VÄTTIS: Berge beben und gestalten die Landschaft

Im Taminataler Dorf bebt die Erde recht häufig. Hier kann seit Freitag in einer aufschlussreichen Ausstellung hinter den Zusammenhang mit diesem Phänomen und der Gebirgsbildung geblickt werden.

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Am Freitag ist die Ausstellung «BergeBeben! – Erdbeben und Gebirgsbildung» eröffnet worden. Die Bevölkerung konnte sich am Samstag mit zahlreichen Aktivitäten an den Eröffnungsfeierlichkeiten beteiligen. Die Ausstellung zeigt erstmals den Zusammenhang zwischen Erdbeben und den Aspekten der Gebirgsbildung im Unesco-Welterbe-Tektonikarena Sardona.

Der Gemeindepräsident von Pfäfers, Axel Zimmermann, stellte fest: «Vättis, das südlichste Dorf der Gemeinde Pfäfers und des Kantons St. Gallen, setzt mitten in der Bergwelt des Unesco-Welterbes ein neues Zeichen.» Er bezeichnete die Ausstellung «BergeBeben!» als gleichermassen lehrreich wie interessant.

Ortsgemeindepräsident Erwin Gort bezeichnete die Ausstellung als weiteren «Mosaikstein in der wunderbaren Tektonikarena Sardona», der die anderen Naturwerte rund um Vättis ideal ergänze. Mit der Gründung der Tektonikarena Sardona und den Führungen durch die GeoGuides sei die Bekanntheit dieser Phänomene um ein Vielfaches erhöht worden, so Gort. Er bedankte sich im Namen der Trägerschaft der Ausstellung für die fachliche Unterstützung durch die IG Tektonikarena Sardona und den Schweizerischen Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich.

Zusammenhang mit der Gebirgsbildung

Welterbe-Geschäftsführer Harry Keel zeigte in seiner kurzen Ansprache den Zusammenhang zwischen Erdbeben und den Gebirgsbildungsthemen der Tektonikarena Sardona auf: Die berühmte Glarner Hauptüberschiebung, perfekt sichtbar am Ringelspitz oder am Piz Sardona, sei ein Zeuge vergangener und äusserst heftiger Erdbeben.

«In der Welterberegion Sardona kann man somit Erdbeben nicht nur regelmässig spüren, man kann sie im Loch- sitenkalk der Hauptüberschiebung sogar sehen», schwärmte Keel. Neben dem Zusammenhang mit der Gebirgsbildung fasste Keel weitere Gründe für das Gelingen der Erdbebenaus-stellung in Vättis zusammen: Die grosse Publikumswirksamkeit des Themas Erdbeben, die Verfügbarkeit der Ausstellung «unvorherSehbar – Erdbeben in der Schweiz» des SED sowie die Mithilfe engagierter und motivierter Leute aus dem Tal, die etwas bewegen wollen. «Sie kämpfen seit Jahren dafür, dass in ihrem Tal das international bedeutsame Welterbe Sardona besser bekannt, sichtbar und erlebbar wird, damit es auch eine touristische Anziehung ausüben kann.»

Michèle Marti, Leiterin Kommunikation des SED, überraschte mit Zahlen zur Häufigkeit von Erdbeben: «In der näheren Umgebung von Vättis ereigneten sich dieses Jahr bereits 14 Erdbeben mit einer Magnitude von 1 oder grösser, von denen jedoch keines verspürt wurde. Dies im Gegensatz zum etwas weiter entfernten Beben bei Linthal im März, das von der Bevölkerung deutlich wahrgenommen wurde. Dies zeigt, dass es häufiger bebt, als man oft denkt», folgerte Marti. Vättis weise eine höhere Erdbebengefährdung als andere Gebiete auf. Die Erdbebenausstellung befinde sich hier am richtigen Ort, stellte sie fest. Der SED stellt Teile seiner Ausstellung «unvorherSehbar – Erdbeben in der Schweiz» für die Ausstellung in Vättis für fünf Jahre kostenlos zur Verfügung. (pd)