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«Viele Probleme der Menschheit lassen sich mit Technik lösen»

Nachgefragt

Professor René Pawlitzek ist Dozent für Informatik am Institut für Ingenieurinformatik der NTB Buchs. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Internet der Dinge, hält Seminare zu diesem Thema und arbeitet mit Unternehmen auf diesem Gebiet zusammen.

Was ist überhaupt das Internet der Dinge?

Das Internet der Dinge besteht aus intelligenten Geräten, die den Menschen bei seinen Tätigkeiten unterstützen. Im Prinzip ist das nichts anderes als Gegenstände plus Intelligenz. Und die Verbindung zum Internet.

Was sind intelligente ­Elemente?

Das sind Sensoren. Zum Beispiel Feinstaubsensoren oder lichtempfindliche Sensoren. Auch ein Mikrofon kann Daten erfassen. Diese lassen sich dann ins Internet schicken und verarbeiten. Den umgekehrten Weg gibt es auch: dass Sie aus dem Internet Befehle schicken, um Aktoren – zum Beispiel Lampen oder Displays – zu steuern. Mit Software wird alles intelligent.

Ist da jetzt vieles Hype?

Das ist eigentlich kein Hype. Man geht davon aus, dass im Jahr 2020 50 Milliarden Geräte im Internet sind. Man kann heute sogar schon die eigene Katze vernetzen. Auch in jeder Wohnung finden sich viele vernetzte Ge­räte: Fernseher, Alexa oder Siri, Philips-Lampen, Videokameras, Streamingdevices, über die man Musik bezieht. Das Internet der Dinge ist also längst Realität.

Wo geht die Entwicklung noch hin?

Wir werden alles vernetzen, was man vernetzen kann. Strassenlampen, Briefkästen, Abfallkübel, Parkbänke und so weiter. Das liegt daran, dass die Kommunikation immer billiger wird. Auch die Mikrocontroller, also die eigentliche Elektronik, kosten fast nichts mehr.

Wird auch der Mensch ­vernetzt?

Ja. Die Digitalisierung findet in allen Bereichen statt. Im Gesundheitswesen ganz speziell. Vor ­allem, weil in der Pflege Leute fehlen. Darum werden ältere Menschen mit Sensoren vernetzt, sodass zum Beispiel sofort automatisch gemeldet wird, wenn jemand stürzt. Wir werden in ­Zukunft Sensoren an und in un­serem Körper tragen, die miteinander vernetzt sind.

Kann Kleidung auch intelligent sein?

Intelligente Kleidung wird auch kommen. Also Kleidung, die Ihnen sagen kann, ob Sie bereits zu lange an der Sonne gewesen sind. In diesem Bereich herrscht gerade eine Art «Goldgräberstimmung».

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?

Das ist die Sicherheit: Letztes Jahr gab es zum ersten Mal eine Attacke von Geräten aus dem Internet der Dinge. Für diesen Angriff hat man Videokameras gehackt. Beim Internet der Dinge ist die virtuelle Welt mit der realen Welt verknüpft. Stellen Sie sich vor, Sie können die Ampeln an der Kreuzung schalten, einen Motor in einer Fabrik einschalten oder die Herz-Lungen-Maschine von einem Patienten ausschalten. Sicherheit wird momentan wegen Unwissenheit vernachlässigt. Auch aus Kostengründen: Man will schnell am Markt sein.

Wer müsste für mehr Sicherheit sorgen: der Hersteller oder der Gesetzgeber?

Wir werden nicht darum herumkommen, dass der Gesetzgeber Normen erlässt, die eine gewisse Grundsicherheit als Standard gewährleisten. Dazu braucht es Zertifizierungsstellen, die deren Einhaltung prüfen und zertifizieren. So hat auch der Käufer mehr Gewissheit, dass ein Gerät regelmässig aktualisiert werden kann. Grundsätzlich sind Hersteller nicht darin interessiert, Fehler in der Software zu beheben, da das keine zusätzlichen Einnahmen generiert. Da wird schon Druck vom Gesetzgeber nötig sein.

Braucht es allgemein noch mehr Wissen in dem Bereich?

Das sicher auch. Jeder Schul­abgänger sollte wissen, wie Netzwerke und das Internet der Dinge funktionieren, welche Technologien involviert sind. Deshalb ist die Einführung des Informatik-Unterrichts in den Schulen so wichtig. Auch der Otto Normalverbraucher sollte eine Ahnung oder ein Bauchgefühl haben, was die Gefahren sind.

Es gibt auch internetfähige Spielsachen. Werden unsere Kinder und wir zu Hause abgehört?

Das könnte möglich sein. Wie Sie sehen, habe ich an meinem Laptop die Kamera abgeklebt! In der Hinsicht bin ich ein bisschen kritisch. Wenn man die Technik versteht, weiss man, wie sie missbraucht werden könnte.

Wie steht es mit Datenschutz und Datensicherheit?

Datenschutz und Privatsphäre sind da ein ganz wichtiges Thema. Eigentlich sind die Technologien vorhanden, um das zu gewährleisten. Das muss eigentlich nur umgesetzt werden.

Wie ist es mit dem Schutz der Privatsphäre?

Dafür braucht es erst einmal das Bewusstsein. Das sollte schon in den Schulen passieren. Man gibt seine wichtigsten Daten bei einem Wettbewerb auf der ­Strasse an. Da besteht die Gefahr, dass ­jemand einem die Identität stiehlt und sich dann mit dieser Identität im Internet bewegt. Missbrauch von Daten ist ein grosses Thema. Datenschutz ist etwas, worum man kämpfen muss. Das kommt nicht von selbst.

Welche Rolle spielt das ­Smartphone bei der Fort­entwicklung des Internets der Dinge?

Es ist immer an und wird daher für die Steuerung von vielen Geräten eingesetzt. Das Smartphone ist der Faustkeil des 21. Jahrhunderts. Es ist bequem, wenn ich Be­leuchtung, Wasser, Heizung und Musik, ja sogar die Türklingel vom Smartphone aus steuern kann. Daher ist es im Consumerbereich sicher ein Treiber.

Was treibt die Entwicklung in der Industrie an?

In der Industrie geht es um die Umsetzung der Digitalisierung im Bereich Produktion und Logis­tik. Man möchte die sogenannte intelligente Fabrik, die nicht 10 000 gleiche iPhones baut, sondern Ihr iPhone nach Ihren Vorstellungen und nach Mass. Der Treiber in der Industrie ist sicher Effizienz und Individualisierung.

Abschliessend gefragt: ins­gesamt Fluch oder Segen?

Ich glaube, es ist ein Segen. Viele Probleme der Menschheit können mit Hilfe der Technik gelöst werden. Ich sehe das als grosse Chance – zum Beispiel für effiziente Stromversorgung, bessere Lebensmittelqualität und Verteilung, bessere Wasserversorgung. (uw)

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