VADUZ: Schwierigkeiten nach Ärzteabgang

Mit einem Nachtragskredit von 2,5 Millionen Franken an das Liechtensteinische Landesspital will die ­Landesregierung ein Liquiditätsproblem vermeiden. Dieses zeichnet sich ab, weil die Fallzahlen eingebrochen sind.

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Am Landesspital brachen die Erträge im ersten Halbjahr wesentlich stärker ein als erwartet. (Bild: Thomas Schwizer, 22. Juni 2016)

Am Landesspital brachen die Erträge im ersten Halbjahr wesentlich stärker ein als erwartet. (Bild: Thomas Schwizer, 22. Juni 2016)

Seit Beginn dieses Jahres sieht sich das Liechtensteinische Landespital (LLS) mit einem markanten Einbruch der Fallzahlen konfrontiert, wie das Ministerium für Gesellschaft gestern mitteilte. Der Ertragseinbruch sei wesentlich höher als erwartet ausgefallen. Eine Einbusse war erwartet worden, weil die umsatzstärksten Belegärzte im Bereich Chirurgie auf Anfang 2017 die Medicnova Privatklinik gründeten. Diese kooperiert mit dem Spital Grabs, welches dadurch dieses Jahr mit rund 350 zusätzlichen Patientenüberweisungen rechnet (W&O vom 23. Juni 2016).

Das Ministerium stellt nun fest, dass insbesondere die neue Privatklinik zum markanten ­Einbruch der Fallzahlen geführt habe. Aber auch die Zuweisungen für ambulante medizinische Leistungen, insbesondere im Bereich Radiologie (MRI/CT), seien am Landesspital in Vaduz deutlich zurückgegangen. Der Einbruch der Erträge für das LLS sei insgesamt wesentlich höher als budgetiert. Das hat Folgen: «Der im ersten Halbjahr beobachtete Geschäftsverlauf führt ohne Gegenmassnahmen zu einem Liqui­ditätsproblem», heisst es in der Mitteilung von gestern.

Auch 2018 und 2019 höherer Staatsbeitrag nötig

Die Liquidität soll durch einen Nachtragskredit des Landes Liechtenstein von 2,5 Millionen Franken «zur Abgeltung der Gemeinwirtschaftlichen Leistungen» gesichert werden. Die Regierung des Fürstentums rechnet damit, dass auch in den Jahren 2018 und 2019 der Staatsbeitrag angehoben werden muss, was mit dem Landesvoranschlag geschehen soll. Ab 2020 rechnet das Landesspital wieder mit einem positiven Jahresabschluss.

Priorität des LLS sei es, in der Grundversorgung wieder jenes Angebot herzustellen, wie es vor dem Abgang der Belegärzte bestand. Es beabsichtige zudem, Angebote für ambulante Behandlungen und in der Akutgeriatrie aufzubauen. Im Gegenzug werde die Bettenkapazität im stationären Bereich verringert.

Insgesamt zeigt sich das Landesspital zuversichtlich, dass der Ertragseinbruch durch getroffene und geplante Massnahmen kompensiert werden könne. Es will «den 2012 begonnenen Prozess der strategischen Neuausrichtung weiterführen, damit die Grundversorgung in Liechtenstein weiterhin gewährleistet sowie die 178 Arbeits- und 24 Ausbildungsplätze im Inland erhalten werden können», wird festgestellt.

Erwartungen von Mauro Pedrazzini nicht erfüllt

Mit dem Antrag für den Nachtragskredit von 2,5 Millionen Franken haben sich die Erwartungen des liechtensteinischen Regierungsrates Mauro Pedrazzini vom Juni 2016, nach Bekanntwerden des Ausscheidens der Beleg­ärzte, nicht erfüllt. Der Gesund­heits­minister ging davon aus, «dass die Leistungen … auch künftig ohne zusätzliche Be­lastung für den Staat erbracht werden können».

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch