Verletzter Stolz

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Die Querelen zwischen der Herausgeberin des Werdenberger Jahrbuchs und dessen Redaktionsleiter enden unrühmlich. Der 31. Jahrgang des geschätzten Werks erscheint statt im Dezember erst im Herbst 2018 – produziert von einer neuen Redaktion.

Dass sich die Herausgeberin, die Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg (HHVW), angesichts sinkender Verkaufszahlen und hoher Produktionskosten Gedanken über die künftige Ausrichtung macht, ist legitim. Denn in den vergangenen 30 Jahren ist die Zeit wahrlich nicht stillgestanden. Legitim ist auch, dass sich Hans Jakob Reich, der Redaktionsleiter seit dem 1. Jahrgang, mit der Stossrichtung des HHVW-Vorstandes nicht identifizieren konnte und seine Mitarbeit per Ende 2017, nach Fertigstellung der 31. Jahrbuchausgabe, gekündigt hat.

Zeit für eine Ablöse und Übergabe war damit gegeben. Doch es begann ein Trauerspiel. Die Hauptakteure bewegten sich statt aufeinander zu immer weiter auseinander, Gespräche wurden unmöglich. Und das zwischen gebildeten Leuten, die sonst alles haargenau ­abwägen und Probleme dank ausgeprägter Diskussionskultur irgendwann zu einer guten und einvernehmlichen Lösung bringen können.

30-mal ist es gut gegangen. Dass es beim 31. und letzten Mal auf der Zielgerade scheiterte, ist kein Ruhmesblatt für die Beteiligten. Einige kleine Kompromisse auf beiden Seiten, und das 31. Werdenberger Jahrbuch hätte termingerecht erscheinen können. Letztlich hat verletzter Stolz zum Eklat geführt. Dass als Folge dieser unsäglichen Querelen nun zwei Vereine mit fast gleichem Zweck um die potenziell gleichen Mitglieder, Autoren, Leser und Geldquellen buhlen, hätte sich niemand erträumen können, und schon gar nicht gewünscht.