Vertraulich gebären ist zulässig

Zwei CVP-Kantonsrätinnen haben sich nach der Möglichkeit einer vertraulichen Geburt in St. Galler Spitälern erkundigt – ausgelöst durch die Babyklappe-Diskussion.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Die beiden CVP-Kantonsrätinnen Margrit Stadler und Martha Storchenegger halten nichts von einer Babyklappe. Mehrere politische Vorstösse im Parlament hatten eine solche gefordert. «Mutter und Kind gehören zusammen», sagt Margrit Stadler. Die Befürworter einer Babyklappe isolierten die Mutter. «Immer wieder», so die Toggenburgerin weiter, «bringen Frauen in einer Notlage ihre Kinder anonym und ohne medizinische Hilfe zur Welt – eine für Mutter und Kind gefährliche Situation.» Eine Babyklappe könne nicht die Antwort darauf sein; sie leiste keine genügende Hilfe. Margrit Stadler ist überzeugt: Die vertrauliche Geburt ist «ein passendes Angebot für werdende Mütter in Notlagen».

Es gibt eine Meldepflicht

Die Frage der vertraulichen Geburt in St. Galler Spitälern hatten die beiden Politikerinnen Ende Jahr in einer Interpellation aufgeworfen. «Sie ist in unserem Kanton möglich», hatte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann damals knapp bestätigt, um der Antwort der Regierung nicht vorzugreifen (Ausgabe vom 28. Dezember). Nun liegt die Antwort vor, und darin heisst es: «Die vertrauliche Geburt ist nach geltendem Recht zulässig. Sie wird an den st. gallischen Spitälern seit Jahren angeboten.» Dies unter einer Voraussetzung: Die Mutter muss ihre Personalien nennen – sie kann aber auf besonderen Persönlichkeitsschutz zählen. Eine vollständig anonyme Geburt – ohne Angaben zur Identität der Mutter – ist somit nicht möglich? Sie wäre mit dem Recht nicht vereinbar, hält die Regierung fest. In der Schweiz gelte für jedes lebend geborene Kind wie auch für jede Totgeburt eine Meldepflicht.

Die St. Galler Regierung steht mit ihrer Einschätzung nicht allein. Auch der Bundesrat war zum Schluss gelangt, eine gesetzgeberische Anpassung sei nicht notwendig. Auslöser für seine Abklärungen war ein Vorstoss von Lucrezia Meier-Schatz. Die St. Galler Nationalrätin sieht – wie ihre Parteikolleginnen im kantonalen Parlament – die vertrauliche Geburt «als Unterstützung für Schwangere in Not und als Alternative zur Babyklappe».

Lucrezia Meier-Schatz wollte vom Bundesrat erfahren, ob er die vertrauliche Geburt als «taugliches Mittel zur Verhinderung der Aussetzung von Kindern via Babyklappe» sieht. Ob mit der vertraulichen Geburt tatsächlich alle Schwangeren in Not erreicht werden, könne er nicht beurteilen, so der Bundesrat.

Die Frage nach den Eltern

Und wie wird der Schutz der Mutter gewährleistet? Bei einer vertraulichen Geburt gilt an den St. Galler Spitälern eine verschärfte Informationssperre. Es werden keine externen Anrufe durchgestellt, es werden keine Auskünfte zu Zimmer und Personalien erteilt. Generell gilt für Spitalmitarbeitende das Berufsgeheimnis.

Mütter in schwierigen Lebenssituationen werden im Spital von den internen Beratungs- und Spitaldiensten unterstützt – auch bei der Entscheidung, ob sie ihr Kind zur Adoption freigeben wollen. Tritt diese Situation ein, wird das Neugeborene einer Pflegefamilie anvertraut – vermittelt durch die Kindesschutzbehörde. «Ein Baby», so die Regierung in ihrer Antwort, «kann erst adoptiert werden, wenn die künftigen Eltern das Kind während mindestens eines Jahres gepflegt und erzogen haben.» Bei einer vertraulichen Geburt seien die Rechte des Kindes – Auskunft über Herkunft und leibliche Eltern bei Volljährigkeit – gewährleistet, fügt Margrit Stadler an.

Keine Statistiken

Wie häufig sind vertrauliche Geburten in den St. Galler Spitälern? «Sehr selten», hält die Regierung fest. Statistiken werden keine geführt. Schätzungen gehen von einer Geburt alle drei bis fünf Jahre aus.