VADUZ: Gravierende häusliche Gewalt

Der Angeklagte hat seine Ex-Frau geschlagen, getreten und bedroht. Dies kostet ihn nun über 100000 Franken, die er dem Gericht und seiner Ex-Frau bezahlen muss. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bettina Stahl-Frick
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Ein Mann zückte in einem Konstanzer Jobcenter ein Messer. (Symbolbild) (Bild: Susanne Basler)

Ein Mann zückte in einem Konstanzer Jobcenter ein Messer. (Symbolbild) (Bild: Susanne Basler)

Bettina Stahl-Frick

bstahl@medienhaus.li

Seit kurzem sind sie geschieden – der Angeklagte und seine Ex-Frau. Zwei Personen, die sich besser nie kennen gelernt hätten, wie es der Verteidiger in der Verhandlung vom Donnerstag sagte. In ihrer Ehe ist es immer wieder zu Streitereien gekommen – verbale wie auch körperliche Auseinandersetzungen hat es gegeben. Diese gipfelten in einen handfesten Krach: Erst ging an jenem Abend die Scheibe des Kamins zu Bruch, die der Angeklagte flicken wollte. Wie die Ex-Frau schilderte, soll er sich in der Küche Schaufel und Besen geholt haben. «Beides schleuderte er mir wutentbrannt entgegen», erzählte sie. Dieses Mal hätte sie ausweichen können. Ihr Ex-Mann sei daraufhin wieder in die Küche gestampft und mit einem Schraubenzieher zurückgekommen. «Er bäumte sich vor mir auf und versuchte, im Kopfbereich auf mich einzustechen.» Sie habe ihn mit beiden Händen an den Armen festgehalten. Schliesslich habe er losgelassen und ihr den Schraubenzieher mit voller Wucht an den Kopf geworfen. Dabei erlitt die Frau einen Bluterguss am Wangenknochen – «noch heute habe ich Schmerzen», sagt sie.

Wollte Liebesglück mit Drohung erzwingen

Auch der Liechtensteiner erinnert sich an diesen aggressionsgeladenen Vorfall: «Es stimmt – ich habe ihr den Schraubenzieher an den Kopf geworfen», gab er zu. Dies sei im Affekt passiert – «ich wollte sie ganz bestimmt nicht verletzen». Er sei von seinem Ausbruch selbst geschockt gewesen und habe sich auch gleich entschuldigt. Auf sie einzustechen, hätte er jedoch nicht versucht.

Wenige Tage nach der Schraubenzieherattacke ist die Frau aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. In einem Telefonat habe sie der Angeklagte angefleht, dass sie zurückkommen soll – doch sie verweigerte entschlossen und machte ihm klar, dass sie nun endgültig den Schlussstrich ziehen möchte. Verärgert über das nun tatsächlich gescheiterte Liebesglück, soll der Angeklagte ihr gedroht haben, dass wenn sie nicht zurückkommt, er ihr ein Messer in den Rücken rammen werde. «Das ist gelogen, so habe ich das bestimmt nicht gesagt», behauptete der Angeklagte, worauf ihm der Staatsanwalt ein SMS vorhielt, indem er tatsächlich von einem Messer schrieb, das er ihr in den Bauch rammen will. Er ­bezeichnete sie in dieser Handymitteilung ausserdem als «Drecksschlampe» und «das Letzte». Das habe er natürlich nicht so gemeint, rechtfertigte sich der Angeklagte. Er sei alkoholisiert gewesen und sehr frustriert.

Seinem Frust liess er gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft öfters mal freien Lauf. Wie er zugibt, hat er seine Ex-Frau an den Haaren gezogen und ihr ganze Büschel ausgerissen, sie mit den Füssen getreten und gegen eine Wand gestossen. Er soll sie weiters aufs Übelste beleidigt und bedroht haben. «Er hat mich an den Rand der Verzweiflung getrieben» – so sehr, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen wollte. Der Angeklagte hingegen bestreitet den Zusammenhang zwischen den Auseinandersetzungen und dem Suizidversuch. Bereits bevor sie sich kennen gelernt haben, sei sie in psychiatrischer Behandlung gewesen. Sie sei während der Ehe krankhaft eifersüchtig gewesen und habe ihm Affairen unterstellt. So eifersüchtig, dass sie ihn über Monate von zwei Privatdetektiven beschatten liess.

Staatsanwalt fordert Haftstrafe

«Seit sechs Jahren arbeite ich nun bei der Staatsanwaltschaft, und dies ist mit Abstand der gravierendste Fall von häuslicher Gewalt», sagte der Staatsanwalt. Er forderte eine hohe Strafe und eine zumindest teilbedingte Haftstrafe für den Angeklagten. Der Anwalt der Ex-Frau forderte von dem Angeklagten Schmerzensgeld in der Höhe von rund 30000 Franken. Der Verteidiger machte darauf aufmerksam, dass der Angeklagte erst kürzlich im Rahmen einer Ausgleichszahlung bei der Scheidung seiner ­Ex-Frau einen Betrag von 45000 Franken zugesichert hat. Ganz grundsätzlich habe sich das ­Leben seines Mandanten sehr verändert: «Er lässt die Finger vom Alkohol, und seit der Scheidung ist endlich Ruhe in sein ­Leben gekehrt.»

Saftige Geldstrafe und bedingte Gefängnisstrafe

Das Kriminalgericht verhängte schliesslich eine 14-monatige Haftstrafe. Lässt sich der Angeklagte in den nächsten drei Jahren jedoch nichts zu Schulden kommen, muss er die Strafe nicht absitzen. Bezahlen muss er aber die Geldstrafe in der Höhe von rund 94000 Franken. Hinzu kommen 2000 Franken Teilschmerzensgeld für seine Ex-Frau. Die Kosten des Strafver­fahrens hat er ebenfalls selbst zu tragen – das sind zusätzliche 6000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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