Viele Menschen würden gerne noch länger arbeiten

Die Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm bringt ihre Untersuchung auf einen politischen Nenner: «Wir reden alle vom Fachkräftemangel und den Sozialwerken, die ausgehöhlt würden. Aber niemand kümmert sich um jene, die gerne noch länger arbeiten würden.

Rolf App
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Die Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm bringt ihre Untersuchung auf einen politischen Nenner: «Wir reden alle vom Fachkräftemangel und den Sozialwerken, die ausgehöhlt würden. Aber niemand kümmert sich um jene, die gerne noch länger arbeiten würden.» Dass es diese Menschen gibt, hat die Leiterin des Forschungsinstituts Swiss Education mit einer breit angelegten Befragung jetzt erhärtet. Darin einbezogen wurden wurden 500 Männer und Frauen der Jahrgänge 1948 bis 1953, die teils vor der Pensionierung stehen, teils aber bereits im Ruhestand sind.

Diese Menschen aus der Generation der so genannten Babyboomer sind zum einen noch ziemlich fit und aktiv. Zum andern aber sind sie breit interessiert. Mit ihrer beruflichen Tätigkeit sind sie sehr zufrieden. Es erstaunt deshalb Margrit Stamm nicht, dass 57 Prozent der noch nicht Pensionierten gerne weiter arbeiten würden. Mehr als ein Viertel der bereits im Ruhestand Weilenden wären gerne länger berufstätig gewesen.

Aus alledem gelte es betrieblich und politisch zu lernen, sagt Margrit Stamm. «Die Lösung kann nicht darin bestehen, dem jetzigen Berufsverlauf einfach noch ein paar Jahre anzuhängen.» Vielmehr müssten Talente auch im späteren Lebensalter gefördert werden.

«Es braucht einen Masterplan, der nicht mehr an Jahrgänge gebunden ist, sondern älteren Menschen erlaubt, sinnvolle neue gesellschaftliche Rollen einzunehmen», betont Margrit Stamm.

Aussichtslos ist das Unterfangen nicht. «Wir spüren schon, dass wir mit unserer Studie eine Diskussion angestossen haben», erklärt die Erziehungswissenschafterin. • FOCUS 8

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