Versicherung muss nicht alles zahlen

REGION. Wer in ein Lawinenunglück verwickelt ist, hat erst einmal den Schock des Erlebten zu verarbeiten. Je nach Umständen wartet aber schon bald der nächste Schock: Kommen beim Lawinenunglück Personen zu Schaden, ist der Lawinenverursacher im Grundsatz haftbar.

Alexandra Gächter
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REGION. Wer in ein Lawinenunglück verwickelt ist, hat erst einmal den Schock des Erlebten zu verarbeiten. Je nach Umständen wartet aber schon bald der nächste Schock: Kommen beim Lawinenunglück Personen zu Schaden, ist der Lawinenverursacher im Grundsatz haftbar. «Die Schadensumme hängt von den Verletzungen der Opfer, dem Alter und der Versorgungssituation von Getöteten sowie vom Ausmass von Such- und Rettungskosten ab.

Dies kann unter Umständen sehr teuer werden und in der Summe Schäden in Millionenhöhe verursachen», sagt Anna Ehrensperger, Mediensprecherin der AXA Winterthur. Der Schaden betreffe aber je nach Fall nicht nur die Haftpflichtversicherung, sondern auch Unfall- und Sozialversicherung. «Eine Haftpflichtversicherung ist für Touren- und Variantenskifahrer freiwillig», sagt Ehrensperger. Einzig selbständig erwerbende Personen, wie zum Beispiel Skilehrer, benötigen zwingend eine Haftpflichtversicherung – die sogenannte Berufshaftpflichtversicherung.

Abseits fahren auf eigene Gefahr

Aus Sicht der Bergbahnen ist der Fall klar. «Wir haften für unsere offenen Pisten», sagt Jakob Dürr, Pistenchef der Bergbahnen Toggenburg. Abseits der Pisten zu fahren, sei nicht verboten, man fahre aber «auf eigene Gefahr» und müsse sich im klaren sein, dass man auch andere in Gefahr bringen könne. Die Bergbahnen hätten die Pflicht, eine Infotafel aufzustellen, auf der die Wintersportler die offenen und geschlossenen Pisten erkennen. Zudem werde angegeben, wie hoch die Lawinengefahr sei.

Leistung wird gekürzt

Fährt jemand abseits der Pisten und löst eine Lawine aus, kommt also die Privathaftpflichtversicherung ins Spiel. «Diese deckt Haftpflicht-Schäden von nichterwerbsmässigen Tourenskifahrern, auch wenn diese abseits von Pisten fahren», sagt Ehrensperger. Nur: «Es sind elementare Vorsichtsmassnahmen zu berücksichtigen, damit es bei einem allfälligen Schaden zu keiner Leistungskürzung kommt», betont Ehrensperger.

Bei krasser Missachtung der Vorsichtsmassnahmen könne die Leistungskürzung beträchtlich sein. Ob ein Handeln als grobfahrlässig eingestuft wird, hänge von verschiedenen Faktoren ab. «Es kommt immer auf die konkreten Umstände und die Situation an. Bewertet werden die Witterungs- und Schneeverhältnisse, die Ausrüstung und die Erfahrung der Person sowie die offiziellen Warnhinweise.» Pauschale Aussagen möchte die AXA Winterthur hierzu keine abgeben, da gerade im Bereich der Haftpflicht jeder einzelne Fall geprüft werden müsse.

Regeln müssen beachtet werden

Jürg Thalmann, Mediensprecher der Mobiliar, fügt an: «Damit die Haftpflichtversicherung den Schaden vollumfänglich übernimmt, muss sich ein Wintersportler an die anerkannten Regeln halten wie zum Beispiel die FIS-Regeln, die Skus-Empfehlungen, die Empfehlungen der BFU sowie Weisungen und Signalisationen der Bergbahnen.» Zudem müsse das Lawinenbulletin beachtet und die Verhältnisse vor Ort geprüft und eingeschätzt werden.

Bergführer auch haftbar

Wer in einer Gruppe unterwegs ist, muss wissen, dass grundsätzlich jeder alleine die Verantwortung für sein Tun trägt, so Thalmann. Begebe man sich in die Obhut eines ausgebildeten Bergführers, entscheide aber dieser, ob eine Tour durchgeführt werden könne oder nicht. «Entscheidet der Bergführer falsch und trifft ihn dementsprechend ein Verschulden, kann er auch zur Rechenschaft gezogen werden. Verhält sich jedes Gruppenmitglied während der Tour gleich und löst eine bestimmte Person die Lawine aus, dann ist das reiner Zufall. Deshalb kann diese Person für das Auslösen der Lawine nicht haftbar gemacht werden», sagt Jürg Thalmann abschliessend.

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