Vision erfolgreich umgesetzt

Eine gewagte Idee hat voll ins Schwarze getroffen. Während der Wintermonate wird dem Bistro im Schlosshof der Atem nicht ausgehen. Als Plattform wird das Lokal zu einem Ort für unabsehbare Momente.

Heidy Beyeler
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Ein rundum gelungener Freitagabend im Bistro: Auch die Macher dieses Abends – Angelo Zehr, Luca Ghiselli, Johanna Senn, Isabelle Brown, Samuel Giger, Fatima Di Pane, Andreas Lenherr (von links) – sind begeistert von diesem Konzept, das kein Konzept hat. (Bild: Heidy Beyeler)

Ein rundum gelungener Freitagabend im Bistro: Auch die Macher dieses Abends – Angelo Zehr, Luca Ghiselli, Johanna Senn, Isabelle Brown, Samuel Giger, Fatima Di Pane, Andreas Lenherr (von links) – sind begeistert von diesem Konzept, das kein Konzept hat. (Bild: Heidy Beyeler)

WERDENBERG. Die spontane Idee, das Bistro im Winter nicht in einen Dornröschenschlaf zu versetzen, ist nichts Aussergewöhnliches. Das Spezielle ist das Konzept, das vorsieht, jeweils freitags am Feierabend ab 16 Uhr bis … Gästen eine Plattform zu bieten, die spontan Lust haben einen kulturellen oder gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Der Clou an diesem Konzept ist, dass es kein Konzept gibt – einzige relevante Grösse ist die Öffnungszeit: Das Bistro ist jeden Freitag ab 16 Uhr geöffnet.

Unerschöpfliche Ressourcen

Der erste Freitagabend hätte als Auftakt für die Wintersaison besser nicht sein können. Johanna Senn aus Azmoos trommelte ein paar Schreibtalente zusammen für eine offene Lesung im Bistro. Daraus wurde ein Leseabend von höchster Güte, gestaltet von jungen Menschen, die den Gästen einen eindrucksvollen Abend boten, gefüllt mit neuen Gedanken, die sie nach Hause nehmen konnten.

Vier Autoren sagten definitiv zu, ihre Geschichten, beziehungsweise Gedanken vorzutragen. Nach einer Pause hatten weitere drei Verfasser den Mut, dasselbe zu tun. Die Zuhörer erlebten ein breites Spektrum von Geschichten, Momenten, Gedanken, welche die Schreibtalente tiefgängig vortrugen und zum Teil einen Einblick in ihr Innerstes boten. Es waren Texte, von denen das Publikum zutiefst berührt war, und die von einem grossen Potenzial an Ressourcen zeugten.

An dieser Stelle wäre es müssig, etwas über die Inhalte der einzelnen Vorträge zu schreiben. Das würde auch den Rahmen sprengen – bei sieben Autoren. Man muss die Stimmung und die Vortragenden persönlich empfinden, erst dann kommen die echten Wahrnehmungen auf. Alles andere wäre Verwässerung des Erlebten. Vorstellbar ist aber, dass weitere spontane Vortragsabende stattfinden werden. Spontan können Interessierte freitags den Winter im Bistro geniessen – sei es als Gast oder als Akteur auf der Bühne – ob singen, musizieren, Geschichten erzählen oder lesen – alles ist möglich.

Rundherum Begeisterung

Die Vortragenden waren ob dem Leseabend richtig zufrieden. Sie fanden es toll, eine derartige Plattform vorgefunden zu haben. Mit der Möglichkeit, spontan entscheiden zu können, nun auf die Bühne zu treten oder es sein zu lassen, verspürten sie weniger Druck, obwohl sich bei den meisten von ihnen trotzdem ein gewisses Lampenfieber einschlich. Unisono kommentierten sie: «Das war ein toller Abend. Grossartig, wenn uns jungen Menschen eine solche Bühne geboten wird, auf der wir unkonventionelle Inhalte aus unserer Sicht darlegen können und auch Gehör finden.»

Ebenso begeistert war das Publikum. Auch hier herrschte Einigkeit darüber, dass vermehrt jungen Menschen Chancen gegeben werden müssen, einen öffentlichen Abend selber zu gestalten, ohne jedwelche Vorgaben und Konventionen zu Themen, Umfang oder Dauer. Die Freude über den gelungenen Auftakt stand aber vor allem Kurt Scheidegger, Geschäftsführer Schloss Werdenberg, ins Gesicht geschrieben. «Wir hatten ja keine Vorstellung, wie der erste Freitagabend über die Bühne gehen wird. Umso grösser ist die Begeisterung auf meiner Seite. Die Jungs – damit meine ich natürlich auch die jungen Damen – haben mit ihrem Auftritt Erstaunliches geboten. Sie verdienen meinen Respekt und meine Bewunderung», kommentierte er am späten Abend.

Und wie geht's weiter?

Der Start zu den Freitagfeierabenden hätte laut Scheidegger nicht besser sein können. «Dafür hat Johanna Senn als Initiatorin des offenen Leseabends mit ihren Kollegen und Kolleginnen gesorgt.» Ja, und was, wenn das ein kurzer Flash war? «Da mache ich mir keine Sorgen. Es muss nicht jeden Freitag ein von Einfällen strotzender Abend sein. Man kann sich im Bistro auch zu interessanten Gesprächen oder zum Spielen treffen. Wir haben etliche Spiele hier. Wer will, kann auch einen Jassabend gestalten. Wie gesagt, es gibt keine Vorgaben für den Freitagfeierabend.