaben des Lebens oder alles als selbstverständlich hinnehmen, das ist jedem selber überlassen. Sicher aber ist, dass der dankbare Blick nach oben eine reiche Quelle ist für Glück und Zufriedenheit, für Trost und Zuversicht, und auch für Liebe, Respekt und Solidarität. Nun ist es schon fast wieder Geschichte, das schöne Weiss im Tal. Wenn dann einst die nächsten Flocken fallen, mögen sie daran erinnern, dass nicht nur der weisse Schnee, sondern auch so manches, das das Leben reich macht, ein Geschenk vom Himmel her ist.

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