Vom einstigen Viehzüchter zum Gemüseproduzenten

SENNWALD/GAMS. Beni Dürr mag Gemüse und hat ein gutes Gespür dafür, was der Markt braucht. Er ist Landwirt, Unternehmer und Musiker zugleich. Man könnte die Reihenfolge auch umdrehen: Beni Dürr ist Musiker, Unternehmer und Landwirt. Der Unternehmer steht immer in der Mitte.

Heidy Beyeler
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Der Romanesco-Kohl gedeiht im Rheintal hervorragend, so dass dieses Gemüse nicht aus dem weiten Ausland importiert werden muss, und darüber freuen sich Ursula, Beni Dürr und ihre Partner. (Bild: Heidy Beyeler)

Der Romanesco-Kohl gedeiht im Rheintal hervorragend, so dass dieses Gemüse nicht aus dem weiten Ausland importiert werden muss, und darüber freuen sich Ursula, Beni Dürr und ihre Partner. (Bild: Heidy Beyeler)

SENNWALD/GAMS. Beni Dürr mag Gemüse und hat ein gutes Gespür dafür, was der Markt braucht. Er ist Landwirt, Unternehmer und Musiker zugleich. Man könnte die Reihenfolge auch umdrehen: Beni Dürr ist Musiker, Unternehmer und Landwirt. Der Unternehmer steht immer in der Mitte. Und neuerdings ist er auch noch Autor des kürzlich erschienenen Buches «Faszination Gemüse – vom Acker bis zum Teller». Die wunderschönen Aufnahmen im Buch sind das Resultat von einem guten Blick und den einfühlsamen Einstellungen der Linse von Fotografin Elisabeth Dürr, Tochter von Beni und Ursula Dürr.

Betrieb umgekrempelt

Beni Dürr war gerade mal 26 Jahre alt, als er nach seiner Ausbildung zum Agro-Ing. HTL vor 30 Jahren den elterlichen Betrieb übernahm. Sein Vater war Viehzüchter, und Beni Dürr hat diese Passion von ihm übernommen. Allerdings stellte er bald einmal fest, dass er den Betrieb, um ihn rentabel zu gestalten, optimieren musste. Er reduzierte den Viehbestand und rationalisierte Arbeitsabläufe in Zusammenarbeit mit anderen Landwirten. Das verschaffte ihm mehr Luft, um ein zweites Standbein anzugehen. Es zeigte sich schnell, «dass die Chancen für einen aufstrebenden Jungbauer nicht in der Tierhaltung und schon gar nicht in der Viehzucht lagen», schreibt Beni Dürr in seinem Buch «Faszination Gemüse». «Übergeregelte Rahmenbedingungen für die Tierproduktion erlaubten kaum unternehmerische Freiheit und Kreativität.»

Mit im Boot für eine Neuorientierung hatte er seine Frau Ursula. Der erste Schritt hin zur Gemüseverarbeitung wurde bereits vier Jahre nach der Hofübernahme gewagt. Mit dem Dämpfen von Randen in einem alten Sudhafen hat alles angefangen. Später wurde der Sudhafen durch eine leistungsfähige Dämpfanlage ersetzt und ein Vakuumiergerät angeschafft. Weiter habe man mit aller Konsequenz Möglichkeiten im Spezialpflanzenbau ausgelotet.

Während zehn Jahren – von 1984 bis 1994 – «haben wir fast sämtliche Gemüse und ebenfalls viele verschiedene Beerensorten bis hin zu Minikiwis ausgetestet»; teilweise mit unterschiedlichem Erfolg. Mit der zehnjährigen Experimentier- und Pionierphase sei aber 1996 schliesslich der Grundstein zur Gründung der Verdunova gelegt worden. Heute verfügt die Verdunova über modernste Anlagen, mit denen das Gemüse schonend blanchiert und anschliessend konserviert bzw. tiefgefroren wird.

Beim Schopf gepackt

Leicht ist es der Familie Dürr nicht gefallen, ihre letzten 14 Kühe zu verkaufen und sich definitiv von der Nutztierhaltung zu verabschieden. Der letzte Anstoss muss wohl der Nachbar gegeben haben, als dieser beschloss, einen neuen Kuhstall zu bauen. «Wir nutzten die Gelegenheit, um dem Nachbarn unsere Stalleinrichtungen, unseren Melkstand, unseren Heukran und natürlich auch unsere Kühe zu verkaufen.» Der Trennungsschmerz sei verkraftbar gewesen, weil er anfänglich noch häufig beim Melken im Stall des Nachbars aushelfen konnte, erinnert sich Beni Dürr an die Umbruchphase.

Das war 1996. Bereits drei Jahre später, 1999, kamen die ersten Bestätigungen für Beni Dürr, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die Verdunova wurde damals gleich zweimal ausgezeichnet: Mit dem Anerkennungspreis von Agro-Marketing Schweiz und dem Innovationspreis der Agrex St. Gallen.

Der Erfolg gibt ihm recht. In den vergangenen drei Jahren konnte das Unternehmen den Umsatz verfünffachen. Inzwischen wurde ein weiteres Unternehmen, die Conorti AG, gegründet. Die drei Firmen Beni Dürr Landwirtschaft, Verdunova AG und Conorti AG sind allesamt mehrheitlich im Besitze der Familie und von Freunden.

Tüftler, kreativer Kopf, Musiker

Beni Dürr gilt als Tüftler und als kreativer Kopf der Unternehmung. Als Agronom beobachtet er den Markt sehr genau, um zu wissen, was die Konsumenten wünschen und bevorzugen; dabei kommt ihm seine Kreativität zugute. Er unternimmt immer wieder Versuche und experimentiert mit neuen Gemüse- und Früchtesorten, die in der fruchtbaren Region Rheintal besonders gut gedeihen.

Dass Beni Dürr auch noch für seine sechs Mann starke Band «Midlife Jazz-Band» Zeit findet, zeugt von gutem Zeitmanagement und natürlich von der grossen Lust zur Kreativität. Vielleicht schöpft er gerade aus der Musik die Energie und die Ideen für einen innovativen, erfolgreichen Betrieb. Womöglich verleiht ihm das Musizieren sogar Flügel.

Und wieso hat er das Buch «Faszination Gemüse» herausgegeben? «Ich wollte wieder einmal etwas mit einer meiner vier Töchter machen. Und weil Elisabeth hervorragend fotografiert und ein gestalterisches Flair besitzt, lag es nahe, dieses Buch als Gemeinschaftswerk zu machen.» Übrigens, Elisabeth Dürr steht dem frischen, regional produzierten Gemüse nahe. Sie ist nämlich ausgebildete Ernährungsberaterin.