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Vom Bauern zum Konsumenten

Im letzten Jahrhundert gab es in der Raumplanung, Ortsentwicklung und dem Einkaufsverhalten tiefgehende Strukturwandel. Diese wurden gestern, am letzten Abend der Vortragsreihe «Nachbarschaft am Alpenrhein», beleuchtet.
Stephan Agnolazza
Die Vortragenden Florin Frick, Carolin Krumm, Susanne Keller-Giger und Christoph Merki (von links). (Bild: Tatjana Schnalzger)

Die Vortragenden Florin Frick, Carolin Krumm, Susanne Keller-Giger und Christoph Merki (von links). (Bild: Tatjana Schnalzger)

GAMPRIN. Es ist einer dieser Momente, wo fast ein jeder gleich reagiert. Wer zwei Dorfbilder aus verschiedenen Jahrzehnten – zum Beispiel aus den Jahren 1950 und heute – betrachtet, dem fallen die beträchtlichen Unterschiede sofort ins Auge. Die Zahl der Häuser hat sich vervielfacht, ganze Dörfer sind zusammengewachsen und von den Grünlandschaften kann man heute nur noch träumen. Es überrascht deshalb nicht, dass manch einer beim Betrachten solcher Bilder melancholisch an die «gute alte Zeit» denkt.

Dorfbilder verschwinden

Im ersten Teil des Abends stand die Orts- und Siedlungsentwicklung der Gemeinden Wartau sowie Schaan, Vaduz und Planken im Mittelpunkt. Kunsthistorikerin Carolin Krumm zeigte anhand der Wartauer Gemeinde Fontnas eindrücklich auf, wie die Ortsentwicklung seit dem 19. Jahrhundert stattgefunden hat und wie Dorfgrenzen die Ansiedlung massgeblich beeinflussten. Heute gehört das Ortsbild Fontnas zum «Inventar schützenswerter Ortsbilder», ist aber – wie viele andere Orte in der Schweiz auch – im Begriff, dieses zu verlieren. Sie plädierte deshalb, vermehrt auf das Ortsbild zu achten: «Bauen ist eine öffentliche Angelegenheit. Heute sollte man so bauen, dass man zukünftig nicht mit Wehmut auf alte Bilder blickt.»

Von einer zu zwei und zurück

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bildeten Vaduz, Schaan und Planken zusammen eine Marktgenossenschaft, erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden es eigenständige Gemeinden. Florin Frick erläuterte am Beispiel Schaan die Entwicklung der liechtensteinischen Dorfbilder. «Die Struktur der Dörfer änderte sich vor allem durch die vier grossen Brände», erklärte der Architekt und Ortsplaner. Gab es früher vor allem Wohnhäuser mit angebauten Ställen, aus heutiger Sicht etwas chaotisch angeordnet, wurde vor allem seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Infrastrukturausbau auch das Dorfbild markant verändert. Eine bessere Ausnützung der vorhandenen Fläche wurde notwendig. Als ab den 1960er-Jahren der wirtschaftliche Boom eintrat, wurden auch immer mehr Flächen umgezont, um der wachsenden Bevölkerungszahl und deren Bedürfnissen gerecht zu werden. Und so passierte das, was früher schon einmal war: Aus Vaduz und Schaan wurde – wenn auch nur räumlich gesehen – wieder eine Gemeinde. Die Zersiedelung lässt grüssen.

Tante Emma ist Geschichte

Im zweiten Teil des Abends standen mit den Vorträgen von Susanne Keller-Giger und Christoph Merki die Einkaufsregionen Werdenberg und Liechtenstein im Zentrum. In den beiden Vorträgen wurde auch klar, weshalb Liechtenstein bis heute keine wirkliche Einkaufsstrasse aufbauen konnte.

Susanne Keller-Giger, Historikerin aus Buchs, zeigte anhand der Entwicklung der Buchser Bahnhofstrasse auf, wie sich die Gemeinde vom ländlichen Bauerndorf zu einem regionalen Einkaufszentrum transformierte. Wie in vielen anderen ländlichen Gebieten in der Schweiz auch, durchlief Buchs im vergangenen Jahrhundert einen tiefgreifenden Strukturwandel. Waren die Menschen um 1900 oftmals noch über weite Strecken Selbstversorger, so wurden sie im Laufe der Zeit immer mehr zum Konsumenten, welcher in kleinen Tante-Emma-Läden und später sogar in Warenhäusern einkaufte. Als verkehrstechnische Schnittstelle profitierte die Gemeinde auch von ihrem Standort. Nicht ganz unbedeutend für den Standort Buchs ausserdem: Liechtenstein.

Warenhaus-Verbot mit Folgen

Liechtenstein kannte von 1937 bis 1969 das sogenannte «Warenhaus-Verbot». Mit dieser Massnahme versuchte die Regierung damals, die heimischen Einzelhändler vor den Schweizer Grossverteilern Migros und Coop zu schützen. Ein Plan, welcher – im Nachhinein betrachtet – ein grober Fehler gewesen ist. Denn anstatt die Liechtensteiner die hohen Preise im Fürstentum bezahlten, gingen sie ennet der Grenze einkaufen. Wie Christoph Merki, Privatdozent an der Universität Bern, in seinem Referat über die Geschichte des liechtensteinischen Einzelhandels ausserdem bemerkte, schützte es die überholten Strukturen und hinderte den Standort Liechtenstein daran, sich konkurrenzfähig weiterzuentwickeln. Stattdessen erzog es die Liechtensteiner, im nahen Ausland einzukaufen. Und wie so oft an diesem Abend kam aus scheinbar längst Vergangenem wieder jede Menge Aktualität ans Licht.

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